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Die Wiesn wackelt: Erste Wirte denken über eine Absage nach

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Von: Nina Bautz, Sascha Karowski

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Wiesnbesucher feiern im Hacker Festzelt auf dem Oktoberfest - das gab es in den letzten beiden Jahren nicht.
Wiesnbesucher feiern im Hacker Festzelt auf dem Oktoberfest - das gab es in den letzten beiden Jahren nicht. © Matthias Balk/dpa

Möglichst noch im April will die Stadt entscheiden, ob es heuer nach zwei Jahren Corona-Zwangspause eine Wiesn geben wird.

München - Zu Füßen der Paulskirche hat der Aufbau fürs Frühlingsfest begonnen, gleichzeitig gibt es schon neue Gedankenspiele ums Oktoberfest. Sogar mehr als das: Schließlich will die Stadt unter OB Dieter Reiter (SPD) möglichst noch im April entscheiden, ob heuer eine Wiesn stattfinden kann. Viele – Wirte, Schausteller und der städtische Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) – haben sich schon klar dafür ausgesprochen, dass am 17. September nach zwei Corona-Absagen in Folge nun wieder angezapft werden soll. Aber es gibt auch Skeptiker, und jetzt denken die ersten Wirte laut über eine Absage nach.

Oktoberfest: Sollte die Wiesn heuer stattfinden, werden die Preise deutlich anziehen

Dabei stehen nicht nur moralische Bedenken im Vordergrund – wie die von OB Reiter aufgeworfene Frage, wie kann man ein fröhliches Fest planen kann, während in der Ukraine Menschen sterben, sondern bei den Gastronomen auch wirtschaftliche Erwägungen. Die Gaspreise sind explodiert, man braucht zusätzliches Personal für Corona-Kontrollen – aber es werden wahrscheinlich weniger Besucher kommen.

Das bedeutet: Sollte die Wiesn heuer stattfinden, werden die Preise deutlich anziehen. Bis zu 14,50 Euro pro Mass sind nicht mehr unrealistisch, wie ein Gastronom unserer Zeitung verrät. „Das muss ich kalkulieren, um die Kosten zu decken.“ Vielleicht kämen nur vier statt sechs Millionen Besucher, weil die Einlasskontrollen abschreckend wirken. Überlegungen wie diese treiben den Bierpreis nach oben. Auch bei Oktoberfest-Experten im Münchner Rathaus gilt ein Preis von 14 Euro pro Mass mittlerweile als realistisch.

Hofbräuzelt-Wirt: „Viele sind sich noch unsicher, ob sie eine Durchführung wollen“

Die Meinung der Wirte sei sehr gespalten, sagt Günter Steinberg, Wirt des Hofbräuzelts: „Viele sind sich noch unsicher, ob sie eine Durchführung wollen.“ Man könne die Kosten noch nicht exakt kalkulieren, auch wegen der gestiegenen Gaspreise. „Wir haben Gas in der Küche – zum Beispiel bei den Hendl-Grills.“ Gäste müssten mit Preissteigerungen rechnen. „Da geht mir vieles durch den Kopf. Andererseits: Wenn die Wiesn wieder abgesagt wird, könnte das dem Fest langfristig schaden.“

Wirte-Legende Toni Roiderer (Hackerzelt) sagt: „Ich bin für eine Wiesn – aber nur wenn sie unter normalen, für Gäste und Mitarbeiter zumutbaren Bedingungen stattfinden kann.“ Also ohne FFP2-Maske, Abstandsbeschränkung und zusätzliche Sicherheitskontrollen. Denn: „Der Aufbau dauert zehn Wochen, die Aufbaukosten für ein Zelt betragen 1,5 Millionen Euro. Das kann man nicht erwirtschaften, wenn die Wiesn nicht unter normalen Umständen stattfindet.“ OB Reiter sagte allerdings jüngst im Hinblick auf Corona: „Ein Oktoberfest ohne Beschränkungen kann ich mir derzeit nicht vorstellen.“

Michael Käfer: „Die Wiesn muss stattfinden!“

Trotz dieser Lage hadern nicht alle Wirte. Michael Käfer etwa sagt zu Absage-Gedanken: „Ich verstehe solche Überlegungen nicht. Die Wiesn muss stattfinden! Es gibt gute und weniger gute Zeiten – da muss man als Unternehmer durch.“ Das sieht auch Wirte-Sprecher Christian Schottenhamel so. Ein unternehmerisches Risiko sei stets dabei, die Wiesn könne ja immer auch kurzfristig abgesagt werden. „Aber wir werden alles daran setzen, dass sie stattfinden kann.“

Oktoberfest-Urgestein Wiggerl Hagn vom Löwenbräuzelt ergänzt: „Ich kenne die Wiesn noch von den Anfängen, da waren auch mal nur 40 Gäste da.“ Weniger Besucher seien kein Grund, die Wiesn abzusagen. „Selbst wenn weniger Besucher kommen sollten: Die Tradition muss weiterleben!“

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