Rentner Albert springt aus diesem Fenster!

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Mutig: Aus diesem Fenster sprang Albert M. (82) vier Meter in die Tiefe– er leidet immer noch an Rückenschmerzen

München - Ein stämmiger Mann mit blutverschmierten Händen kam seine Treppe hoch, bedrohte ihn mit einem Hammer und wollte ihn ausrauben. Dann sprang Rentner Albert M. (82) aus dem Fenster.

Einbrecher Janis Z. kam durch die Terrassentür. Er hinterließ eine spur der Verwüstung: Eingeschlagene Glasscheibe, zerstörter Computer.

"Es hat geknallt wie bei einer Explosion." Albert M. (82) schreckt am frühen Morgen des 14. Juni 2011 aus dem Bett in seinem Haus (Neuaubing) hoch. „Ich dachte erst, das sind die Handwerker – und ich habe einen Termin vergessen.“ Doch dann kommt ein stämmiger Mann mit blutverschmierten Händen die Treppe hoch. Das war kein Handwerker, das war ein Einbrecher! Drohend hebt der Lette ­Janis Z. (41) einen Hammer. Als Zeuge vor Gericht schilderte Albert M. am Montag die schrecklichsten Minuten seines Lebens.
„Er hat auf den Kleiderschrank gedeutet“, erzählt der Münchner. Dort lagen 8000 Euro Bargeld, die er für einen Möbelkauf bereitgelegt hatte. Doch das Kuvert sah der Täter nicht, lediglich eine ­Lederkassette. „Da war nur ein alter Rasierer drin.“
Das muss den Täter gewaltig gewurmt haben. „Er ist wütend durchs Haus gerannt“, berichtet der Rentner. „Ich habe gehört, wie überall meine Sachen zertrümmert wurden.“ Unter anderem warf der Täter seinen Computer samt Bildschirm aus dem Fenster.
Dann kam der Verbrecher ins Schlafzimmer zurück, schwang drohend den Hammer. Albert M. stellte sich ihm mutig entgegen. „Gott sei Dank hatte ich eine Wasserflasche in der Hand“, so der Zeuge. „Damit habe ich auch ausgeholt.“ Diese Drohung erschreckte den Täter, er wich zurück. Albert M.: „Ich habe dann die Tür zugehalten.“

Einbrecher Janis Z.

In diesem Moment habe er nur noch einen Gedanken gehabt: „Ich muss raus.“ Er sieht nur einen Fluchtweg – das Fenster. Erst versucht er, sich an einem Bettlaken abzuseilen. Doch das klappt in der Eile nicht – das rettende Laken fällt in die Tiefe. „Ich bin dann auf die Terrasse gesprungen.“ Vier Meter tief!
Als Antennenbauer kletterte Albert M. jahrzehntelang auf Dächern umher – doch einen solchen Sprung hat er noch nie wagen müssen. „Ich dachte: Immer noch besser, als hätte er mich mit seinem Hammer erschlagen.“ Der 82-Jährige landete auf den Füßen, spürte einen stechenden Schmerz im Kreuz. Trotz der Schmerzen flüchtete er zu Nachbarn und alarmierte die Polizei. Janis Z. konnte noch im Hausflur festgenommen werden.

Bei Albert M. stellten die Ärzte zwei gebrochene Wirbel fest, die mit Metallplatten fixiert werden mussten. Das Gehen bereitet ihm seither große Schwierigkeiten.

Der Angeklagte, ein Autohändler, behauptet vor Gericht, sich an nichts erinnern zu können. Er sei schwer alkoholkrank. Was er in München wollte? Er habe ein Auto abholen und nach Riga bringen sollen. Als Richter Thomas Denz ihm die Tatwerkzeuge zeigt, schüttelt der Angeklagte den Kopf: keine Erinnerung. Das Urteil soll heute verkündet werden.

Ein schwacher Trost für Albert M., der noch sehr unter der Verletzung leidet: „Ich habe früher viel Sport gemacht, bin Ski gefahren, war oft beim Bergsteigen. Jetzt gehe ich wie ein Tattergreis.“ Dennoch ist er optimistisch: „Im März kommen die Platten wieder heraus, ich hoffe, dass es dann wieder besser geht.“

Die zertrümmerten Möbel, die eingeschlagene Terrassentür, der zerstörte Computer – wer bezahlt das? „Den Schaden habe ich alleine tragen müssen, auch die Zuzahlung fürs Krankenhaus. Die 8000 Euro sind weg.“ Albert M. glaubt auch nicht, dass er vom Angeklagten etwas bekommt: „Der hat kein Geld.“

E. Unfried / C. Lewinsky

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