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„Nie gedacht, dass mein Leben so endet“: Weihnachten ist für Münchnerin die traurigste Zeit des Jahres

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Rentnerin aus München
Sieglinde A. fürchtet ein einsames Weihnachtsfest. © Marcus Schlaf

Sie ist ganz alleine, hat viele geliebte Familienmitglieder verloren: Seniorin Sieglinde A. (82) hat unfassbare Verluste erleiden müssen. Zudem plagen sie gesundheitliche und finanzielle Sorgen.

München - Heiligabend wird Sieglinde A. wieder allein in ihrer kleinen Wohnung in Neuperlach verbringen. Und darauf warten, dass die Feiertage endlich rum sind. „Das wird ein einsames und trauriges Weihnachtsfest“, sagt die 82-Jährige. An den Feiertagen schmerzt die Einsamkeit ganz besonders. Es ist unvorstellbar, wie viele Schicksalsschläge die Münchnerin bereits erleiden musste. Ihr Ehemann und ihr Lebensgefährte sind bereits verstorben.

Zahlreiche Schicksalsschläge für Münchnerin: „Werde diesen Tag nie vergessen“

Als wären diese Verluste nicht schon schlimm genug, trifft sie das härteste Los, das eine Mutter treffen kann: Zwei Söhne verliert sie durch Krankheiten. Vor 27 Jahren stirbt Helmut im Alter von 38 Jahren an einem Herzinfarkt. „Ich werde diesen Tag nie vergessen, das war so schlimm“, sagt Sieglinde A. Vor sieben Jahren schlägt das Schicksal erneut zu: Ihr Sohn Harry erliegt mit 55 Jahren den Folgen einer schweren Krankheit.

Halt findet Sieglinde A. bei ihrer Schwester und deren Mann. „Wir sind zusammen weggefahren, waren unzertrennlich“, sagt die Münchnerin. Als auch ihre Schwester stirbt, ist ihr Schwager der einzige Mensch, der ihr noch bleibt. Doch vor ein paar Wochen muss sie auch von ihm Abschied nehmen. „Er war der letzte Vertraute, den ich noch hatte“, sagt Sieglinde A. Nun ist sie ganz alleine. Zu den seelischen Wunden kommen große gesundheitliche und finanzielle Nöte. Sieglinde A. hat ein Nierenleiden, steht kurz vor der Dialyse. Zudem kann sie kaum laufen, nachdem ihr Zehen amputiert werden mussten.

München: Von Rente bleibt kaum etwas übrig – „Weiß nicht, wie ich das stemmen soll“

Früher war Sieglinde A. bei einer Bank angestellt, sorgte zeitweise allein für den Lebensunterhalt der Familie. Doch jetzt im Alter reicht ihr Geld nicht mehr. Den Großteil der Rente frisst die Miete für ihre Wohnung. 770 Euro muss sie dafür pro Monat zahlen – in diesem Jahr bekam sie eine saftige Mieterhöhung von 140 Euro pro Monat. „Jetzt bleibt fast nichts übrig. Oft esse ich mittags bloß Joghurt oder ein trockenes Stück Brot.“ Die Kleider, die sie trägt, sind 20 Jahre alt. Für etwas Neues fehlt das Geld. Die Beerdigung ihres jüngeren Sohnes hat sie in Raten abbezahlt. In drei Jahren sind die nächsten Grabgebühren fällig: „Ich weiß nicht, wie ich das stemmen soll“, sagt Sieglinde A. Manchmal bringt sie einen kleinen Blumenstrauß für zwei Euro mit auf den Friedhof. Dann bleibt noch weniger für Essen, doch das ist es ihr wert.

Wegen ihrer Krankheiten muss sie häufig zum Arzt, auch die Fahrtkosten kann sie kaum bezahlen. Als ihr Schwager starb, konnte sie gerade noch das Geld für die Streifenkarte für die Fahrt zur Beerdigung zusammenkratzen. Dabei schafft sie es ohnehin kaum mehr auf den Friedhof, das Laufen fällt zu schwer. „Das macht mich sehr traurig. Es hilft mir immer sehr, die Gräber zu besuchen.“ Als wäre das alles noch nicht genug, hat sich die Seniorin bei ihrem letzten Krankenhausaufenthalt einen Keim eingefangen, musste täglich Bettwäsche und Kleidung waschen. „Ich will gar nicht daran denken, wie hoch die Stromrechnung wird“, sagt Sieglinde A. Und fügt hinzu: „Da kann ich fast froh sein, dass ich in diesem Jahr schon sieben Wochen im Krankenhaus und auf Reha war und in der Zeit zuhause nur der Kühlschrank lief.“

„Hätte nie gedacht, dass mein Leben mal so endet“

Lichtblick Seniorenhilfe e.V. hilft Sieglinde A. mit Lebensmittelgutscheinen und übernimmt Zuzahlungen für Medikamente. „Um diese Hilfe zu bitten, hat mich große Überwindung gekostet – nun bin ich so dankbar“, sagt die 82-Jährige. Manchmal denkt sie daran zurück, wie gut es ihr früher ging. „Dann kommen mir die Tränen. Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben mal so endet.“

Schenken Sie Würde

Machen Sie mit bei der gemeinsamen Aktion des Münchner Merkur und der Sparda-Bank München zugunsten des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe e.V. Seit 2003 unterstützt der Verein bedürftige Senioren mit Lebensmittelgutscheinen, finanziellen Soforthilfen für dringend benötigte Gegenstände wie eine neue Brille sowie monatlichen Patenschaften von 35 Euro für kleine Alltagswünsche. Die Arbeit finanziert sich ausschließlich aus Spenden – in diesen Zeiten ist der Verein mehr denn je auf Hilfe angewiesen, um alten Menschen in Not ein Leben in Würde schenken zu können.

Spendenkonto von Lichtblick Seniorenhilfe e.V.(Tel. 089/67 97 10 10): IBAN: DE30 7009 0500 0004 9010 10, BIC: GENODEF1S04, Kennwort: Aktion 2022 Für eine Spendenquittung bitte Anschrift angeben. Onlinespenden unter www.seniorenhilfe-lichtblick.de.

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