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Rammstein in der Oly-Halle: Die Konzertkritik

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Till Lindemann, Frontmann von Deutschlands Rock-Export Nummer eins (Archivfoto)

München - Das Herbstfest der Marsch­musik stieg am Dienstag in der Olympiahalle: Rammstein röhrten durch die knackvolle Arena. Fürchte dich nicht, KVR!

Förchtet Euch nicht! Am Totensonntag ließ das Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Band des Bösen nicht in der Olympiahalle wüten. Also veranstalteten Rammstein ihren hauseigenen Untotendienstag. Und bewiesen beim Herbstfest der Marsch­musik nietenhalsbandtragenden SM-Fans mittleren Alters ebenso wie verängstigten Bayern-Bürokraten (womöglich in einer Person), dass man keine Angst vor ihnen haben muss.

Der Metal, mit dem die Finstermänner die ausverkaufte Olym­pia­halle in Flammen setzten, bestand zwar zu hohen Anteilen aus Stahl. Doch wenn Höllenhundling Till Lindemann Feuer spuckt, Blut spuckt, das Böse spuckt, ist die Show so was von Öberdröber, dass jeder auch beim schlechtesten Willen merkt: Die tun nur so. Die wollen doch nur Gitarre spielen. Die Brachialberliner betreiben weiterhin die unterhaltsamste Geisterbahn auf dem Rock-Rummelplatz.

Wobei: Ein bisserl fürchten konnte man sich schon, als Rammstein im Gleichschritt, Links, zwo, drei, vier, in die Halle einmarschierten, mit Fackel, Fahnen und Lichtdom. Aber: Alles halb so wild. Die Fahne war weiß-blau gerautet und ist aus bayerischen Vorgärten wohlbekannt. Und kaum über eine Zugbrücke auf der Bühne angekommen, machten Lindemann & Co. dem Spuk ein Ende und ließen die Bühne beherzt in Flammen aufgehen. Kawuff, weg mit dem Dreck!

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Genau genommen brannte es während der zwei Stunden Phosphor-Pop ständig irgendwo. Und geblutet sowie gestorben wurde auch ausführlich – statt „Made in Germany“ hätte das Motto für den morbiden Abend auch „Maden in Germany“ lauten können. Was leider zu kurz kam, vor lauter stampfendem Gitarrendengeln, waren die musikalischen Feinheiten, zu denen Rammstein auch in der Lage sind. Und somit auch die hinreißenden Texte von Schmerzensmann Lindemann, dem Poeten der Finsternis, dessen Lyrik oft mehr schaudern lässt als jede pompöse Flammenwerfer-Orgie: „Keine Sonne, die mir scheint, keine Brust hat Milch geweint“ (Mutter).

Am Ende dann das Friedensangebot an Bayern, wie schon beim Konzert 2009 mit Bayern, des samma mir. Da waren freistaatliche Kultur und triebhaft-sündige SM-Gelüste endgültig versöhnt, frei nach Alois Hingerl: „Und no a Maso, und no a Maso, und no a Maso.“

Jörg Heinrich

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