Ermittlungserfolg der Münchner Polizei

Rentner (80) getötet: Raubmord von 1986 geklärt

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So berichtete die tz damals. 

München - Nach 30 Jahren ist der Raubmord an einem 80 Jahre alten Münchner wohl geklärt: Bei der routinemäßigen Überprüfung von Altfällen in diesem Sommer brachten Fingerabdrücke die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Mörders. 

Kein ungeklärter Münchner Mordfall wird je vergessen – wie dieser Fall beweist: 30 Jahre nach einem höchst brutalen Verbrechen in einer Wohnung in der Auerfeldstraße (Au) an dem homosexuellen Rentner Franz S. (80) hat die Münchner Mordkommission nun den Täter gefunden. Der heute 56-jährige Serbe wurde in Wien gefasst und sitzt bereits in München in U-Haft. Ein Fingerabdruck und sein Blut am Tatort haben ihn nach all den Jahren überführt. Den Mord hat er schon gestanden. Aber er bestreitet, den alten Mann beraubt zu haben. Die Spuren allerdings sprechen eine andere Sprache …

Laut der Schilderung der Polizei trug sich der Fall folgendermaßen zu: 

Am Freitagvormittag, 17. Januar 1986, fand ein Mitbewohner den damals 80 Jahre alten, verwitweten Rentner in seinem Zimmer in einem Mehrfamilienhaus in der Au leblos vor und verständigte Polizei und Rettungsdienst. Blutspuren im Zimmer und Treppenhaus ließen auf ein Gewaltverbrechen schließen, deshalb übernahmen Mordkommission und Spurensicherung vor Ort die Ermittlungen. Wie sich herausstellte, waren Kopfverletzungen durch massive stumpfe Gewaltanwendung die Todesursache.

Die damaligen Ermittlungen ergaben, dass das Opfer homosexuell veranlagt war und deshalb junge Männer mit zu sich nahm. Außerdem konnte ermittelt werden, dass der 80-Jährige am Abend bzw. in der Nacht bevor er tot aufgefunden wurde Besuch von einem jungen Mann hatte, vermutlich stammte dieser aus dem südosteuropäischen Raum. Diesen lernte er offenbar am Nachmittag des Vortags (16.01.1986) am Rosenheimer Platz kennen. Die Identität dieses Mannes konnte damals trotz mehrfacher Zeugenaufrufe, der Veröffentlichung eines Phantombildes und einer Auslobung von damals 5000 Mark nicht geklärt werden. 

Die Altfallermittlung ergab eine heiße Spur

Die zahlreich gesicherten Spuren aber wurden mit deutscher Gründlichkeit archiviert – zum Glück. Seit vier Jahren schon geht die Ermittlungsgruppe Altfälle der Münchner Polizei alle 250 ungeklärten Fälle von vollendetem sowie versuchtem Mord und Totschlag seit 1960 durch und sichert dabei auch DNA und Fingerspuren für den Computer-Abgleich – nicht nur in Deutschland, sondern in allen 19 Ländern des Prümer Vertrages, in dem ein schneller Austausch bei der Verfolgung von Straftaten verabredet wurde. „Ein Erfolgsmodell, das sehr gut funktioniert,“ sagt Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission.

Im Sommer diesen Jahres wurde der Fall im Zuge der sogenannten Altfallermittlungen bei der Mordkommission erneut überarbeitet. Dabei wurden auch die Fingerabdrücke, die damals am Tatort gesichert wurden, beim LKA und bei ähnlichen Datenbanken im benachbarten Ausland, überprüft. Es ergab sich ein Treffer mit Fingerabdrücken, die in Slowenien erfasst worden waren. Sie gehören zu einem Serben, der zur Tatzeit 1986 25 Jahre alt war. 

Tatrelevante DNA-Spuren zugeordnet

Mit diesem Phantombild wurde 1986 nach dem Täter gesucht. 

Die weiteren, aufwendigen Ermittlungen ergaben außerdem, dass der Mann in den Jahren 1985 und 1986 in München war und hier auch der homosexuellen Prostitution nachging. Im Oktober dieses Jahres wurde dann festgestellt, dass sich der Tatverdächtige, trotz dortigem Einreise- und Aufenthaltsverbot, wohl in Österreich aufhält. Wegen des dringenden Tatverdachts erging ein europäischer Haftbefehl wegen Mordes. Zugleich war der Tatverdächtige bereits wegen eines ausländerrechtlichen Verstoßes in Wien festgenommen worden.

Im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens reisten Beamte der Münchner Mordkommission nach Wien und vernahmen den Tatverdächtigen im Beisein österreichischer Kollegen zum Mordvorwurf. Der heute 56-jährige Tatverdächtige räumte in seiner Vernehmung die Gewaltanwendung ein und stimmte einer Auslieferung zu. Die wurde bereits vollzogen. 

Mittlerweile wurden dem Mann auch eine ganze Reihe von tatrelevanten DNA-Spuren, die am Tatort gesichert worden waren, zugeordnet. Gleiches gilt auch für eine Mehrzahl von sogenannten daktyloskpischen Tatortspuren. Die Ermittlungen dauern an. 

mm/tz

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