Der Stammstrecken-Schock!

+
Auf dem Marienhof wird in Erwartung des zweiten S-Bahntunnels schon gebuddelt.

München - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hält einen raschen Bau des zweiten Münchner S-Bahn-Tunnels nur für finanzierbar, wenn die Stadt den Zuschlag für Olympia 2018 bekommt.

Bekommt München die Olympischen Winterspiele 2018 nicht, kann die Stadt den zweiten S-Bahn-Tunnel gleich mit abschreiben, zumindest auf absehbare Zeit. So in etwa lautet in aller Kürze die Aussage von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der Mittwochsausgabe der SZ. Ohne die zusätzlichen Geldtöpfe, die der Bund für die Finanzierung der von Deutschland ausgerichteten Spiele bereitstellen müsste, wäre der finanzielle „Kittel viel zu kurz“.

Ganz neu klingt es nicht, was der zuständige Minister da sagt – in München ahnte man längst, dass der Zuschlag für Olympia entscheidend für die zügige Bewilligung von circa 45 Prozent der Tunnelkosten ist. Bisher hat aber noch niemand so schonungslos gesagt, dass die zweite Röhre „erst in Zeiträumen bis 2025, wenn nicht sogar darüber hinaus verwirklicht werden“ kann. St. Nimmerleinstag also.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer

Und auf dem Marienhof laufen schon archäologische Grabungen, Vorabarbeiten für das Projekt! Entsprechend heftig war die Resonanz auf Ramsauer, treffend dafür das Bild von Markus Rinderspacher, (Landtags-SPD): „Sein blitzender Dolch kommt schroff und unerwartet.“ Freude herrscht eigentlich nur bei den Grünen im Landtag. Ihr Chef Martin Runge begrüßt es, „dass Ramsauer endlich bei der desaströsen Fehlplanung der zweiten S-Bahnröhre zum Rückzug bläst“. Allerdings müsse der Tunnel-Stopp unabhängig von Olympia erfolgen.

Barbara Wimmer

So reagieren Münchens Politiker:

Bayerns Verkehrsminister Manfred Zeil (FDP): „Die Bedeutung der zweiten Stammstrecke geht weit über mögliche Olympische Winterspiele 2018 hinaus. Auch das hat der Bundesverkehrsminister betont. Es geht jetzt nicht darum, ständig darüber zu reden, was alles eventuell nicht geht, sondern alle Anstrengungen darauf zu richten, das Projekt möglich zu machen. Die Finanzierung von 55 Prozent der Gesamtkosten ist durch Freistaat und Bahn gesichert. Nun ist der Bund gefordert, seinen Finanzierungsanteil bereitzustellen.“

Alexander Reissl (Rathaus-SPD): „Das ist ja wohl nicht zu glauben: Das größte anzunehmende Fiasko, das der Bundesverkehrsminister hier andeutet. Jahrzehntelang hat die CSU-geführte Staatsregierung den Münchnern und dem Umland ­Verbesserungen im S-Bahn-System versprochen und sie anscheinend schlichtweg hingehalten und für dumm verkauft. Dass nun gerade ein Bundesverkehrsminister der CSU das wichtigste Ökologie- und Nahverkehrsprojekt der wachsenden Metropolregion München auf irgendwann verschieben will, wenn Olympia 2018 nicht kommen sollte, ist grotesk und bedarf dringend der Erklärung.“

Hans-Ulrich Pfaffmann, (Münchner SPD): „Sollte ­Ramsauer mit seiner München-feindlichen Ankündigung durchkommen, würde er München und der gesamten Region einen immensen Schaden zufügen.“

Josef Schmid (Rathaus-CSU): „Die Aussage des Bundesverkehrsministers darf jetzt ­niemanden überraschen. Deshalb ist der Zeitrahmen auch so wichtig, der Tunnel muss bis 2017 fertig werden.“

Siegfried Benker (Rathaus -Grüne): „Es ist vollkommen inakzeptabel, das größte In­frastrukturprojekt der Stadt vom Zuschlag für Olympia 2018 abhängig zu machen und die Entscheidung damit quasi dem IOC zu überlassen. Ramsauer hat keinen Plan B, denn Zeitpläne für das Jahr 2025 oder später sind angesichts des Auslaufens der Gemeindeverkehrsfinanzierung des Bundes gegenstandslos. Man sieht jetzt, wie wichtig es war, die vorbereitenden Maßnahmen am Marienhof mit hohen Auflagen zu verknüpfen.“

Michael Mattar (Rathaus-FDP): „Nach den Aussagen des Bundesverkehrsministers kann es nur eine Konsequenz geben: sofortiger Baustopp auf dem Marienhof bis zum Vergabedatum der Olympischen Spiele im Juli.“

auch interessant

Meistgelesen

Rätsel um schwer verletzten 15-Jährigen in Blutlache
Rätsel um schwer verletzten 15-Jährigen in Blutlache
Mann steht auf A9 und wird von Kleintransporter getötet
Mann steht auf A9 und wird von Kleintransporter getötet
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare