Das Rathaus hat ein Alkoholproblem

München - Der Stadtrat sorgt sich um die Trinkgewohnheiten der Münchner – vor allem der Kinder und Jugendlichen. Passiert ist bisher allerdings wenig. Bleibt es bei den Ideen ohne Umsetzung?

Einstimmig hat das Rathaus das Programm Rauschfrei durch München beschlossen. Die Politiker waren voll des Lobes und Dankes angesichts des großen gesellschaftlichen Problems – Selbstkritik der Politik musste man suchen.

Dabei gibt Gesundheitsreferent Joachim Lorenz in seinem Bericht offen zu: „München hat als Stadt des weltweit größten Bierfestes und weltberühmter Brauereien eine besondere Verantwortung gegenüber seiner jungen Bevölkerung.“ Nicht nur beim Oktoberfest mischt die Stadt beim Alkohol mit.

Hier und da klang das in der Debatte durch – es blieb aber nur bei Ideen. Der jugendpolitische Sprecher der SPD, Christian Müller, stellte zumindest fest, dass das Alkohol-Verbot in der U-Bahn nicht durchgesetzt werde. Außerdem könne ja die Stadt beim Sozialempfang am Mittwoch mal auf Alkohol verzichten. „Mal sehen, wie viele sich beschweren.“

Die Chefin des Jugendamts, Maria Kurz-Adam, erinnerte die Politiker daran, dass man Jugendlichen auch den Zugang zu Alkohol erschweren könne – durch ein Tankstellen-Verbot oder höhere Preise. CSU-Stadtrat Michael Kuffer wollte, dass das KVR den Ausschank besser kontrollieret. Außerdem könne man Wiesn-Wirte zur Finanzierung der Anti-Alkohol-Werbung heranziehen.

So richtig konkret wurde auch beim von der Stadt veranstalteten Oktoberfest niemand. Die grüne Lydia Dietrich sah manches „immer nur verharmlost“ – etwa der jüngste Rekord von sieben Millionen Litern ausgeschenktem Bier. „Was steckt da dahinter?“ FDP-Kollegin Gabriele Neff berichtete, dass schon am Mittag der Hügel zur Theresienhöhe mit Betrunkenen bevölkert gewesen sei.

Vielleicht sollten die Politiker einmal Inge Bravo (67) fragen, die seit 30 Jahren am Bavariaring wohnt und seit zehn Jahren eine Verschlimmerung beobachtet. Aber: „So schlimm wie heuer war es noch nie.“ Erwachsene seien in der Früh schon zur Wiesn hingetorkelt. Im nächsten Bezirksausschuss will sie vorsprechen. Denn beim Thema Jugend und Alkohol wundert sie nichts mehr – „bei diesen erwachsenen Vorbildern.“

DAC

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