Bloß keine Abhängigkeit vom Partner

Vorsicht vor der Rentenfalle: Experte nennt sieben Tipps -speziell für Frauen

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Gut haushalten will gelernt sein: Viele Frauen tappen in die Rentenfalle.

Wovon man im Alter leben will, darüber machen sich viele erst Gedanken, wenn es zu spät ist. Besonders Frauen nehmen sich beruflich oft zurück, arbeiten häufig in Teilzeit. Der Schock kommt dann mit dem Rentenbescheid.

  • Frauen sind besonders anfällig für die Rentenfalle.
  • Georg Plötz von der Verbraucherzentrale Bayern warnt davor, sich voll auf den Partner zu verlassen.
  • Der Experte nennt sieben Schritte zur Vorbeugung.

München - Frauen tappen vor allem aus zwei Gründen in die Rentenfalle. Sie übernehmen oft die Verantwortung für die Familie - sei es für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Und wenn sie dann in den Beruf zurückkehren, arbeiten sie häufiger in Teilzeit. 

Frauen in der Rentenfalle: Experte warnt vor Abhängigkeit vom Partner

Georg Plötz von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt, wie Sie aus der Rentenfalle kommen. Dabei rät er: „Frauen sollten sich nicht damit zufriedengeben, dass der Mann sich schon irgendwie kümmert.“ Schließlich gehe es im Zweifel um die eigene Existenz. Wie Frauen am besten vorgehen sollten, erklärt der Experte in sieben Schritten.

Georg Plötz ist Altersvorsorge-Experte bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Frauen in der Rentenfalle: Verschaffen Sie sich einen Überblick

In meinen Beratungen frage ich zuallererst, wie viel Geld die Damen eigentlich im Monat ausgeben. Das Erschreckende ist: Viele wissen das gar nicht so genau. Deshalb bitte ich die Verbraucher immer zuerst, ganz ehrlich einen Bogen auszufüllen - wie viel Geld geht jeden Monat von meinem Konto ab?

Frauen in der Rentenfalle: Prüfen Sie Ihre Verträge

Fast jeder hat irgendwann mal etwas abgeschlossen, was bei genauerem Hinsehen unnötig ist oder zu teuer. Zum Beispiel der Handy-Vertrag mit Zweitkarte, die man gar nicht braucht. Oder der alte Strom-Vertrag, der viel mehr kostet als ein neuer. Hier gibt es oft ein gutes Einsparpotenzial.

Frauen in der Rentenfalle: Versichern Sie existenzielle Risiken

Haftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung sind Pflicht. Wenn Sie verheiratet sind, Kinder haben oder Kredite haben, sollten Sie unbedingt eine Risikolebensversicherung abschließen. Für Mütter ist zudem eine Invaliditätsschutzversicherung empfehlenswert. Wenn Ihr Partner verstirbt oder eines Ihrer Kinder einen schweren Unfall hat, sind Sie damit finanziell abgesichert.

Frauen in der Rentenfalle: Bilden Sie Rücklagen

Es ist schnell passiert: Ein Glas Wasser fällt um, Ihr Computer ist hinüber. Jetzt muss Ersatz her. Doch 500 Euro schüttelt man nicht einfach so aus dem Ärmel. Deshalb sollten Sie sich einen Puffer zulegen - zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto. So kommen Sie besser mit unerwarteten Ausgaben klar und entspannter durch den Alltag.

Frauen in der Rentenfalle: Überlegen Sie, wie viel Geld Sie brauchen werden

Der Gedanke, dass Sie schon Jahre vorher wissen sollen, was Sie in der Rente mal monatlich benötigen, mag seltsam sein. Doch es geht: In Punkt 1 haben Sie bereits berechnet, wie hoch Ihr Bedarf im Moment ist. Rechnet man hier die Inflation ein (zum Beispiel auf zinsen-berechnen.de), kriegt man schnell heraus, wie viel man später benötigt. Wenn Sie jetzt dagegenhalten, was Sie einnehmen werden (ebenfalls unter Berücksichtigung der Inflation), ergibt sich wahrscheinlich eine sogenannte Rentenlücke.

Frauen in der Rentenfalle: Schließen Sie die Rentenlücke

Mit einem Sparrechner (ebenfalls auf www.zinsen-berechnen.de) bekommen Sie raus, wie viel Geld Sie im Monat zur Seite legen müssen, um den Fehlbetrag auszugleichen. Wichtig: Auf die Rendite achten! Während es aufs Tagesgeld kaum Zinsen gibt, hat man mit sogenannten Index-Fonds (ETFs) langfristig gute Chancen, die Inflation zu schlagen - und noch etwas zu verdienen. Wenn Sie nicht so risikofreudig sind, können Sie einen Teil Ihres Geldes auch in einen Bank-Sparplan stecken. Damit nehmen Sie der Inflation wenigstens ein bisschen den Schrecken.

Frauen in der Rentenfalle: Vorsicht bei Riester und Co.

Die staatlich geförderte Riester-Rente lohnt sich nur für Frauen mit niedrigem Einkommen und mehreren Kindern oder hohem zu versteuerndem Jahreseinkommen. Betriebliche Altersvorsorge lohnt sich nur, wenn der Arbeitgeber mindestens 50 Prozent der Beiträge beisteuert. Schlimmstenfalls zahlen Sie bei Auszahlung mehr Steuern und Sozialabgaben, als Sie beim Einzahlen gespart haben. Die Rürup-Rente lohnt sich häufig nur kurz vor dem Ruhestand bei hohem Einkommen. Wer unsicher ist, ob bestehende Verträge weitergeführt werden sollen, oder ob Angebote gut sind, kann sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen.

Severin Heidrich

Frauen in der Rentenfalle: Umfrage

Kann sich das Altenheim nicht leisten: „Ich bekomme 917 Euro Rente im Monat. Nach Miete und Strom bleiben 500 Euro zum Leben. Da ich schon immer sparsam gelebt habe, reicht das knapp. Im Urlaub war ich aber schon lange nicht mehr. Sorgen bereitet mir die Zukunft: Ein Platz im Altenheim kostet 2200 Euro pro Monat. Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Betül Peters (84), Rentnerin aus München.

Betül Peters (84), Rentnerin aus München.

Eine Grundrente für alle: „Im Freundeskreis vergleichen wir, wer wie viel Rente bekommen würde. Besonders die, die nur zuhause waren, sind von Altersarmut bedroht. Da müssen die Kinder vieles auffangen. Meine Rente wird vermutlich noch reichen. Für die nächste Generation wird es wohl schwieriger. Eine Grundrente wie in anderen Ländern könnte sicher einiges verbessern“, meint die Europaassistentin Beate Birkenhain (53).

Beate Birkenhain (53), Europaassistentin.

Positiv entspannt bleiben: „Mit dem Thema Rente habe ich mich noch nicht beschäftigt. Ich habe auch keine zusätzliche Rücklagen. Wenn das System den Bach runtergeht, zahlt man am Ende noch umsonst. Ein Stück weit Sicherheit gibt mir, dass ich Mitpartnerin in einer Firma bin. Prinzipiell sehe ich die Zukunft positiv und entspannt, auch wenn das vielleicht ein wenig naiv ist“, schätzt die Innovationsberaterin Isabelle Plambeck (34) ihre Situation ein.

Isabelle Plambeck (34), Innovationsberaterin.

Die Große Koalition ringt seit Monaten um die Grundrente - bringt eine Brandrede von Angela Merkel den Durchbruch? Besonders die deutschen Rentner fürchten um ihr Erspartes - Millionen Bürger sind von der Betriebsrente betroffen. Einer Studie zufolge könnte die „Rente mit 63“ für alle im finanziellen Desaster enden.

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