Zwischenfall in London - Polizei evakuiert Bahnhof Oxford Circus

Zwischenfall in London - Polizei evakuiert Bahnhof Oxford Circus

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Neuperlach

+
Rapper „Grosses K“ ist in Neuperlach groß geworden.

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Berg am Laim entfaltet seinen Charme erst auf den zweiten Blick. Das könnte sich bald ändern: Mit der Entwicklung von zwei großen Stadtteilquartieren purzelt bunte Vielfalt ins Viertel. Kunst und Kultur sind in benachbarten Haidhausen schon lange daheim. Dabei war der Bau des Gasteig vielen Haidhausern ein Dorn im Auge. Dass er jetzt im Herzen des Viertels angekommen ist, zeigt mal wieder, dass aller Anfang schwer ist und Neues erst mal kritisch beäugt wird. Zurecht, in Zeiten von Bauwut und Spekulation. Ein zweiter Blick lohnt auch auf Neuperlach, das dieses Jahr 50-Jähriges gefeiert hat.

Wo die Viertel bunter werden und wo sie einen neuen Anstrich vertragen, lesen Sie hier.

Seine Hood – jetzt sicher!

Am 11. Mai 1967 wurde auf einer Ackerfläche am östlichen Stadtrand der Grundstein für das größte westdeutsche Siedlungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt: Neuperlach. Dieses Jahr im Mai feierte die ehemalige Trabantenstadt ihren 50. Geburtstag. Unter den Gratulanten auf der Jubiläumsbühne: „Grosses K“. Das Rap-Urgestein ist in Neuperlach aufgewachsen und lebt dort heute noch. „Es ist ruhiger geworden“, sagt der 42-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Kandala Nzanzala heißt. Im tz-Interview spricht der Musiker über seine Jugend im Viertel.

Herr Nzanzala, Sie sind in Neuperlach groß geworden. Hatten sie eine schöne Kindheit?

Kandala Nzanzala: Sie war schön, aber teilweise schwierig. Vor allem für meine Mutter. Nachdem mein Vater abgehauen ist, war sie mit drei Kindern allein. Ich war viel draußen auf der Straße. Heute sind die Jugendlichen mehr drinnen, spielen Computer. Aber das ist nicht nur hier so. Wir haben uns früher auf der Straße getroffen oder im Ostpark. Es gab Gangs von bis zu 50 Mann, die sich mit Banden aus anderen Stadtteilen geprügelt haben. Ich kann mich erinnern, als das Pep gebaut wurde und der neue Hertie eröffnet hat – da wurde in einer Woche bis zu einer halben Million Mark rausgeklaut.

Sind Sie auch auf die schiefe Bahn geraten?

Der Rap-Musiker „Grosses K“ hört auch auf den Namen „Bürgermeister von Neuperlach“.

Nzanzala: Ich habe schon auch Scheiße gebaut, war eine Woche im Jugendknast. Aber nicht so schlimm wie andere. Die Drogenszene war früher groß in Neuperlach. Es ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht mindestens einen Freund an Drogen verloren habe.

Und heute?

Nzanzala: Neuperlach hat sich sehr stark gewandelt. Es ist ein relativ sicherer Stadtteil. Früher gab es kaum Einkaufsmöglichkeiten, Neuperlach war schlecht angebunden. Es gab nicht mal Basketballkörbe. Wir sind in die Schulen eingestiegen, um in den Sporthallen zu spielen. Ich habe schon immer gern Basketball gespielt. Heute gebe ich hier an der Mittel- und Förderschule Basketball-Training für Kinder und Jugendliche.

Haben die Jugendlichen, die hier wohnen, mit Vorurteilen zu kämpfen?

Nzanzala: Jeder, der hier wohnt, ist stolz Neuperlacher zu sein. Viele der Jüngeren kennen auch wenig außerhalb. Sie sind noch zu jung, um mit der U-Bahn wohin zu fahren. An mir sehen die Leute, dass man es schaffen kann, egal wo man herkommt. Ich sage ihnen aber immer wieder: Die Voraussetzung ist eine gute Ausbildung. Ich bin auch nicht hauptberuflich Musiker, sondern arbeite beim Bayerischen Rundfunk.

Wie kommen Sie zu Ihrem Titel – Bürgermeister von Neuperlach?

Nzanzala: Den Titel hat mir vor ungefähr 20 Jahren der Vater eines guten Freundes gegeben – ich glaube, weil ich jeden kenne und über alles Bescheid weiß, was sich in meinem Viertel so abspielt. Auch heute liegt mir meine Hood noch sehr am Herzen und ich versuche gerade auch durch soziale Projekte mit Jugendlichen meinen Beitrag zu leisten.“

Der Viertel-Pionier

Er ist Neuperlacher der ersten Stunde: Helmut Baumeister (85) zog im September 1968 mit seiner Familie von Schwabing an die Plettstraße. Ein Kulturschock: „Am Anfang gab es nichts – keine Einkaufsmöglichkeiten, keine U-Bahn, nicht mal einen Bus.“

Helmut Baumeister ist seit 1968 in Neuperlach. 

Baumeister gründete den SPD-Ortsverein, war Initiator des Neuperlacher Bürgerfests, das er 30 Jahre lang organisierte und brachte die Gründung des SV Neuperlach auf den Weg. Heute machen ihm einige Entwicklungen Sorgen: „Seit Jahren wird kolportiert, dass das Quiddezentrum neu gebaut wird. Angeblich ist es baufällig. Aber es passiert nichts.“

Auch das Schachterl-Eis an der Plettstraße habe „über Nacht“ zu gemacht. „Die kleinen Läden sterben aus, das Pep ist der zentrale Mittelpunkt.“ Es sei fremder geworden. „Der Pioniergeist der Anfangsjahre ist verschwunden.“ Dennoch: „Neuperlach ist meine Heimat. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen.“

Lesen Sie auch:

So verwandelt sich Hadern

So verwandelt sich Laim

So verwandelt sich Sendling

So verwandelt sich die Maxvorstadt

So verwandelt sich das Glockenbach

So verwandelt sich das Westend

So verwandelt sich Feldmoching-Hasenbergl

So verwandelt sich Moosach

So verwandelt sich Milbertshofen

So verwandelt sich Berg am Laim

So verwandelt sich Haidhausen

Daniela Schmitt

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Baum auf Gleis und Polizeieinsatz: S2 und S3 fahren wieder nach Plan
Baum auf Gleis und Polizeieinsatz: S2 und S3 fahren wieder nach Plan
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Christkindlmarkt am Marienplatz wird mit Betonsperren abgesichert
Christkindlmarkt am Marienplatz wird mit Betonsperren abgesichert

Kommentare