Die Fundgrubengeschichte

Bayerns wohl asiatischste Anwaltkanzlei

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Aufwändige Kunstwerke: Die Wayang Kulit Figuren werden aus Büffelleder gestanzt. Peter Schotthöfer muss sich aus Platzgründen von ihnen trennen.

München - Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich manch spannende Geschichte. Zum Beispiel die eines Münchner Rechtsanwalts und seiner Liebe zu Asien. 

Peter Schotthöfer hat eine Leidenschaft, die er schwer verheimlichen kann. Sie ist fast jedes Mal Thema, wenn er einen neuen Mandanten in seiner Kanzlei empfängt. Sie ist sozusagen sein „Eisbrecher“. Der Münchner Rechtsanwalt liebt Asien. Unzählige Male war er dort im Urlaub, jedes Mal hat er sich Erinnerungsstücke mitgebracht. Sie stehen und hängen überall.

Da gibt es beispielsweise diesen wunderschönen alten Gong. Er hängt an einem nicht allzu kleinen vergoldeten Kunstwerk. „Ich könnte jetzt sagten, dass ich diesen Gong jedes Mal schlage, wenn ich einen Fall gelöst habe“, sagt Schotthöfer und schmunzelt. Stimmt natürlich nicht. Aber wenn Kinder mit seinen Mandanten zu ihm in die Kanzlei kamen und staunend vor dem Gong standen, dann durften sie immer einmal schlagen. „Das ist ein wunderschöner dunkler Klang“ schwärmt Schotthöfer. Eigentlich zu schön, um sich von dem Gong zu trennen.

Aber er hat ein Problem. Er ist vor kurzem in eine kleinere Kanzlei umgezogen. Nun fehlt ihm der Platz für seine über Jahre zusammen getragenen Asien-Kunstwerke. Und das tut ihm einfach in der Seele weh.

Zum Beispiel besitzt er einige Wayang Kulit Figuren. Wayang Kulit ist ein traditionelles asiatisches Schattenspiel. „In Indonesien und Bali gibt es tatsächlich noch Aufführungen mit diesen Figuren, weil es dort in den kleinen Dörfern kein Kino gibt“, erklärt Schotthöfer. Die Figuren werden sehr aufwändig aus Büffelleder hergestellt und an Führungsstäben befestigt. Peter Schotthöfer besitzt einige dieser Figuren. Aber die Wände reichen nicht mehr, um sie aufzuhängen. Deshalb liegen sie in seiner neuen Kanzlei auf einem Stapel.

Er klingt herrlich: ein alter asiatischer Gong.

Dieser Anblick ist wohl der Grund dafür, warum der Rechtsanwalt nun eine Kleinanzeige aufgegeben hat. Er will sich von einigen seiner Schätze trennen. Leicht fällt ihm das natürlich nicht. „Ich werde verkaufen, wenn ich einen Gleichgesinnten finde, der sich ebenfalls für die asiatische Kultur begeistern kann“, sagt er.

Natürlich wird Schotthöfer nicht alles weggeben. Er besitzt zum Beispiel zwei Dachgiebelteile in Drachenform. In Asien sind sie auf den meisten Dächern angebracht. „Sie sollen böse Geister vertreiben“, erklärt er. Diese beiden Drachen stehen hinter seinem Schreibtisch – und werden auch dort bleiben. Wer kann in seiner Kanzlei schon böse Geister gebrauchen? Und außerdem sind sie eben so ein herrlicher Eisbrecher für seine Mandanten.

Die Kleinanzeige: Wayang Kulit und andere asiatische Kunstwerke zu verkaufen. Tel. 089/890416010 bzw. 089/937199.

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