Nach tz-Bericht

So rechtfertigt die Lebensbrücke ihren Luxusschlitten

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Der geleaste Audi A8 in der Tiefgarage der Lebensbrücke an der Dachauer Straße.

München - Nach dem tz-Bericht: So rechtfertigt die Lebensbrücke - ein Verein, der sich die Unterstützung von Armen und Kranken auf die Fahnen schreibt - ihren neuen Luxusdienstwagen.

Die Deutsche Lebensbrücke, ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Dachauer Straße 278, hat auf den tz-Bericht über ihren geleasten, 117 164,99 Euro teuren Luxusdienstwagen (Audi A8 mit 350 PS) reagiert und stellt fest: Es handele sich tatsächlich um den Dienstwagen des Vereins, die Monatsraten von 1202 Euro würden aber von einem Sponsor übernommen und gingen somit nicht zu Lasten des Spendenkontos.

Am Samstag hatte die tz geschrieben, dass in der Tiefgarage ein auf die Lebensbrücke geleaster Audi stehe. Der entsprechende Vertrag liegt der Redaktion vor. Ein derart teurer Luxuswagen bei einem Verein, der sich die Unterstützung von Armen und Kranken auf die Fahnen schreibt? Das warf Fragen auf. Eine Stellungnahme der Lebensbrücke war am Freitag weder durch zwei Anrufe noch durch eine schriftliche Anfrage zu erhalten. Später reagierte der Verein mit einem anwaltlichen Schreiben an den Verlag und einer Stellungnahme auf der Homepage www.lebensbruecke.de. Darin stellt Vorstandschefin Petra Windisch de Lates klar, dass der Audi A8 nicht aus den Spendentöpfen finanziert werde. „Unser Dienstwagen wird durch einen Sponsor finanziert“, erklärte sie.

Auf abermalige Nachfrage der tz teilte der Verein schriftlich mit: Die Lebensbrücke habe nur exakt dieses Angebot annehmen können oder nicht. Die Möglichkeit, anstelle des Audi A8 ein günstigeres Fahrzeug leasen zu lassen und in diesem Zug ersparte Gelder anderweitig verwenden zu können, habe es nicht gegeben. Doch die Annahme dieses Angebots habe dazu geführt, dass man einen Dienstwagen ohne entsprechende Kosten erhalte.

Den Namen des Spenders wolle die Lebensbrücke – wie dies bei zahlreichen Sponsoren und Spendern üblich sei – nicht öffentlich nennen. Weder Petra Windisch de Lates noch der Aufsichtsratsvorsitzende und Vereinsgründer, Senator Dr. h.c. Reinhard Mayer, wollten trotz mehrmaliger Anfrage mit der tz sprechen.

In einer weiteren E-Mail bat die Redaktion am Mittwochabend um eine Stellungnahme unter anderem zu folgenden Punkten: „Dürfen wir davon ausgehen, dass es sich dabei um ein Sponsoring im steuerrechtlichen Sinne handelt? Sponsoring und Spenden sind ja steuerrechtlich zwei unterschiedliche Sachverhalte. Beim Sponsoring wird ein Leistungsaustausch vereinbart, während eine Spende eine freiwillige Gabe ohne Gegenleistung ist. Wenn ja: Wie sieht diese Gegenleistung aus, gibt es dazu Vereinbarungen, Werbung, Logos oder Ähnliches?“ Und: „Laut des uns vorliegenden Leasingvertrags datiert dieser auf den 19.10.2012. Auf Ihrer Homepage jedoch weisen Sie für das Jahr 2012 unter Ihren Finanzdaten keine Sponsoring-Einnahmen aus. Wo wurden das gesponserte Auto in Ihrer Bilanz verbucht?“

Die Deutsche Lebensbrücke reagierte daraufhin gestern Mittag. Man stelle gerne klar, dass der Begriff des Sponsorings als zweckgebundene Spende zu verstehen sei. Eine Gegenleistung sei daher weder vereinbart noch gewährt worden.

Ferner teilte die Lebensbrücke mit, dass der Audi nicht nur durch den Aufsichtratsvorsitzenden Mayer, sondern auch durch andere Mitarbeiter genutzt und dies auch im Rahmen der rechtlichen Vorgaben dokumentiert werde. Weitere Dienstfahrzeuge gebe es nicht.

DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke.

Die Lebensbrücke wurde im Jahr 1989 gegründet. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) sieht den Verein kritisch. Geschäftsführer Burkhard Wilke sagte der tz: „Wir haben uns wiederholt bemüht – zuletzt im Juli 2014 – im Sinne der Transparenz gegenüber der Spender konkrete, aussagekräftige Informationen über ihre Arbeit zu erhalten.“ Auf seiner Internetseite stellt der Verein zwar einige der vom DZI erbetenen Unterlagen, wie beispielsweise einen Auszug aus dem Jahresabschluss, zur Verfügung. Doch auf detaillierte Nachfragen habe die Lebensbrücke nicht reagiert. „Eine Berechnung des Anteils der Werbe- und Verwaltungsausgaben war uns nicht möglich. Wir können deshalb nicht beurteilen, ob diese Kosten im Jahresdurchschnitt im vertretbaren Rahmen liegen“, sagt Wilke. „Das DZI bedauert, dass eine Organisation, die in der Öffentlichkeit um Unterstützung wirbt, nicht die Informationen zur Verfügung stellt, die der Spenderberatung eine Einschätzung ihrer Vertrauenswürdigkeit erlauben würden.“

Beim Deutschen Spendenrat, nationaler Dachverband spendensammelnder gemeinnütziger Organisationen, ist die Lebensbrücke im Jahr 2010 ausgeschieden.

2012 verbuchte der Verein 1,31 Millionen Euro Einnahmen, vor allem aus Spenden bzw. Mitglieds- und Förderbeiträgen. Im Finanzbericht auf der Homepage steht, dass 77,46 Prozent der gesamten Aufwendungen für satzungsgemäße Zwecke ausgegeben wurden.

Stefan Dorner, Sebastian Arbinger

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