Rechts der Isar: Jetzt spricht der Chef

Das Klinikum Rechts der Isar

München - Sie wollen „vorbehaltlose und umfassende Aufklärung“, und zwar „schnellstmöglich“. Das sagte Prof. Dr. Reiner Gradinger, der ärztliche Direktor des Klinikums Rechts der Isar am Donnerstag Mittag. Jetzt spricht der Chef!

Es geht dabei um die Unstimmigkeiten bei Organ-Transplantationen, die im Moment sowohl von der Klinik selbst als auch von Prüfern der Ärztekammer untersucht werden – insgesamt neun konkrete Fälle. Gradinger berichtet von „einzelnen Auffälligkeiten“. Insbesondere gebe es „Unstimmigkeiten bei Angaben zur Dialyse sowie bei Laborwerten“.

tz-Stichwort: Die OP-Statistik

Laut Operations-Statistik haben die Ärzte im Klinikum Rechts der Isar im vergangenen Jahr insgesamt 121 Organe verpflanzt. Darunter fallen 78 Nieren, 37 Lebern und sechs Bauchspeicheldrüsen. Das Uniklinikum in Großhadern kam im Jahr 2011 sogar auf insgesamt 211 Transplantationen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Ein Gutachter ist eingeschaltet. Den von Ärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery gezogenen Vergleich mit Fällen in Göttingen und Regensburg wies die Behörde aber zurück. Die Ermittler könnten diese Aussage nach derzeitigen Feststellungen nicht bestätigen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. In Göttingen und Regensburg soll ein Oberarzt Labordaten seiner Patienten gefälscht haben, damit diese schneller eine neue Leber bekamen.

Auch ein Sprecher des bayerischen Wissenschaftsministeriums sagte, es gebe nach bisherigem Stand keinen Verdacht der absichtlichen Manipulation von Patientendaten. Dort, im Wissenschaftsministerium, war ein anonymes Schreiben eingegangen, in dem Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen angeprangert wurden. In dieser Sache hat das Rechts der Isar Strafanzeige gegen Unbekannt wegen übler Nachrede gestellt.

Prof. Dr. Reiner Gradinger

Klinik-Chef Gradinger betont außerdem, dass sein Haus bereits zuvor mit internen Untersuchungen begonnen habe. Aus eigenem Antrieb habe man insgesamt 163 Lebertransplantationen zwischen Januar 2007 und Juli 2012 unter die Lupe genommen – als „Reaktion auf die Vorfälle in Göttingen und Regensburg“. Der Abschlussbericht dieser internen Prüfung ging am 24. August an die Bundesärztekammer und die Staatsanwaltschaft.

Dieser Bericht ist auch das Ausgangsmaterial für die weiteren Untersuchungen. Die Experten der Ärztekammer schickten gestern in der Früh Nachfragen zu neun Fällen. Bald soll es Antworten geben. Gradinger: „Der Vorstand des Klinikums unterstützt die weitere Arbeit der Prüfungskommission selbstverständlich ohne jede Einschränkung.“

So viel zur Vergangenheitsbewältigung. Was die Zukunft betrifft: Da arbeitet die Klinik daran, weitere „Unstimmigkeiten“ und „Auffälligkeiten“ zu vermeiden. Dafür werden die „Prozesse für Dokumentation und Qualitätskontrolle grundlegend überarbeitet“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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