Anwohner laufen Sturm

Supermarkt statt Cincinnati-Kino?

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Das Cincinnati-Kino ist für die Anwohner der einzige kulturelle Treffpunkt in ihrem Viertel.

München - Im Cincinnati-Kino könnten schon bald die Lichter ausgehen. Im Lichtspielhaus im Fasangarten soll übergangsweise ein Supermarkt untergebracht werden. Die Anwohner laufen Sturm.

Im Cincinnati-Kino könnten schon bald die Lichter ausgehen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) überlegt, das Lichtspielhaus in der ehemaligen Ami-Siedlung im Fasangarten zu schließen, um in dem Gebäude übergangsweise den bestehenden Supermarkt aus der Cincinnatistraße 65 unterzubringen. Es sei eine von mehreren Alternativen, die gegenwärtig untersucht würden, erklärt Rudolf Deser von der BIMA. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Sie hänge nicht zuletzt von der erforderlichen Genehmigung der Münchner Lokalbaukommission ab.

Hintergrund für die Idee ist der geplante Neubau für die Europäische Schule auf dem Areal des heutigen Supermarkts. Die Stadt legt größten Wert darauf, dass im Viertel dadurch keine Versorgungslücke entsteht. Deshalb sollte zunächst der neue Vollsortimenter am S-Bahnhof entstehen, bevor das alte Supermarkt-Gebäude abgerissen wird. Bis Herbst 2017 muss der Neubau unbedingt fertig sein.

Wegen des engen Zeitkorsetts will die BIMA kommenden Sommer auf dem Grundstück schon mal vorhandene Versorgungsleitungen verlegen, vor allem eine überörtliche Fernwärmeleitung der Stadtwerke München. Damit entfalle allerdings auch die Versorgung des Supermarkt-Gebäudes, so Deser. Der Bau für den neuen Vollsortimenter könne aber frühestens im Laufe des kommenden Jahres starten. Daraus ergebe sich ein Lücke von eineinhalb bis zwei Jahren, in der es unbedingt eine Zwischenlösung für die Nahversorgung brauche.

Die mögliche Schließung des Cincinnati-Kinos hat im Fasangarten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gemeinsam wollen die „Bürgerinitiative Amisiedlung“ und der Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten (BA 17) nun für den Erhalt des Kinos kämpfen. „Es ist der einzige kulturelle Treffpunkt des Viertels“, sagt Thomas Majer von der Initiative. Eine andere Nutzung des Kinogebäudes sei daher untragbar und völlig inakzeptabel. Werde das Kino auch nur für kurze Zeit – und das könne durchaus auch mehrere Jahre bedeuten – anders genutzt, laufe man Gefahr, es ganz zu verlieren. Denn ob der Betreiber, der seine Filme auch noch im „Neuen Rex“ und im „Neuen Rottmann“ in München zeigt, nach einer solchen Pause wiederkomme, sei fraglich, meint BA-Chef Horst Walter (SPD).

Zudem könnte das Cincinnati durch die Umwidmung zum Supermarkt seinen Bestandsschutz verlieren. Majer hat den Eindruck, dass die BIMA hier „vielleicht den ersten Schritt in Richtung der Schließung unseres sehr geliebten Kinos tun und weiteren, noch nicht genannten Nutzungen die Türen öffnen“ möchte. Die Anwohner hingegen wollen das Kino unbedingt als sozialen und kulturellen Treffpunkt erhalten und die vorhandenen Räumlichkeiten gern für weitere kulturelle Events wie Konzerte oder Lesungen nutzen.

Carmen Ick-Dietl

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