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9-Euro-Ticket für München: MVV arbeitet an Umsetzung – Abonnenten könnten doppelt profitieren

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Von: Dirk Walter

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Für neun Euro das gesamte MVV-Netz ausnutzen. Das soll bald möglich sein. Der MVV-Chef freut sich auf das neue Ticket und verspricht die Abonennten nicht zu vergessen.

München – „9 für 90“ – das ist das Motto für den Ticketrabatt. Drei Monate lang soll ein Monatsticket für den Nahverkehr nur neun Euro im Monat kosten, beschlossen die Koalitionäre in Berlin. Die genauen Modalitäten sind noch ungeklärt, doch einen Tag nach dem Grundsatzbeschluss zeichnen sich Grundlinien der Umsetzung ab. Am Freitag tagte die Verkehrsminister-Konferenz der Länder, zudem gab es in Bayern Gespräche des Landesverkehrsministers mit den Verkehrsverbünden.

Für den MVV in München begrüßt Geschäftsführer Bernd Rosenbusch den Vorstoß: „Das ist auf jeden Fall eine gute Idee, da nicht nur der Spritpreis, sondern im Gleichklang auch der ÖPNV attraktiver wird“, sagte er der tz.

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München: MVV-Chef Rosenbusch kündigt 9-Euro-Ticket an – auch Kritik wird laut

Am 1. Mai, spätestens aber am 1. Juni könnte es so weit sein. Digital sei die Umstellung rasch zu bewerkstelligen, aber auch an den Automaten sei die Neuerung machbar. Rosenbusch hält das Billig-Ticket für die S-Bahn für einen großen Wurf. „Wenn wir es gut machen, dann gewinnen wir neue Kunden.“ Wichtig ist ihm, dass das 9-Euro-Ticket für den gesamten Verbund gilt, also nicht nur für eine bestimmte Strecke oder einzelne Tarifzonen. Dies gilt mittlerweile auch als sicher.

Kleiner Wermutstropfen: In Bayern gibt es nur sechs Verkehrsverbünde, etwa um München, Nürnberg, Augsburg oder Ingolstadt – und große Lücken im ländlichen Raum. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kritisierte eine Benachteiligung des ländlichen Raums, er nannte das 9-Euro-Ticket einen „Schnellschuss“.

Fakt ist aber auch: Trotz diverser Ankündigungen ist die Schaffung weiterer Verkehrsverbünde in Bayern bisher nicht geglückt. Wer in Garmisch-Partenkirchen, Traunstein oder Schongau wohnt, hat vom Ticket also wenig – es sei denn, er oder sie pendelt regelmäßig ins MVV-Gebiet und ergänzt das MVV-Ticket dann für die „Reststrecke“ mit einer normalen Bahn- oder Busfahrkarte. Für den MVV ist eine Erweiterung Richtung Bad Tölz, Rosenheim und Landsberg zwar fest eingeplant, frühestens aber ab 2024 und damit zu spät für das 9-Euro-Ticket.

9-Euro-Ticket für den MVV: Auch Abo-Kunden dürfen sich freuen – keine Überlastung erwartet

Eine zweite Konkretisierung kam am Freitag von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP): Die 9-Euro-Tickets sollen auch für Abo-Kunden gelten, die regulären Abo-Gebühren würden dann nicht abgebucht oder aber erstattet, sagte er. Es gebe keinen Grund, wegen des 9-Euro-Monatstickets ein Abo zu kündigen. Dies ist auch MVV-Chef Rosenbusch ganz wichtig: „Es würde keinen Sinn machen, ausgerechnet unsere Stammkunden zu benachteiligen.“ Es sei sogar denkbar, Abonnenten drei Monate lang für null Euro fahren zu lassen, um den administrativen Aufwand zu reduzieren.

Das schlägt jetzt auch Verkehrsminister Bernreiter vor. Voraussetzung sei immer, dass der Bund die fehlenden Einnahmen erstatte. Die Ampel-Bundesregierung hat zugesichert, dass dies über erhöhte Regionalisierungsmittel geschieht. Nach einer ersten Prognose des Verkehrsministeriums könnte das 9-Euro-Ticket in Bayern zwischen 250 und 450 Millionen Euro kosten.

Dass Züge und Busse während der Dauer des Billig-Tickets überquellen, erwartet der MVV-Chef nicht. Stand jetzt sei aufgrund von Corona auf dem Land nur 65 Prozent des Fahrgastaufkommens von 2019 wieder erreicht. Viele einstige Pendler würden weiter im Homeoffice arbeiten.

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