S-Bahn-Drama - Bahnhofspate klagt an:

Sicherheitslücken seit Jahren bekannt

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Vor der Unfallstelle zeigt Bezirksausschuss-Mitglied Thomas Kauer den Sicherheitszaun vor der S-Bahntrasse, der seit Jahren niedergetrampelt ist

München - Der tragische S-Bahn-Unfall mit dem Kita-Kind in Perlach, er hätte nicht passieren müssen, er hätte nicht passieren dürfen. Ein Bezirksausschuss-Mitglied klagt an.

Ihre Eltern weichen keine Minute von ihrem Krankenbett. Das zweijährige Mädchen, das Mittwochvormittag in Perlach von einer S-Bahn erfasst worden war, liegt mit schwersten Kopfverletzungen im künstlichen Koma. Der tragische Unfall mit dem Kita-Kind: Er hätte nicht passieren müssen, er hätte nicht passieren dürfen. An der Unglücksstelle verläuft eigentlich ein Sicherheitszaun parallel zu den Gleisen – aber der ist schlicht und einfach niedergetrampelt worden.

Drama in Perlach: Mädchen von S-Bahn erfasst

Drama in Perlach: Mädchen von S-Bahn erfasst

Unglaublich: Die etwa 20 Meter breite Lücke klafft nicht etwa seit Donnerstag oder Mittwoch. Der schulterhohe Drahtzaun ist schon seit vielen Jahren kaputt – er ist überwuchert mit Schlingpflanzen und Sträuchern! Seit Jahren gehen hier Anwohner und Pendler, die auf kürzestem Weg zum Wohn-und Gewerbegebiet südlich des Bahnhofs wollen.

„Hier zeigt sich, zu welch tragischem Unglück Schlampigkeit führen kann“, sagt Thomas Kauer vom Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach. „Wir vom BA fordern die Verantwortlichen auf, endlich die Zäune an gefährlichen Stellen in Ordnung zu bringen.“

Als Bahnhofspate kennt Kauer die Station Perlach genau. „Schon vor zwei Jahren habe ich beispielsweise gebeten, ein Loch im Zaun am Bahnsteigende zu schließen“. Passiert ist nichts. „Die Fahrgäste steigen durch das Loch und laufen über die Gleise“, schildert Kauer seine tägliche Beobachtung.

Die Bahn will jetzt sämtliche Sicherheitszäune im S-Bahnbereich überprüfen – „und gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit den Eigentümern und der Stadt instandsetzen“, so sagt es ein Bahn-Sprecher der tz.

Die Kindertagesstätte Wunderland an der Hofer Straße, in die das verunglückte Kind ging, blieb am Donnerstag geschlossen. Auf dem rückwärtigen Firmenparkplatz hatten 19 Krippen-Zwergerl am Mittwoch unter Aufsicht ein Bobbycar-Rennen gefahren. Im Trubel hatten sich zwei Buben und ein Mädchen aus dem Staub gemacht. Sie rollten unbemerkt durch eine Lücke im Parkplatz-Zaun und dann durch dichtes Gebüsch einen Trampelpfad entlang.

Als die Lauser zu dem niedergetrampelten Sicherheitszaun an den Gleisen kamen, nahm das Unglück seinen Lauf. Als eine S7 laut hupend herangerast kam, konnten die zwei Buben zur Seite springen. Das zweijährige Mädchen aber wurde von der S-Bahn erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert.

Ein Augenzeuge trug die lebensgefährlich verletzte Kleine zur Kita. Hier wurde sie von Notärzten versorgt und ins Krankenhaus gebracht.

„Unsere Gedanken sind bei dem Mädchen und ihren Eltern. Wir unterstützen sie in jeder Form“, versichert Doris Rauscher von der Paritätischen Kindertagesstätten GmbH, der Trägerin der Kita.

Auch die Wunderland-Kinder hoffen, dass ihre kleine Freundin wieder ganz gesund wird.

JAM

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