Kulturzentrum bekommt neues Gesicht

Gasteig-Pläne: „Wir freuen uns auf die Sanierung“

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Das Gasteig-Kulturzentrum (hier der Zugang von der Rosenheimer Straße) muss saniert werden. Am 5. April befasst sich der Münchner Stadtrat mit dem Umfang der Maßnahme.

München - Der Münchner Gasteig steht vor einer einschneidenden Umgestaltung. 450 Millionen Euro soll die wahrscheinlichste Variante kosten. In Parteien und Kulturszene stoßen die Pläne auf positive Resonanz.

Die Ideen zur Gasteig-Sanierung  stoßen bei den großen Fraktionen im Münchner Stadtrat auf Wohlwollen. Die Gasteig-Chefetage habe „hervorragende Vorarbeit geleistet“, die eine „große Transparenz über das Erforderliche“ schaffe, erklärt Klaus Peter Rupp, kulturpolitischer Sprecher der SPD. 

Unstrittig sei die akustische Ertüchtigung der Philharmonie. Es sei noch zu früh, um sich endgültig festzulegen, welche Kostenvariante bei der umfassenden Sanierung zum Zuge komme, meint Rupp. Klar sei nur: „Dass gar nichts passiert, ist genauso ausgeschlossen wie ein Abriss.“

Grünen-Fraktionschef Florian Roth sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Pläne gehen in die richtige Richtung.“ Man müsse sehen, welche Maßnahmen letztlich finanzierbar seien. Roth gefällt die beabsichtigte Restaurant-Nutzung auf dem Dach mit fantastischem Blick auf die Isar. Wichtig sei, dass am Gasteig eine für die Nutzer „sichtbare und genießbare Veränderung“ stattfinde. Dabei müsse jenseits der zwingend notwendigen akustischen Verbesserung der Philharmonie auch auf die Breitenkultur geachtet werden. Roth denkt hierbei vor allem an Verbesserungen für Bibliotheks- und Volkshochschulbesucher. Die Philharmonie müsse aber so umgebaut werden, dass sie konkurrenzfähig sei zum neuen Konzertsaal des BR-Symphonieorchesters im Werksviertel. Als Interims-Standort für die Philharmonie während der Sanierung favorisieren die Grünen die Paketposthalle im Münchner Westen.

Philharmoniker vertrauen Akustiker Toyota

Die CSU hat sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion, formuliert aber eine erste Einschätzung: „Ich halte die skizzierte Lösung mit einem Gesamtkostenvolumen von 450 Millionen Euro für die zielführende.“ Das Akustikproblem der Philharmonie werde damit grundlegend gelöst. „Und zwar ebenso gut wie bei einem neuen Saal, dafür aber günstiger.“ Er könne „als Kulturpolitiker und Musikfan“ gut mit dieser Lösung leben. Auch der Vorschlag mit dem Restaurant auf dem Dach sei ein sinnvoller Ansatz. „Das ist eine Novität mit einem Mehrwert für die gesamte Bevölkerung.“

Den Philharmonikern geht es bei der Sanierung natürlich vor allem um die Akustik in ihrer Heimstatt. Ein Jahr lang hätten sich Chefdirigent Valery Gergiev und Akustik-Papst Yasuhisa Toyota „intensiv“ mit dem Saal und dessen Klang beschäftigt, berichtet Intendant Paul Müller. „Wir haben Herrn Toyota die Frage gestellt, wie man die Philharmonie akustisch besser machen kann, ohne sie gleich vollständig zerstören zu müssen.“ Fünf Maßnahmen hat der Japaner vorgeschlagen, darunter wie berichtet die Vergrößerung des Podiums nach vorn, ein Aufrauen und Abrunden der seitlichen Wände zur besseren Klangreflexion sowie ein riesiges durchgängiges Schallsegel, das bis über die ersten Reihen reicht (geschätzte Kosten: rund 150 Millionen Euro). „Toyotas Expertise ist unbestritten, seinem Urteil vertrauen wir zu 100 Prozent“, erklärt Müller auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir sind fest überzeugt, mit einem angemessenen Aufwand eine hervorragende Akustik erreichen zu können.“ Der Philharmoniker-Intendant ist überzeugt: „Im Gasteig steckt großes Potenzial. Dieses zu nutzen, kann für München nur ein großer Gewinn sein.“

Veranstalter Schessl fordert neue Varianten für Ausweichspielstätte

Auch bei der Münchner Stadtbibliothek erwartet man eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustands: „Wir freuen uns auf die Sanierung.“ Gemessen an aktuellen Besucherzahlen, habe man schon heute zu wenig Platz, rechnet Direktor Arne Ackermann vor: „Aufbauend auf die Erfahrungen anderer Großstadtbibliotheken und vor dem Hintergrund der wachsenden Bevölkerungszahlen rechnen wir nach der Sanierung mit einem Zuwachs von 50 Prozent auf 1,5 Millionen Besuche im Jahr.“ Außerdem hätten sich die Erwartungen an seine Einrichtung geändert, berichtet Ackermann. „Die Münchner brauchen mehr Möglichkeiten, um sich in der Bibliothek zu treffen, eigene Projekte zu realisieren, hier zu lernen oder auch zu arbeiten. Mit der Modernisierung möchten wir 30 Prozent mehr Publikumsfläche schaffen.“

Andreas Schessl, Geschäftsführer von MünchenMusik und als privater Konzertveranstalter regelmäßig Mieter der Philharmonie, nennt den Umbau des größten Kulturzentrums Europas „sehr wünschenswert“. Ihm ist aber auch ein anderer Aspekt in der Debatte wichtig: „Für uns als private Veranstalter ist es – auch planungstechnisch – existenziell, dass in den nächsten Jahren ein Saal von der Größe des Gasteigs an einem attraktiven Standort durchgängig bespielbar ist und es nicht irgendwann zu einem Erliegen des Spielbetriebes kommt. Die in die Diskussion gebrachten Ausweichspielstätten lassen bislang nicht wirklich Hoffnung aufkommen.“

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