Nachbarschaftsdrama

Er rammt ihm ein Messer in den Hals

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Links: Angeklagt wegen versuchten Mordes: Sandro Z. Rechts: Die Wunden des Opfers: Eine 14-Zentimeter-Klinge schnitt Alexander M. über die Kehle

München - Aubinger Nachbarschaftsdrama: Erst streiten die Kinder – dann geraten die Väter aneinander. Mit blutigen Konsequenzen.

Plötzlich riss er die Tür auf – ich sah es nur noch blitzen, dann wurde es warm am Hals.“ Mit zitternden Händen zeigt der Aubinger Familienvater Alexander M. (43) dem Richter seinen Hals: Tiefe Narben ziehen sich durch die Haut. Im Streit soll Nachbar Sandro Z. (46) ihm mit einem Jagdmesser quer über den Hals geschnitten haben. Die Anklage lautet auf versuchten Mord!

„Einen Zentimeter tiefer, und meine Kinder hätten keinen Vater mehr gehabt“, sagt IT-Systemelektroniker Alexander M. gestern aus. Vor dem Landgericht schildert er, wie der Streit Ende November 2012 in der Wildenrother Straße entbrennt. Auslöser ist Z.’s Sohn David (Name geändert). „Es gab immer mehr Übergriffe am Spielplatz. Der Bub hat meine Kinder geschubst, geschlagen und gewürgt.“ Das will der Vater klären und ruft Sandro Z. an. „Als ich mit dem Jugendamt gedroht habe, ist er ausgerastet“, sagt Alexander M. Dennoch geht er zu dem Nachbarn. „Ich habe drei- bis viermal geklingelt, erst Minuten später hat er geöffnet.“

Versionen gehen auseinander

Von hier an gehen die Versionen der Messerattacke auseinander. „Er hat mich in meine Wohnung reingestoßen und am Kragen gepackt“, sagt Sandro Z. „Ich wollte meine Familie verteidigen.“ Das Opfer hingegen sagt: „Der Angriff kam aus dem Nichts, ich konnte ihn nicht abwehren und hatte tiefe Schnittwunden, das Blut ist richtig rauspulsiert.“ Alexander M. fällt zu Boden. „Sandro stand über mir. Er hatte ein irres Grinsen im Gesicht und hat mit dem Messer eine Acht in die Luftgeschrieben.“ Mit letzter Kraft rettet er sich in der Fahrstuhl, ein Bekannter ruft den Notarzt – so wie auch eine Nachbarin: „Ich sah Herrn M. blutüberströmt am Boden. Es war ein furchtbarer Anblick.“

Aus dem Knast schreibt Sandro Z. seinem Opfer einen Brief: „In bestimmten Situationen kann ich nicht mehr klar denken. Ich bedaure es zutiefst.“ In seiner Wohnung findet die Polizei eine Kiste mit sieben Jagdmessern. Sie liegen links unter dem Ehebett, im Keller bunkert Z. zwei Äxte. Nachbarn soll er erzählt haben, er gehe zum Einzelkämpfertraining in den Wald. Tatsächlich sitzt er den ganzen Tag in seiner Drei-Zimmer-Wohnung, trägt Tarnanzüge, sammelt und verkauft Messer – angeblich aus „ästhetischen Gründen“. Im Falle einer Verurteilung erwarten ihn bis zu 15 Jahren Haft.

A. Thieme

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