Krawall im Knast

Randalierende Insassen bringen Altstadt-Wache zum Schwingen

Wenn die Häftlinge an den Stäben rütteln, scheppert das ganze Haus. Polizeidirektor Christian Weis lässt nun nachrüsten.

Mehr als sieben Millionen Euro kostete die Sanierung der Altstadt-Wache vor einigen Jahren. Doch nun ist eine neue Umrüstung in Planung. Denn einige Insassen randalieren so heftig in den Zellen, dass Nachbarn keinen Schlaf mehr finden.

München - Der Bedarf an Zellen in der Altstadt-Wache ist hoch. Sehr häufig werden junge Leute nachts von den Clubs an der Sonnenstraße hierher gebracht – betrunken und nicht selten unter Drogeneinfluss. 540 Menschen verbrachten im Jahr 2016 Zeit hier. 295 wurden aufgenommen, weil sie entweder für sich oder für andere eine Gefahr darstellten. Die übrigen wurden wegen Straftaten festgenommen und blieben kurzzeitig, bis sie weiter ins Präsidium verlegt wurden. Also gibt es in der Wache an der Hochbrückenstraße, die einst Vorlage für die berühmte „Polizeiinspektion 1“ mit Walter Sedlmayr war, vier Zellen und nicht zwei wie in vielen anderen Inspektionen.

„Manche entwickeln eine immense Kraft“

Doch die schwedischen Gardinen sind den bedröhnten Insassen offenbar nicht gewachsen. Vor drei Jahren wurde die Wache nach ihrem Umbau feierlich wiedereröffnet, mehr als sieben Millionen Euro kostete die Sanierung – jetzt müssen die Gitter schon nachgerüstet werden. „Eigentlich sind die Zellen bei der Sanierung ja nach den allerneuesten Richtlinien eingebaut worden“, sagt der Leitende Polizeidirektor Christian Weis. „Aber teilweise randalieren die Leute hier so sehr, dass die Zellen, die nach den normalen Standards gebaut wurden, den Belastungen nicht standhalten. Das war vorher nicht abzusehen.“

Manche Menschen entwickelten in den Zellen „eine immense Kraft“, erzählt Weis. Die Folge: Die Gitterstäbe geraten in Schwingung, die Vibrationen übertragen sich auf das Gebäude an der Hochbrückenstraße. „Das merken auch die Nachbarn und beschweren sich bei uns“, berichtet der 56-Jährige.

Manchmal schlagen die Insassen auch mit dem Kopf dermaßen heftig gegen die Stäbe, dass sie bluten. „Es gibt hier natürlich auch einen Großteil vernünftiger Leute – aber was manche in der Zelle veranstalten, ist wirklich kaum vorstellbar.“ 23 Mal mussten die Zellen speziell gereinigt werden wegen übermäßiger Verschmutzung durch Urin, Kot und Blut.

Die Altstadt-Wache wurde 2014 erst saniert.

Jetzt wurde eine Zelle zur Probe umgerüstet: Die Gitterstäbe sind so montiert, dass sich die Schwingungen nicht mehr auf die Wand übertragen können. „Das Material ist das gleiche, aber die Verankerung ist anders“, erklärt Weis. Die Stäbe sind nicht mehr fest betoniert, sondern mit einer Art Schaumstoff verankert. So sollen mögliche Vibrationen keine Auswirkungen mehr auf das Gebäude haben. In der umgerüsteten Zelle wurden in dieser Woche Messungen durchgeführt. „Wenn die anders montierten Stäbe sich bewähren, rüsten wir auch die anderen Zellen um“, sagt Weis.

Nicht nur das Rütteln an den Stäben verursacht Lärm. Es kommt außerdem immer wieder vor, dass die Betrunkenen in ihren Zellen so dermaßen laut und falsch grölen, dass die Anwohner nicht schlafen können. Häufig gibt es deshalb Beschwerden bei der Altstadt-Wache. Wie neulich wegen eines 29-Jährigen, der schließlich in die Zellen an der Ettstraße verlegt werden musste, damit die Nachbarn endlich ihre Nachtruhe finden konnten. Wie viel Promille er hatte, ist nicht zu sagen: Ein Alkoholtest war nicht möglich.

Einer biss herzhaft ins Holz

Vor nicht allzu langer Zeit wurde außerdem ein 23-Jähriger eingeliefert, der so lange an der fest montierten Holzauflage der Sitzgelegenheit rüttelte, bis sie sich lockerte. „Dass so etwas möglich ist, hätte niemand gedacht“, sagt Weis. Außerdem biss der junge Mann herzhaft in das Holz. „In der Auflage fehlt jetzt ein Stück“, erklärt der Chef der Inspektion. 15 Reparaturen in den Zellen waren im Jahr 2016 nötig.

Probleme haben die Beamten der Altstadt-Wache auch häufiger mit Betrunkenen, die sie aus der Zelle heraus anspucken. Deshalb wird bei allen Zellen jetzt auf einer Seite Plexiglas an die Gitterstäbe montiert. „Es ist auch immer wieder vorgekommen, dass die Insassen durch die Gitterstäbe nach draußen greifen und versuchen, die Beamten zu sich heranzuziehen“, erzählt Weis. Das Plexiglas wird das künftig verhindern. Wenn sich der Probebetrieb der umgerüsteten Zelle bewährt, werden in den kommenden Tagen alle Zellen nachgerüstet.

Für unsere große Polizei-Serie waren wir auch mit den Beamten der Altstadt-Wache auf Streife: Lesen Sie hier die große Reportage 

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