Unglück nach Bobby-Car-Rennen in Perlach:

S-Bahn-Drama: Zweijährige liegt weiter im Koma

München - Das Mädchen (2), das bei einem Bobby-Car-Rennen in Perlach von einer S-Bahn erfasst wurde, liegt immer noch im Koma. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Erzieherinnen.

Auch drei Wochen nach dem S-Bahn-Drama, bei dem eine Zweijährige in Perlach von einem Zug erfasst und lebensgefährlich verletzt worden war, liegt das Kind noch immer auf einer Intensivstation im Koma. Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach fordert unterdessen Sicherheitsmaßnahmen für den Perlacher Bahnhof und sein Umfeld, mit denen ein unbefugtes Überqueren der Gleise wirksam verhindert werden kann. Denn neben dem Unfall des Kindes sei es hier an der Tagesordnung, dass Passanten den Weg abkürzen und über die Gleise laufen.

Drama in Perlach: Mädchen von S-Bahn erfasst

Wie berichtet gehörte das Mädchen am 17. Oktober zu einer Gruppe von 19 Kindern, die mit ihren zwei Erzieherinnen auf einem Parkplatz nahe der Kindertagesstätte am S-Bahnhof ein Bobby-Car-Rennen veranstalten wollten. Dass die Zweijährige zusammen mit zwei gleichaltrigen Buben ausbüxte, war unbemerkt geblieben. Nach Polizei-Angaben schlüpften die Kinder durch ein Loch im Zaun und liefen über einen Trampelpfad zu dem etwa 200 Meter entfernten Bahngleis. Dort wurde das Mädchen von einem Zug gerammt und erlitt mehrere Schädelbrüche. Die beiden anderen Kinder blieben unverletzt.

Wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte, laufen gegen die beiden Erzieherinnen Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Laut Polizei sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Die beiden Frauen lassen sich anwaltschaftlich vertreten.

Ähnliche Pfade wie die drei Kinder nutzen viele Anlieger und Beschäftigte täglich als Abkürzung ins Gebiet rund um die Hofer Straße. Der Unfall am S-Bahnhof Perlach schockiere vor Ort auch deshalb so, weil sich der Eindruck aufdränge, dass man ihn hätte verhindern können, erklärte Thomas Kauer (CSU) auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses. Seit Jahren würden Bürger und Stadtteilparlament wiederholt auf defekte Zäune, fehlende Zugänge und häufige Gleisquerungen hinweisen. „Reagiert wurde jedoch nicht“, ärgert sich Kauer. Aus dem Unfall müsse man nun Lehren ziehen und alles tun, um künftige Gefährdungen zu vermeiden. Das unbefugte Überqueren der Gleise und die illegalen Durchgänge über Trampelpfade müssten sofort unterbunden werden. Außerdem fordert Kauer einen Unterlaufschutz für die Bahnschranke am Übergang Neubiberger Straße. Der Bezirksausschuss verlangt von Stadt und Freistaat nun, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass der Perlacher Bahnhof ganz vorne im Nachfolgeprogramm für den barrierefreien Ausbau von S-Bahnhöfen landet. Bei den Umbauplänen soll dann auch ein östlicher und südlicher Zugang zum Bahnhof gebaut werden. Damit würden illegale Gleisquerungen und Trampelpfade unnötig.

Carmen Ick-Dietl und Sven Rieber

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