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So integriert die Münchenstift ausländische Pflegekräfte

München - Ohne Kräfte aus dem Ausland wäre das Pflegesystem in Deutschland längst zusammengebrochen. Die Münchenstift will deshalb gezielt solche Pflegekräfte in ihre Heime integrieren. Die tz stellt drei Beispiele vor:

Es ist ein Teufelskreis: Zum einen werden die Menschen im Freistaat im Schnitt immer älter – und damit auch pflegebedürftiger. Auf der anderen Seite finden sich immer weniger Menschen, die als Pflegekraft arbeiten wollen. Allein bis zum Jahr 2020 soll die Zahl der Pflegebedürftigen um ein Drittel auf 41. 000 steigen. Doch wer soll sie versorgen? Experten wissen: Dass das Pflegesystem nicht schon zusammengebrochen ist, liegt nur an einem: an den Kräften aus dem Ausland!

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt rasant, doch es mangelt weiter an Pflegekräften.

Und genau die will die Münchenstift noch stärker in ihre Heime integrieren. „Ohne diese Pflegekräfte aus Bosnien, Kroatien oder anderen Ländern geht es längst nicht mehr“, erklärte am Dienstag Münchenstift-Chef Sigi Benker. Schon jetzt haben 60 Prozent der insgesamt 1900 Mitarbeiter in seinen Häusern einen Migrationshintergrund – es werden wohl noch mehr werden. „Und deswegen müssen wir uns Konzepte überlegen, diese Pflegekräfte noch besser und schneller zu integrieren“, so Benker. Natürlich auch, weil zudem der Anteil der Heimbewohner mit Migrationshintergrund langsam ansteigt. Stichwort: interkulturelle Öffnung.

Münchenstift-Chef Sigi Benker.

Und so hat die Münchenstift einiges auf die Beine gestellt, um weiterhin gute Pflegekräfte aus dem Ausland für ihre Häuser zu gewinnen. Es gibt unter anderem interne Deutschkurse für die neuen Mitarbeiter und Schulungen im Umgang mit den Bewohnern. Aber das ist nicht alles: Auch Weiterbildungen im Bereich Teamarbeit werden angeboten. „Wir wollen diese Kräfte ja auch länger an uns binden“, erklärt der Münchenstift-Chef. „Sie sollen sich hier wohlfühlen – das kommt dann auch unseren Bewohnern zugute.“

Pflege in Deutschland: Die tz sprach mit drei Fachkräften aus dem Ausland, die im Pflegeheim an der Rümannstraße arbeiten:

Dieser Beruf ist einfach traumhaft

Maja Beganovic (33) aus Kroatien.

Als ich im Jahre 2000 in Kroatien meine Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen hatte, arbeitete meine Schwester schon in München. Da mir die Stadt sehr gefiel, wollte ich das auch. Ich habe den Entschluss hierherzukommen, nie bereut. Das Schwerste war, erstmal die deutsche Sprache zu lernen. Ein Vorteil war: Die Münchenstift hat mir während der ganzen Ausbildung sofort eine Unterkunft zur Verfügung gestellt. So hatte ich dieses Wohnungs-Problem aus dem Weg. Ich arbeite mit den alten Menschen unheimlich gerne zusammen – du spürst jeden Tag die Dankbarkeit. Das ist ein Traum – denn wer hat das schon jeden Tag in seinem Beruf? Mittlerweile bin ich stellvertretende Pflegedienstleiterin.

Ich bin sehr dankbar

Ena Halilovic (27) aus Bosnien.

Im September 2012 kam ich nach Deutschland und mir war klar: Hier will ich arbeiten. Also recherchierte ich im Internet nach Stellenanzeigen. Auch ich war schon ausgebildete Krankenschwester – wollte aber in die Altenpflege. Am Anfang war es echt schwer, weil ich mich mit der deutschen Sprache nicht leicht tat – aber ich habe nicht aufgegeben. Der von der Münchenstift organisierte Deutschkurs hat mir auch sehr geholfen. Noch immer sammle ich jetzt jeden Tag neue Erfahrungen. Dafür bin ich echt dankbar und es macht mir einen riesigen Spaß, mit den Heimbewohnern jeden Tag Zeit zu verbringen.

Ich habe halt eine alte Seele

Antonela Kisic (28) aus Kroatien.

Nachdem ich in Kroatien mein Staatsexamen gemacht und als Krankenschwester gearbeitet hatte, fiel mir eines Tages eine Anzeige in der Zeitung auf: Dort stand, dass in Deutschland händeringend Pflegekräfte gesucht werden. Ich entschied: Das mach ich, da geh ich hin. Vor fünf Jahren war das. Da ich mit alten Menschen sehr gut auskomme, war für mich klar, dass ich in die Altenpflege gehe. Ich sage immer über mich selbst, dass ich eine alte Seele habe. Ich würde das alles wieder tun.

Armin Geier

Rubriklistenbild: © fkn

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