Er verlor 2,5 Millionen Euro

Rauchverbot: So schlimm traf es die Wirte

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Rudi Schneider auf seiner Giesinger Bowlingbahn

München - Das Rauchverbot in Bayern – für die Münchner Wirte bleibt es ein Streitfall. Der Chef des Isar-Bowling-Centers in Giesing gibt einen Einblick, wie es wirklich aussieht.

Das Rauchverbot in Bayern – für die Münchner Wirte bleibt es ein Streitfall. Knapp zwei Jahre nach der Einführung des strengsten Nichtraucherschutzgesetzes aller Zeiten sind alle Probleme verdampft, behauptet Sebastian Frankenberger, der Vater des Volksentscheids. Doch stimmt das wirklich? „Auf keinen Fall“, sagt Rudi Schneider (60), Chef des Isar-Bowling-Centers in Giesing – mit 22 Bahnen das größte in der Stadt. Der tz gibt der Gastronom einen Einblick, wie es wirklich in der Branche aussieht.

„Ich kenne einige Wirte, die aufgegeben haben“, sagt Schneider. Auch ihn selbst hat das absolute Rauchverbot hart getroffen: „In den vier Jahren seit der ersten Initiative habe ich rund 2,5 Millionen Euro an Umsatz eingebüßt. Das Rauchverbot gefährdet unsere Existenz.“

Seit 30 Jahren betreibt Rudi Schneider (selbst Nichtraucher) in ganz Bayern Freizeitbetriebe mit Bowling, Billard und Dart, hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. Im Jahr 2007 beschäftigt er noch 40 Mitarbeiter fest, hat außerdem 20 Teilzeitangestellte und rund 70 Aushilfen. „Jetzt sind es noch die Häfte“, sagt Schneider. Denn: „Unsere Betriebe verzeichnen Umsatzrückgänge bis zu 30 Prozent, und wir können nur mit Tilgungsaussetzungen und entsprechenden Mitarbeiterreduzierungen überleben.“

Das Problem: „Früher hatten wir einen Clubraum, wo geraucht werden durfte – damit war jeder zufrieden.“ Die Gäste blieben nach dem Bowlen noch zum Essen, Ratschen und Kartenspielen – eine wichtige Einnahmequelle. Seit August 2010 ist Rauchen in Gasthäusern aber ganz tabu – und viele Gäste gehen früher. „Meine unternehmerische Freiheit ist eingeschränkt und ich darf nicht mehr entscheiden, wer was in meinem Laden tun darf“, sagt Schneider. Viele seiner Gäste und Mitarbeiter rauchen – dafür müssen sie aber vom zweiten Untergeschoss nun nach draußen gehen, zudem ihre Straßenschuhe anziehen. Auf der Bahn sind nur Bowlingschuhe erlaubt. „Das ist sehr umständlich. Meine Stammkunden ärgert das.“ Das strikte Rauchverbot in München – es gefährdet immer mehr Existenzen…

Andreas Thieme

Wie schlecht geht es den Wirten? Das sagen Branchen-Experten:

„Boazn haben gelitten“

„Es gibt Gewinner und Verlierer“, lautet das Fazit des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Das Problem: Je kleiner und getränkelastiger der Wirtsbetrieb, desto höher die Einbußen. Negative Auswirkungen hat das Rauchverbot vor allem auf die Kleingastronomie. „Eckkneipen haben massiv gelitten“, sagt Präsident Ulrich Brandl. „Die Einbußen liegen bei bis zu 30 Prozent. Für viele Wirte ist das existenzbedrohend.“ Die Folge: zunehmender Personalabbau. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine vom Dehoga Bayern in Auftrag gegebene Studie des Münchner Marktforschungsinstitutes.

Wirtskultur in Gefahr!

„Die Bilanz nach zwei Jahren Rauchverbot ist keineswegs so positiv, wie es gerne dargestellt wird“, sagt Franz Bergmüller vom Verein für den Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur. Das Gesetz habe einen Eingriff in die unternehmerische Entscheidungshoheit der Wirte verursacht. „Dem tatsächlichen Gesundheitsschutz wurde nie genüge getan, denn die Besucher von früheren Raucherlokalen rauchen weiter – eben nur nicht mehr in der Stammkneipe.“ Der Volksentscheid über eine rauchfreie Gastronomie – ein reines Mittel zum Zweck. „Die Wirte wurden hier missbraucht.“ Und: „Über 500 bayerische Gemeinden besitzen schon kein eigenes Wirtshaus mehr. Die bayerische Wirtshauskultur ist gefährdet.“

 

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