Rapper-Chaos am Stachus: Wer zahlt dafür?

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Der Rapper Haftbefehl löste ein Chaos aus

München - Die Autogrammstunde des Rappers Haftbefehl war am Donnerstag völlig aus dem Ruder gelaufen. Jetzt prüft die Polizei, wer für den Großeinsatz zahlen muss.

Hunderte Teenager, die den Gehweg vorm Mathäser-Kino blockierten; ein Dutzend Trambahnen, die stillstanden – und gut 200 Polizisten, die Ordnung ins Chaos bringen wollten: Die Autogrammstunde des deutsch-kurdischen Rappers „Haftbefehl“ war am Donnerstag völlig aus dem Ruder gelaufen, weil der Musiker nicht gekommen war. Die ­Folge: dreistündiges Chaos in der Innenstadt.

Jetzt prüft die Polizei, ob der Veranstalter der Autogrammstunde, der 85 Store, den Großeinsatz zahlen muss – von rund 30 000 Euro ist die Rede. „Die Frage ist, ob jemand mutwillig den Einsatz provoziert hat“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Auch die MVG prüft, ob die Kosten für die fünf ausgefallenen Tramlinien und die eingesetzten Ersatzbusse dem Veranstalter in Rechnung gestellt werden können. Das Mathäser-Kino ist zudem verärgert: „Es war der Filmstart von Wickie auf großer Fahrt. Viele Besucher konnten nicht in die Vorstellung“, sagt Kino-Sprecher Kurt Schalk.

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Der Rapper „Haftbefehl“, der auf Facebook knapp 260 000 Fans hat, hatte noch drei Stunden vor der Autogrammstunde seine Fans aufgefordert:, „Alle vorbeikommen!“ Seine Münchner Fans kamen massenhaft. Bis zu 500 Teenager drängten sich vor dem Klamottenladen, die wenigen Ordner hatten die Lage schnell nicht mehr im Griff.

Bilder: Polizei muss Autogrammstunde auflösen

Bilder: Polizei muss Autogrammstunde auflösen

„Haftbefehl“ und der 85-Store-Geschäftsführer bekamen kalte Füße. „Es sind einfach zu viele Leute am Store. Wenn sich das Ganze nicht beruhigt, müssen wir das leider abbrechen“, schrieb der Rapper auf Facebook.

Es beruhigte sich nicht – im Gegenteil. Die gut 500 Fans forderten: „Wir wollen Haftbefehl“ und blockierten den Gehweg sowie teilweise die Trambahnschienen vor dem Mathäser.

In der Not rief der Geschäftsführer die Polizei: „Was sollte ich machen, ich zahle schließlich auch Steuern!“ 200 Beamte waren dann Stunden damit beschäftigt, die teils aggressiven und äußerst respektlosen Teenager zum Gehen zu bewegen.

Die Polizisten wurden mit Flaschen, Kugelschreibern und Feuerzeugen beworfen. Die Beamten reagierten gelassen und ruhig – und schafften es, dass die Teenager sich trollten.

Noch während die Polizei Ordnung ins Chaos brachte, meldete sich „Haftbefehl“ via Facebook wieder zu Wort: „Die Polizei hat die Autogrammstunde im 85 Store nicht zugelassen, weil ein zu großer Ansturm da war. Danke an alle Fans, die gekommen sind. Ihr seid die besten.“ Eine dreiste Verdrehung der Tatsachen.

JAM, WE

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