Dominas spritzen Kunden Drogen

München - Razzia im Sadomasochismus-Milieu: Die Polizei hat mehrere Dominas überführt, die ihren Kunden Betäubungsmittel intravenös gespritzt haben. Für ungewöhnliche Sex-Praktiken.

Konkret handelte es sich um das Lokalanästhetikum Procain, das teils in der Zahnmedizin aber auch bei anderen Schmerzformen eingesetzt wird. In den Dominastudios ging es jedoch darum, härtere, extreme Praktiken erträglich und damit überhaupt erst möglich zu machen.

Üblicherweise wird Procain nur lokal unter die Haut gespritzt. Die Beschuldigten sollen das Mittel ihren Freiern aber direkt in eine Vene injiziert haben. Nach Angaben der Polizei birgt das massive Gefahren für die Kunden: Neben erheblichen gesundheitlichen und psychischen Folgen kann das Mittel letztlich auch süchtig machen. Die Fahnder ermitteln bereits seit Jahresanfang gegen die Gruppe von Dominas, nachdem ein abhängig gewordener Kunde sich den Behörden anvertraut hatte. Der 45-jährige, ledige Münchner hatte über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren rund 70 000 Euro investiert, um seine durch die „Behandlung“ entstandene Sucht zu finanzieren. Hierfür musste er unter anderem sein Auto verkaufen und sogar Kredite aufnehmen.

Diesen Montag durchsuchte die Polizei zwei Dominastudios sowie mehrere Wohnungen in und um München: Sechs Dominas sowie ein Mann im Alter zwischen 33 und 47 Jahren wurden festgenommen – bei ihnen fanden die Ermittler mehrere hundert Ampullen Procain. Außerdem wurden mehrere 10 000 Euro Bargeld sichergestellt.

Der Gruppe werden gefährliche Körperverletzungen sowie Verstößen nach dem Arzneimittelgesetz und nach der Heilpraktikerverordnung vorgeworfen. Letzteres begründet sich darin, dass Injektionen nur von ausgebildeten Heilpraktikern oder approbierten Ärzten durchgeführt werden dürfen. Eine Ausbildung zur Krankenschwester oder Arzthelferin reicht hier nicht aus, da diese nur auf ausdrückliche Anweisung eines Arztes Injektionen verabreichen dürfen. Wird ein Medikament nicht entsprechend seiner Bestimmung verabreicht – im Fall von Procain heißt dies unter beziehungsweise in die Haut – stellt dies laut Staatsanwaltschaft eine gefährliche Körperverletzung dar.Zudem sollen die Procain-Ampullen teils mit anderen Substanzen vermengt worden sein. Womit genau ist allerdings noch unklar – hierzu wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Sven Rieber

Rubriklistenbild: © dpa

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