Unterkunft für Wohnungslose und Flüchtlinge geplant

„Flexiheim“: Sozialer Zündstoff in Ramersdorf

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Für Bezirksausschuss-Chef Thomas Kauer (CSU) ist die Planung problematisch. 

München - Ramersdorf-West entwickelt sich gerade zum Sorgenkind des örtlichen Bezirksausschusses. Ein Investor will an der Ständlerstraße eine städtische Sofortunterbringung mit 150 Mini-Appartements errichten. Im näheren Umfeld gibt es allerdings bereits von der Flüchtlingsunterkunft bis zu „Wohnen für alle“ mehrere Projekte mit sozialem Zündstoff.

Der private Investor spricht von einer „Bürgerunterkunft“, die Stadt betitelt es als „Flexiheim“. Fakt ist: langjährige Wohnungslose, anerkannte Flüchtlinge und junge Erwachsene aus der Jugendhilfe sollen in den Appartements an der Ecke Ständler- und Traunreuter Straße unterkommen. 150 Einzelpersonen, die preisgünstig in den elf bis 15 Quadratmeter großen Zimmern mit kleiner Küchenzeile und Bad leben. Dazu soll es Gemeinschaftsküchen und -waschräume sowie Aufenthaltsräume geben. Allerdings ist es nicht als langfristige Unterbringung geplant. Die Betroffenen sollen nach kurzer Zeit in größere Wohnungen weitervermittelt werden.

Das „Flexiheim“ hingegen könnte Ramersdorf längerfristig erhalten bleiben. Denn eine Förderung aus dem Wohnungsbauprogramm der Stadt erhält der Investor nur bei mindestens 40 Jahren Laufzeit. Der Mietvertrag für die Räume ist nach Auskunft von Bezirksausschuss-Chef Thomas Kauer (CSU) vom Wohnungsamt noch nicht unterschrieben, aber schon fortgeschritten. Dazu wurde dem BA vor kurzem noch ein Gebäude mit nahezu identischer Nutzung auf dem unmittelbar angrenzenden Grundstück vorgestellt. Wohl als Unterkunftsanlage für unbegleitete minderjährige Asylbewerber gedacht.

Eine Ballung von sozialer Wohnbebauung ist in Ramersdorf zu beobachten (li.).

Dem BA Ramersdorf-Perlach schmecken diese Pläne ganz und gar nicht. Zwar brauche man in München auch Wohnungen für diese Klientel, Standort und Häufung bereiten jedoch Bauchschmerzen. Man hat Angst vor einem sozialen Brennpunkt in diesem Teil Ramersdorfs. Denn in der direkten Umgebung gibt es ein paar Projekte, auf die man ein wachsames Auge wirft. Da ist zum einen die Gemeinschaftsunterkunft an der Aschauer Straße, in der 300 Flüchtlinge leben, „völlig unproblematisch“, betont Kauer. Und so soll es möglichst auch bleiben. Unweit davon, an der Ständler-/Görzer-/Balanstraße soll die bestehende GWG-Wohnanlage im Rahmen des Konzepts „Wohnen für alle“ nachverdichtet werden. 70 neue Kleinst-Wohneinheiten für Einkommensschwache und anerkannte Flüchtlinge sind hier geplant. Gleich daneben gibt es eine große Siedlung mit Sozialwohnungen, die vor einigen Jahren noch den offiziellen Status einer Unterkunftsanlage hatte. Für die Ständlerstraße 45, gegenüber vom nun beantragten „Flexiheim“, liegt dem BA auch noch der Antrag für ein Boardinghaus mit 21 Einheiten im Rückgebäude vor. Zwischen- und Vordergebäude sollen als Wohngebäude mit 67 Einheiten für Studierende, Pflegepersonal und andere Arbeitnehmer genutzt werden. Quasi als „Zuckerl“ obendrauf, kriegen die Anlieger dann zwischen Ständler- und Lauensteinstraße noch den neuen Trambahnbetriebshof.

„Ich sehe die Entwicklung in dem Gebiet problematisch“, meint Kauer. Das müsse die Stadt eigentlich auch erkennen. Aber das Vorhaben „Bürgerunterkunft“ ist bereits mit dem Vorbescheid vom Planungsreferat genehmigt. Kauer versteht nicht, warum statt Flexiheim nicht ganz normale Wohnungen entstehen können. Es gibt da wohl einen städtebaulichen Vertrag, der eine gewerbliche Nutzung des Grundstücks vorschreibt. „Ist das Flexiheim denn nicht Wohnen?“ Zudem sind rundrum Wohngebiete. Der BA-Chef hat Einblick in das Schriftstück beantragt. Die Stadt will man nochmal eindringlich bitten, die Bauanträge in dem Umgriff nicht einzeln, sondern als Gesamtpaket zu betrachten.

Carmen Ick-Dietl

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