Volle Züge, Verspätungen, Ausfälle

Reiters S-Bahn-Ultimatum: Zweite Stammstrecke jetzt!

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Dieter Reiter weiß: Die Münchner haben die Schnauze voll vom S-Bahn-Chaos.

München - Zehn Jahre und noch immer keine zweite S-Bahn-Stammstrecke: Jetzt platzt dem OB Dieter Reiter (SPD) der Kragen! Am Mittwoch drohte er Bund, Bahn und Freistaat bereits im Planungsauschuss, jetzt stellt er im Presseclub ein Ultimatum!

„Die Münchner haben die Schnauze voll von der Auslastung und der Zuverlässigkeit der S-Bahn!“, wettert er. Wenn bis zum Frühjahr nicht die Finanzierung steht, will er die Millionen der Stadt in andere Projekte stecken. Zurückbleiben, bitte – der OB hält eine Wutrede!

Volle Züge, Verspätungen, Ausfälle: Seit Jahren werden Münchner und Pendler vertröstet. Neuer Hauptbahnhof? Hängt an der Stammstrecke. Gleisbau im Westen? Nach der zweiten Röhre. Express-Bahn zum Flughafen? Muss durch den neuen Tunnel. Tram-Westtangente in der Fürstenrieder Straße? Soll unter der Stammstrecke durch eine eigene Röhre.

„Ich werde dem Freistaat, Bund und Bahn mitteilen, dass wir in München nur noch beschränkt Geduld haben“, droht der OB. „Ich will den Münchnern nicht die ganze Amtszeit nur erzählen: Wir warten auf die zweite Stammstrecke!“ Reiter gegen den Rest der Republik: Die Röhre ist nämlich eigentlich ein Projekt des Freistaats, bei dem Bund und Bahn mitfinanzieren. Reiters Vorgänger Christian Ude (SPD) hatte sich auch lange gewehrt, dass die Stadt einen freiwilligen Beitrag leistet. Vor zwei Jahren hatte er und mit dem Stadtrat doch zugestimmt, 113 Millionen aus dem Anfangskredit des Flughafens in den Tunnel umzuschichten.

Reiter will das Verkehrsdilemma lösen

So sehr dieser Richtungswechsel seinerzeit das Überleben der Zwei-Milliarden-Röhre (plus X) sicherte, so sehr kann Reiters Drohung nun das ganze Projekt zum Scheitern bringen: „Wenn im ersten Quartal die Finanzierung nicht steht, werde ich den Stadtrat darüber nachdenken lassen, ob wir unsere Zusage aufrecht halten. Oder ob wir beginnen, andere Lösungen anzustreben.“ Das Geld könne in alternative Verkehrsprojekte fließen. Riskant – schließlich kann die Stadt nicht die Stammstrecke im Alleingang ersetzen.

Doch Reiter bleibt hart. Durch das Zuwarten werde die Röhre nur noch teurer: „Ich will den Münchnern spätestens ein Jahr nach der Wahl Vorschläge unterbreiten, wie wir das Verkehrsdilemma in der Innenstadt lösen.“

"Wie hieß der Vorgänger doch gleich?“

Der OB nahm im Presseclub zu vielen aktuellen Themen der Stadt Stellung – die wichtigsten Aussagen über …

… Leerstand:  Reiter hat einen Brandbrief an seine Verwaltung geschieben: „Ich will das nicht mehr. Wir werden das beheben!“ Er verteidigt den Abriss des Hauses in der Pestalozzistraße. „Wir können aber nicht mehrere Jahre auf einen Neubau warten.“ In der Müllerstraße will er über den Erhalt für ein Flüchtlingsprojekt nachdenken.

… Bayernkaserne: Er war am Donnerstag mit Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) dort – die Lage der Flüchtlinge habe sich verbessert. Reiter will im Krisenstab am Montag entscheiden, die Unterkunft bald wieder zu öffnen. Jetzt gehe die Integration los. „Eine Stadt wie München muss in der Lage sein, 5000 Flüchtlinge unterzubringen.“

… sein Amt: „Es macht schon Spaß, OB zu sein“, gibt Reiter augenzwinkernd zu. Er sei überrascht, welche Machtfülle ein OB besitze, um Dinge zu verändern – etwa bei …

… Erzieherinnen: Nach dem Gehaltszuschlag von 200 Euro für die städtischen Erzieherinnen, will er auch die Zuschüsse für freie Kitas erhöhen, die nach Tarif bezahlen.

… Marienplatz: Auch dem OB geht die Sanierung zu schleppend: Er habe schon selbst zum Hörer gegriffen und Druck gemacht – schließlich kann er aus dem Amtszimmer genau sehen, was hinter den Zäunen (nicht) vor sich geht. Das Projekt sei aber anspruchsvoll.

… seinen Vorgänger: „Wie hieß er doch gleich?“, witzelt Reiter. Um dann fortzufahren: „Nein, ohne den Christian Ude würde ich hier nicht sitzen.“

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David Costanzo

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