Vier Jahre nach dem Entscheid

Wirte: Das Rauchverbot hat sich bewährt

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Qualmfrei: In Bayerns Lokalen darf seit Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes nicht mehr geraucht werden.

München - Am 4. Juli 2010 haben die Bayern per Volksentscheid für das absolute Rauchverbot votiert. Erst war das Entsetzen bei den Münchner Wirten groß. Jetzt ist klar: Das Kneipensterben blieb in der Stadt aus. Speiselokale profitieren sogar von dem Gesetz. Auch der Gesundheit nutzt es, wie Studien beweisen.

Erst ein paar Jahre ist es her, da wurde der Initiator des Volksentscheids, Sebastian Frankenberger, aus den Wirtshäusern gejagt. Die Gastronomen waren stinksauer und befürchteten Umsatzeinbußen. Birgit Netzle-Piechotka reichte gar Verfassungsbeschwerde ein. Heute sagt die Wirtin des Thalkirchner Asam-Schlössls: „Unsere Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.“ Zwar seien Gäste weggeblieben, aber neue seien gekommen. Familien mit Kindern und jene, die der Qualm immer schon gestört habe.

Im Jahr nach Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes verzeichnete die Speisegastronomie sogar ein Umsatzplus, sagt Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. „Das Rauchverbot ist inzwischen selbstverständlich.“

Doch nicht jedes Lokal in der Stadt hält sich daran: 435 Bußgeldbescheide hat das Kreisverwaltungsreferat in den vergangenen vier Jahren wegen Verstößen gegen das Nichtraucherschutzgesetz erlassen. „Das ist nicht viel, und es werden von Jahr zu Jahr weniger“, sagt Sprecherin Daniela Schlegel. Das Rauchverbot habe sich eingespielt. Im Auftrag der Behörde kontrollieren 60 Bezirksinspekteure die Einhaltung der Vorschrift. Sie sind täglich in den 8000 Münchner Gastronomiebetrieben unterwegs. „Nicht als Raucherpolizei“, wie Schlegel betont. Das passiere nebenbei, wenn sie etwa Freischankflächen und Hygiene kontrollieren. Freilich gebe es Anwohnerbeschwerden wegen Lärmbelästigung. Aber das liege nicht an den Rauchern vor der Tür: „Diese Beschwerden gibt es in den Sommermonaten immer.“

Eine Studie, die der Bayerische Hotel- und Gasttättenverband im Herbst 2013 durchführen ließ, zeigt, dass das große Kneipensterben ausgeblieben ist. „Natürlich mussten kleine Kneipen ohne Speisenangebot schließen. Es gab ganz klar Verlierer“, sagt Frank-Ulrich John. Aber die Gesamtzahl der Betriebe sei gleich geblieben. John deutet das so, dass getränkeorientierte Kneipen ihr Konzept geändert haben, um sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Sie würden jetzt auch Speisen anbieten. Oder ein neuer Wirt habe den Betrieb übernommen.

Lydia Wutzer, Wirtin der Untergiesinger Boazn „Downtown“, hätte ihr Konzept gern angepasst, bekommt aber keine Konzession für eine Speisegastronomie, weil ihr Lokal zu klein ist. Sie sagt: „Das Gesetz ist ungerecht.“ Ihr Jahresumsatz sei um 40 Prozent zurückgegangen. Dennoch: Die Kneipe besteht seit acht Jahren.

Unstrittig ist, dass das Rauchverbot zu einer besseren Gesundheitslage in der Bevölkerung führt. Reiner Hanewinkel, Chef des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, hat 2012 eine Studie veröffentlicht, in der die Folgen der Rauchverbote in den Bundesländern untersucht wurden. Bei 3,7 Millionen Krankenversicherten - auch in Bayern - wurde der Gesundheitszustand vor und nach Einführung des Rauchverbots untersucht. Ergebnis: Die Angina pectoris, häufig eine Vorstufe zum Herzinfarkt, ging um 13 Prozent zurück. Die Zahl der tatsächlichen Herzinfarkte ging um acht Prozent zurück. Laut Hanewinkel hat sich außerdem eine andere Studie mit dem Zusammenhang von Rauchverboten und Geburten beschäftigt - und eine bedeutsame Reduktion von Frühgeburten und kindlichem Asthma festgestellt, nachdem ein Rauchverbot eingeführt wurde.

Bettina Stuhlweißenburg und Moritz Homann

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