Todesdrama in Neuperlach

Von Schulbus überfahren: Jesus (10) tot

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Die Unfallstelle am Karl-Marx-Ring: Anwohner haben für Jesus (r.) Kerzen aufgestellt.

München - Er wollte den Bus erreichen - und lief einfach über die Straße. Der kleine Jesus (10) wurde dabei am fünfspurigen Karl-Marx-Ring in Neuperlach von einem Schulbus erfasst.

"Ruhe in Frieden, mein Sohn. Ich liebe Dich über alles!" Als dieser Eintrag gestern Nacht gegen 4 Uhr bei Facebook auftauchte, war der kleine Jesus (10) erst wenige Minuten tot. Es ist die Trauer eines verzweifelten Vaters, der mit seinem Buben noch so viel zusammen vorhatte. WM-Spiele schauen, Ausflüge in den Tierpark oder Spritztouren auf dem Motorrad.

Doch das Schicksal hat beide für immer getrennt. Montagnachmittag, 16.20 Uhr: Der kleine Jesus macht sich alleine auf den Weg und will direkt vor dem Haus den viel befahrenen, insgesamt fünfspurigen Karl-Marx-Ring in Neuperlach überqueren. „Er wollte unbedingt den Bus an der Haltestelle gegenüber erreichen und ist einfach auf die Straße gelaufen. Dabei wäre doch 30 Meter weiter die Ampel gewesen“, sagt ein enger Freund der Familie zur tz.

Zehnjähriger wird durch Luft geschleudert und schwer verletzt

Die Autos auf der rechten Spur stehen wegen der gerade beendeten Rot-Phase alle noch, doch in der Straßenmitte rollt der Verkehr schon wieder. Jesus hat nur den Bus im Auge – und läuft einfach weiter.

Ein Schulbusfahrer (65) kommt trotz Vollbremsung mit seinem Ford Transit nicht mehr zum Stehen. Der Aufprall ist so heftig, dass der Zehnjährige durch die Luft geschleudert und schwer verletzt wird. Mit einem offenen Schädel-Hirn-Trauma und einer Hirnblutung wird er ins Krankenhaus gebracht. Dort können ihm die Ärzte trotz Not-OP nicht mehr helfen.

„Er war so ein lebendiger und immer lustiger Bub, der mit seinen Freunden ständig im Hof gespielt hat“, sagt ein Hausbewohner. Seine große Leidenschaft war der Fußball. Beim SV Neuperlach kickte er in der Mannschaft, mit seinen Eltern feuerte er bei der WM vor allem das spanische Team an.

Am Tag danach erinnern nur noch einige Kerzen an das Drama am Karl-Marx-Ring. Doch die Anwohner fordern, dass die Stadt an dieser gefährlichen Stelle endlich was unternimmt. Ein Anwohner zur tz: „Hier gab es schon einmal einen Todesfall. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.“

S. Arbinger

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