Tier-Hasser an der Isar

Rasierklingen in Ködern: Zwei Hunde verendet

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André Löwig vor seinem ­Kiosk

München - Hundebesitzern in Untergiesing stockt der Atem: Seit Tagen legt ein irrer Tierhasser messerscharfe Köder rund um die Isar aus. Warnplakate von Tierschützern informieren über die Gefahr. Was jetzt zu beachten ist:  

Welcher widerliche Fiesling tut unseren Lieblingen denn nur sowas an? Den Hundehaltern und Spaziergängern an der Wittelsbacherbrücke stockt der Atem: Auf ihrem geliebten Weg entlang der Isar ist seit Tagen ein unbekannter Tierhasser unterwegs und legt gefährliche Köder aus – mit zerkleinerten Rasierklingen darin.

Allein die Vorstellung ist grauenhaft: Nur eine kleine Berührung mit der Schnauze kann schon schlimme Schnittwunden verursachen. Nicht auszudenken, wenn Bello den messerscharfen Köder schluckt. „Bereits zwei Tiere sollen auf diese Weise verendet sein“, sagt Kioskbesitzer André Löwig auf der Wittelsbacherbrücke. „Ich habe das mitbekommen und kann es kaum glauben. Seit 40 Jahren gehe ich hier jeden Tag mit meinen lieben Hunden spazieren. Sowas gab’s wirklich noch nie“, sagt der Wirt.

Die gefährlichen Köder: Sie liegen wohl an den Abgängen des Kiosks herunter zur Isar. An der Seite, im Gebüsch oder mitten auf dem Weg. „Genau weiß es keiner. Wir sind sehr besorgt“, sagt André Löwig, der selbst zwei Hunde hat, die rund um seinen Kiosk herumtollen. Zum Beispiel Welpe Beppi: Der kleine Mini-Bullterrier Münsterländer-Mix ist der neue Liebling an Münchens ältestem Standl und gerade mal elf Wochen alt. Für ihn ist die Wiese am Kiosk und die Isar eine riesengroße Spielwiese. „Wenn meiner Kleinen was passiert – das würde mir das Herz herausreißen.“

Tierschützer haben vor drei Tagen Plakate an den Bäumen rund um die Wittelsbacher Brücke in Untergiesing aufgehängt, um Hundebesitzer, die hier täglich Gassi gehen, auf die hinterhältige Gefahr hinzuweisen (siehe unten).

Auch die Polizei hat den Hundehasser im Visier. Bisher gab es noch keine Anzeigen. „Aber wir nehmen den Fall ernst“, sagt Polizeisprecher Christoph Reichenbach auf tz-Anfrage. Er verspricht: „Wenn sich Halter bei uns melden, die einen Köder gesehen haben oder deren Hund aus Versehen einen Köder geschluckt hat, werden wir den Fall sofort überprüfen.“

Andreas Thieme

Die Warnung im Wortlaut

Totenköpfe und viele Ausrufezeichen: Tierschützer haben rund um die Wittelsbacher Brücke seit Tagen Plakate an vielen Bäumen aufgehängt, um Hundebesitzer auf die lebensgefährlichen Köder hinzuweisen. Auf den in Folie eingeschweißten Zetteln heißt es: „Warnung an alle Hundehalter. An den Abgängen der Wittelsbacherbrücke zur Isar sollen zwei Hunde durch Köder mit zerkleinerten Rasier zu Tode gekommen sein.“ Der Appell: „Bitte achtet verstärkt darauf, dass eure Hunde nichts aufnehmen.Wer weitere Köder findet oder in diesem Zusammenhang merkwürdige Beobachtungen macht, bitte die Polizei informieren.“

Gefahr für die Tiere – oder alles Hysterie?

Das sagen die Hundehalter, die mit ihren Lieblingen an der Isar Gassi gehen:

„Das sind irre Hundehasser“

Wir sind heute an der Isar unterwegs, weil Feiertag ist – genau hier sollen die Köder liegen. Die Plakate haben wir eben zum ersten Mal gesehen. Schlimm, dass jemand so etwas tut – das müssen irre Hundehasser sein. Da macht man sich schon Sorgen. Wir versuchen unseren Hund an der Leine zu halten, damit er nichts vom Boden frisst.

Beibei und Felix mit Hund Dodo (8 Jahre)

„Ich mache mir Sorgen“

Ich gehe jeden Tag drei Mal diese Strecke hier an der Isar. Heute habe ich die Warnplakate gesehen und mache mir Sorgen. Ich achte jetzt noch mehr darauf, dass mein Labrador nicht alles frisst, was am Boden liegt. Meine Waffe: Eine Schleppleine – die benutze ich auch, weil er gerade in der Pubertät ist.

Hannah (26) mit Käpt’n Penny (15 Monate)

„Ich bin jetzt vorsichtiger“

Ich bin angehender Tierarzt und arbeite momentan in einer Münchner Tierklinik. Dass Hunde wegen Rattengift sterben, habe ich schon erlebt. Aber Köder mit zerkleinerten Rasierklingen? So etwas habe ich noch nicht mitbekommen. Ich mache mir deswegen jetzt keine Sorgen, aber ich werde vorsichtiger sein und darauf achten, dass mein Hund nichts vom Weg aufnimmt.

Simon (25) mit Hund Milo (3)

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