Parkplatz am Michaelibad

Stadtwerke stellen Kraftwerks-Pläne am Ostpark vor - Anwohner und Politiker verärgert

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Der Parkplatz am Michaelibad: Hier könnten sich die Stadtwerke ein Kraftwerk vorstellen.

Die Überlegungen zu einer kombinierten Gas- und Geothermie-Anlage stoßen am Ostpark auf wenig Gegenliebe. Das Energie-Bündnis wittert eine Retourkutsche.

Ostpark - Am Ostpark könnte ein großes Energiecenter der Stadtwerke München (SWM) entstehen. Der Parkplatz neben dem Michaelibad ist als möglicher Standort für eines der Ersatz-Heizwerke auserkoren worden, die nach der Stilllegung des Kohleblocks am Heizkraftwerk Nord die Wärmeversorgung in München sicherstellen sollen. Später soll dort noch eine Geothermie-Anlage entstehen. Vom Parkplatz vor Bad und Park wird dann kaum was übrig bleiben.

Die Stadtwerke suchen nach Ersatz für das Heizkraftwerk Nord, dessen Kohleblock gemäß Bürgerentscheid Ende 2022 abgeschaltet werden soll. Wie berichtet, werden derzeit elf Standorte auf ihre Tauglichkeit überprüft, am Ende sollen vier bis sieben Gasheizwerke im gesamten Stadtgebiet entstehen. Im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA 16) wurde am Donnerstagabend der mögliche Standort an der Heinrich-Wieland-Straße, auf dem Parkplatz des Michaelibads, vorgestellt. Hier könnte ein Gasheizwerk mit zwei Kesseln entstehen. Das etwa 17 Meter breite und 10 Meter hohe Gebäude hätte zwei separate Stahlkamine, die 30 bis 40 Meter hoch sind. Und direkt daneben noch ein Extra-Wärmespeicher. Die Lage sei ideal, weil man gleich in zwei Fernwärmenetze – Perlach sowie Ramersdorf/Berg am Laim – einspeisen könne, erläuterte Thomas Prein von der technischen Geschäftsführung der SWM. Ein weiterer Vorzug: Der Standort lässt sich mit Geothermie kombinieren. In zehn Jahren könne man hier noch eine Geothermie-Anlage mit mehreren Bohrungen entwickeln, informierte der Leiter der SWM-Konzeption Werner Rühle.

Stadtteilpolitiker reagieren überrascht

Bis 2022 also das Heizwerk, zwischen 2027 und 2030 noch Geothermie. Die Stadtteilpolitiker reagierten überrascht. Wolfgang Thalmair (CSU) zweifelte vor allem die Zeitschiene an. Die Stadtwerke wollen die endgültigen Standorte noch dieses Jahr abklären, bis 2019 sollen die Genehmigungen vorliegen, 2020 bis 2022 sind Bau und Inbetriebnahme geplant.

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„Der Parkplatz ist Teil des Ostpark-Bebauungsplans, festgelegt als Grünfläche“, sagte Thalmair. Die Stadtwerke bräuchten also eine Bebauungsplan-Änderung, die in München normalerweise mehrere Jahre dauere. „Damit verschandeln wir unseren Stadtteil“, fand Joe Hensel (SPD). Die Anlage solle „wenigsten zu zwei Dritteln in den Boden versenkt“ werden. Ein komplett unterirdischer Bau sei mit extrem höheren Kosten verbunden, so Rühle, zudem müssten die Schornsteine trotzdem emporragen, und die Anlage dürfe nicht überbaut werden.

„Parkplatz-Situation schon ziemlich ausgereizt“

Wohin mit den Parkplätzen für den Ostpark und das Michaelibad, die im Sommer einen starken Besucherandrang haben, fragte Kurt Damaschke (SPD). „Die Parkplatz-Situation ist da jetzt schon ziemlich ausgereizt, weil auf einem Teil der früher sehr viel größeren Fläche die Gemeinschaftsunterkunft steht.“ Die Behindertenparkplätze könne man sicherstellen, „der Rest fällt weg“, gab Prein zu.

Die Erdgas-Verbrennung produziert auch Kohlenmonoxid und Stickoxide – wnen auch deutlich weniger als die Steinkohleanlage im Kraftwerk Nord. Die Abgase würden durch die Kamine hoch in die Luft geblasen und verteilten sich dort. Entsprechend verdünnt, könnten sie mehrere 100 Meter weiter wieder am Boden ankommen, räumte der Fachmann ein. Dass dies ausgerechnet neben der großen Freizeitoase des Münchner Ostens und einem beliebten Freibad passieren soll, sorgte bei den anwesenden Bürgern für Unmut. „Am Ostpark wird kein Heizwerk gebaut, die Bürger sind dagegen“, schimpfte ein Perlacher.

„Uns ist auch klar, dass wir bei diesen Flächen mit anderen Nutzungen in Konkurrenz treten“, sagte SWM-Vertreter Thomas Prein. Aber: „Wir müssen versorgen können.“ Man müsse Wärme produzieren können, „wenn’s die Leute friert und sie ihre Heizungen aufdrehen“. Die Planungen befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium, man habe zunächst nur nach möglichen Flächen gesucht. Zudem hat das letzte Wort die Bundesnetzagentur, deren Veto den Bürgerentscheid aushebeln könnte. Sie hat sich zur Stilllegung des Kohleblocks noch nicht abschließend geäußert.

Carmen Ick-Dietl

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