Sie überfiel sie in ihrer Wohnung

Hammer-Angriff: 13 Jahre Haft für Putzfrau

+
In diesem Haus wurde die 58-Jährige attackiert.

München - Mit einem Eisenhammer schlug Putzfrau Monika F. (60) mehr als 30 Mal auf ihre Ex-Chefin ein. Das Opfer überlebte nur mit viel Glück. Nun hat das Schwurgericht ein hartes Urteil gesprochen: 13 Jahre Haft wegen versuchten Mordes.

Sie will ihr Gesicht nicht zeigen. Regungslos und vom Publikum abgewandt sitzt Monika F. (60) auf der Anklagebank des Schwurgerichts. Die Zuschauer sehen nur ihren Rücken, kerzengerade. Es ist keine Reaktion auf das Urteil zu erkennen: „Die Angeklagte ist schuldig des versuchten Mordes, des versuchten Raubes mit Todesfolge und der gefährlichen Körperverletzung“, sagt der Vorsitzende Richter Michael Höhne. „Sie wird zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt.“ Wenn Monika F. das Gefängnis wieder verlässt, wird sie eine alte Frau sein. Ihre Habgier ist ihr zum Verhängnis geworden. Die Tat, die die gebürtige Kölnerin begangen hat, liegt fast ein Jahr zurück. An acht Verhandlungstagen hat das Gericht rekonstruiert, was an jenem 7. August 2013 geschehen ist.

Gegen 10 Uhr vormittags klingelt Monika F. bei Marianne M., 66 Jahre alt, in Solln. Die beiden Frauen kennen sich, Monika F. hat als Putzfrau für die verwitwete Rentnerin gearbeitet – bis sie wegen des Diebstahls eines 10 000-Euro-Rings gefeuert wurde. An jenem Tag kehrt sie zurück, und sie ist bewaffnet. Einen 463 Gramm schweren Eisenhammer hält sie in der Hand, verdeckt durch eine Zeitung, die sie aus dem Briefkasten ihres Opfers genommen hat. Marianne M. erwartet ein Paket, kommt im Nachthemd an die Tür – „völlig arg- und wehrlos“, wie Richter Höhne betont. Noch in der geöffneten Tür kassiert sie den ersten Schlag auf den Kopf – mindestens 29 weitere werden folgen.

Monika F. drängt ihr Opfer ins Haus, und während sie auf ihre Ex-Chefin einprügelt, versucht sie, ihr einen goldenen Armreif vom Arm zu ziehen. „Gib her“, ruft sie. Marianne M. kämpft, schlägt mit einem steinernen Bierkrug nach der Angreiferin, doch immer wieder trifft sie der Hammer. Irgendwann merkt auch Monika F., dass sie es mit einer starken Gegnerin zu tun hat. „Den Schädel kann man ja nicht einschlagen!“, ruft sie – und versucht es dennoch weiter. Sie greift zu einer Buddha-Figur, die am Kopf von Marianne M. zerbricht. Zwei weitere Buddhas, einer aus Holz, einer aus Porzellan, zerbrechen ebenfalls. Im Wohnzimmer geht Marianne M. schließlich zu Boden, und Monika F. wähnt sich am Ziel. Sie rennt nach oben, durchsucht die Räume nach Schmuck – zuvor hat sie die Wohnungstür versperrt. Doch Marianne M. hat immer noch genug Kraft, um sich in die Küche zu schleppen, nimmt sogar die Handtasche der Täterin mit und schließt sich ein. Als Monika F. das bemerkt, geht sie von außen ans Küchenfenster – da versetzt ihr Marianne M. zwei Stiche mit einem Messer. „Als Andenken“, wird sie später sagen. Monika F. flüchtet, Marianne M. überlebt schwerstverletzt. „Den Geschmack von Blut werde ich nie vergessen“, sagt sie heute.

Die Ärzte nähten bei Marianne M. unter Vollnarkose 27 Platzwunden. Richter Höhne spricht von einer „unglaublichen Vielzahl von Gewalteinwirkungen“. Dass die „rüstige, wehrhafte“ Frau noch lebe, sei allein „ihrem Überlebenswillen, ihrem harten Schädelknochen und dem Zufall zu verdanken“. Das Blut am Tatort habe „bis unter die Decke“ gereicht, „zeitweise nahm es ihr die Sicht“. Die Kammer attestierte Monika F. eine „enorme kriminelle Energie“. Sie ist einschlägig vorbestraft, zum Zeitpunkt der Tat liefen noch zwei Bewährungsstrafen. Wäre es nach der Staatsanwaltschaft gegangen, hätte Monika F. eine noch höhere Strafe kassiert: Nicole Selzam, Vertreterin der Anklage, hat lebenslange Haft gefordert. Verteidigerin Birgit Schwerdt plädierte für sieben Jahre Haft.

Die Entschuldigung ihrer Peinigerin hat Marianne M. bis heute nicht angenommen. „Ich hoffe sehr, dass ich sie so schnell nicht wiedersehe“, sagt sie nach der Urteilsverkündung. Marianne M. hat die Tat erstaunlich gut verkraftet, auch wenn sie manchmal Angstzustände plagen. „Aber es geht mir wieder ganz gut“, sagt sie. „Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Ann-Kathrin Gerke

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern
Kita-Finder wird verbessert: Das ändert sich für Eltern

Kommentare