Richterin: „Das klingt abenteuerlich“

Pistolen-Überfall auf Luxus-Hotel in Neuperlach: Prozessauftakt nach vier Jahren

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Volodymyr V. (r.) steht wegen besonders schweren Raubes vor Gericht.

Vier Jahre nach dem Raubüberfall auf das Mercure Hotel in Neuperlach steht seit Montag ein Verdächtiger vor Gericht. Er soll das Luxushotel mit vorgehaltener Pistole überfallen haben.

München - „Ich dachte, ich träume und dass das nicht wirklich passiert“, sagt Sabine K. (Name geändert). Vor vier Jahren stand sie an der Rezeption des Mercure Hotels am Karl-Marx-Ring (Neuperlach), als plötzlich ein Mann mit Pistole hereinkam und sie bedrohte. „Er wusste, dass wir vorne in der Kasse das Geld haben. Dann hat er mich gefesselt.“

Für die junge Rezeptionistin ging der Überfall vom 23. März 2014 gut aus, sie blieb unverletzt. Doch der Täter stahl 2000 Euro und konnte flüchten. Erst im September 2017, also dreieinhalb Jahre später, konnte die Polizei einen Verdächtigen verhaften. Seit Montag wird Volodymyr V. der Prozess gemacht.

Laut Anklage betrat er an jenem Tag gegen 20.30 Uhr mit vorgehaltener Waffe das Hotel. Aus seinem Rucksack holte er drei Kabelbinder, um die Angestellten zu fesseln, und forderte danach Geld und Wertsachen. Mit vorgehaltener Waffe soll er Sabine K. zuvor gezwungen haben, die Kasse zu öffnen. „Der Lauf hat auf mein Gesicht gezielt“, sagt sie.

Doch obwohl seine DNA-Spuren überall zu finden waren, bestreitet Volodymyr V. den Überfall beim Prozessauftakt. „Ich war das nicht“, sagt der Angeklagte und behauptet, dieses Hotel noch nie von innen gesehen zu haben. Richterin Judith Engel ringt er damit nur ein Strinrunzeln ab: „Woher stammen dann die Fingerabdrücke an den Kabelbindern?“, fragt die Vorsitzende. „Das weiß ich nicht. Das wurde alles arrangiert“, behauptet V. „Vielleicht wollte mich jemand ins Gefängnis bringen.“

Die Richterin glaubt ihm nicht. „Das klingt abenteuerlich“, sagt sie. Zumal V. auch in einem anderen Fall Spuren hinterlassen hat: Laut Anklage beging er am 30. September 2015 noch einen weiteren Überfall in Oberföhring und soll die Chefin eines Spielkasinos mit einem Klappmesser bedroht haben, um anschließend 47 000 Euro und Schmuck aus ihrem Tresor zu nehmen. „Ihre DNA war auch an ihrem Ring“, sagt die Richterin, „das kann kein Zufall sein.“

In beiden Fällen war der Täter vermummt. Vor Gericht erkennt Sabine K. den Angeklagten auch nicht wieder. Er gibt an, in München nur Medikamente für seine krebskranke Mutter gekauft zu haben: für 900 Euro, aber ohne Rezept. Morgen wird der Prozess fortgesetzt.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Perlach – mein Viertel“.

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