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Randale bei Festnahme in Riem: Mord-Ermittlungen gegen 16-Jährigen nach Drogendeal

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Von: Nadja Hoffmann

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Hier wurden die Polizisten angegriffen: der Platz der Menschenrechte in der Messestadt.
Hier wurden die Polizisten angegriffen: der Platz der Menschenrechte in der Messestadt. © Klaus Haag

Fünf Tage nach dem geplatzten Drogendeal von Riem, bei dem am Wochenende ein 21-Jähriger getötet wurde, ist klar: Der Coburger und ein Freund wurden wohl in eine Falle gelockt. Ermittelt wird inzwischen wegen Mordes und Raubs – die Polizei hat alle drei Tatverdächtigen. Bei der Festnahme des Haupttäters am Mittwochabend eskalierte die Situation allerdings völlig.


Zu dem Krawall kam es gegen 19.25 Uhr am Platz der Menschenrechte in der Messestadt. Dort hatten Polizisten in Zivil den 16-Jährigen im Visier, der am Samstag den 21-jährigen Coburger lebensgefährlich verletzt haben soll. Bei der Festnahme setzte sich der Tatverdächtige massiv zur Wehr – auch dann noch, als er bereits fixiert war. „Er hat versucht, sich loszureißen“, erklärt ein Sprecher des Präsidiums.

20 Männer greifen die Polizei an - auch mit Pfefferspray

Anscheinend beobachteten 20 Burschen und Männer, was vor sich ging, die mit der Sache an sich eigentlich nichts zu tun hatten. Sie stürmten trotzdem auf die Polizisten los: Der Mob attackierte die Beamten mit Fäusten und Pfefferspray, um den 16-Jährigen vor der Festnahme zu bewahren. Das gelang allerdings nicht. Als sich massive Verstärkung – 30 weitere Streifen – näherte, löste sich die Situation auf. Von den 20 Randalierern, die in alle Himmelsrichtungen wegrannten, konnten fünf festgenommen werden. Die 16 bis 23 Jahre alten Tatverdächtigen waren polizeibekannt und wiesen – jeder einzelne – bis zu 30 Vorstrafen auf. Gegen sie wird nun wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter Gefangenenbefreiung und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Drei von ihnen wanderten noch am Donnerstag vor dem Haftrichter.

Der 16-Jährige, der im Mittelpunkt der Randale stand, ist der dritte Tatverdächtige im Fall des Riemer Tötungsdelikts. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, laufen inzwischen Ermittlungen wegen Mordes. Laut Oberstaatsanwältin Anne Leiding liegt als Mordmerkmal Habgier vor. Der Verdacht: Die drei Münchner – neben dem 16-Jährigen mit deutsch-israelischen Wurzeln, ein Iraker (17) und ein Deutsch-Pole (16) – haben nie vorgehabt, den beiden Coburgern am Samstagabend Drogen zu verkaufen. Dem Vernehmen nach ging es um rund 100 Gramm Marihuana, für das die Nordfranken 1000 Euro an Bargeld dabei hatten. Während der jüngere Coburger draußen wartete, ging der 21-jährige mit dem am Mittwochabend festgenommen 16-jährigen Haupttäter zu einem Anwesen.

Komplize hatte sich der Polizei gestellt - und ausgepackt

Dort kam es dann zu der tödlichen Attacke: Der Coburger wurde mit einer spitzen Waffe lebensgefährlich verletzt. Der junge Mann erlag am Sonntag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ob mit einem Messer zugestochen wurde, kann das Präsidium noch nicht abschließend sagen: Dem Sprecher zufolge wurde die Waffe bislang nicht sichergestellt. Auf die Täter war die Polizei gekommen, weil sich der 17-Jährige am Dienstag gestellt und Angaben gemacht hatte. Der deutsch-polnische Komplize ließ sich daraufhin am Mittwoch anstandslos festnehmen – in der Wohnung seiner Eltern.

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