Raucher stürzt – kein Schmerzensgeld

+
Thomas Bauer stürzte im Rauchereck

München - Thomas B. stürzte im Rauchereck einer Klinik und riss sich die Achillessehne. Deshalb verklagte er die Klinik auf Schadensersatz - vergeblich.

„Die Sucht“, entschuldigt sich Thomas B. schulterzuckend. An Krücken humpelnd, aber von der Sehnsucht nach einer Zigarette getrieben, suchte der Speditionskaufmann (32) am 11. März 2010 die Raucherecke einer Reha-Klinik auf. Dass frischer Schnee gefallen war, hielt ihn nicht davon ab. Mit bösen Folgen: „Mit hat’s plötzlich die Stöcke weggezogen.“ In seinem Fuß hörte er einen Kracher: Riss der Achillessehne! Deshalb verklagte er die Klinik auf Schadensersatz.

Wegen eines komplizierten Beinbruchs nach einem berufsbedingten Sturz hatte Thomas B. Anfang 2010 die ostbayerische Reha-Klinik aufsuchen müssen. Damals, sagt er, habe er eine Schachtel Zigaretten täglich geraucht. Ohne Nikotin sei er einfach nicht ausgekommen. Doch in der ganzen Klinik herrscht strenges Rauchverbot. Wer seiner Sucht frönen will, muss eine spezielle Ecke draußen aufsuchen.

An jenem 11. März herrschte eine extreme Wetterlage in Europa. Selbst in Venedig fiel massenhaft Schnee. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse ließ sich Thomas B. jedoch nicht davon abhalten, am Abend noch einmal sein geliebtes Qualmplätzchen aufzusuchen. Mit schmerzhaften Folgen.

„Ich musste einen Ausfallschritt auf meinen kaputten Fuß machen“, sagte der Kläger gestern vor dem Oberlandesgericht in München. „Ich spürte einen Schmerz und hörte einen Schnackler. Ich wusste gleich, dass da was passiert ist.“ Der Unfall warf ihn für weitere Wochen aus der Bahn, dafür forderte er von der Klinik etwa 12 000 Euro Schadensersatz.

Die Vorsitzende Richterin Maria Vavra stellte zwar klar, dass die Klinik für die Sicherheit der Gehwege sorgen muss. Doch nach ihrer Ansicht gingen in diesem Punkt die Zeugenaussagen weit auseinander. Während der Kläger und Mitpatient Max A. (46) von fünf bis acht Zentimeter Neuschnee sprachen, bezeichnete Klinik-Mitarbeiterin Irene M. (61) den Zustand des Weges als „leicht überzuckert“. Bei derart widersprüchlichen Angaben, so Richterin Vavra, „ist kein Nachweis möglich“. Außerdem treffe den Kläger ohnehin ein erhebliches Mitverschulden. Das Gericht wies die Klage ab!

Der Unfall hatte für Thomas B. dennoch auch etwas Gutes: „Ich habe mir das Rauchen abgewöhnt.“

Eberhard Unfried

 

Rauchen am Arbeitsplatz: das sind Ihre Rechte

Rauchen am Arbeitsplatz: Das sind Ihre Rechte

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare