"Es tut mir unendlich leid!"

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Anna U. und ihr Hund Bruno

München - Eine Medizinerin (37) hat ihren Cocker Spaniel Bruno im Sommer eine Dreiviertelstunde lang im Auto schmoren lassen. Obwohl es ihr "unendlich leid" tut, muss sie kräftig Strafe zahlen.

Ihren Bruno mag Anna U. über alles. Und der einjährige Cocker Spaniel mag auch sein Frauchen sehr, wie er am Mittwoch gewissermaßen als Zeuge demonstrierte. Was das Gericht nicht davon abhielt, die 37-jährige Medizinerin wegen Tierquälerei zu verurteilen. Denn was sie am 21. Juli 2010 ihrem Liebling zumutete, hätte das Tier das Leben kosten können.

An jenem brütend heißen Sommertag hatte Anna U. einen Behördengang in Schwabing zu erledigen. „Ich wollte nur ein Formular abholen“, sagt sie. Ihren schwarzen BMW-Kombi parkte sie in der Schellingstraße. Die Klimaanlage habe sie zuvor volles Rohr laufen lassen: „Das Auto war gut abgekühlt.“

Angeleint auf der Ladefläche ließ sie den Hund zurück. Doch der Behördengang habe länger gedauert als erwartet. „Da war eine lange Schlange“, so die Angeklagte. Eine Dreiviertelstunde hat sie angestanden. In dem schwarzen Auto wurde es unterdessen heißer und heißer. Bruno, der nichts zu trinken hatte, winselte. Verzweifelt versuchte er, sich von der Leine loszureißen. Dabei strangulierte sich der junge Rüde beinahe.

Gäste eines nahen Straßencafés wurden auf die Not des Hundes aufmerksam. Da sie dem eingeschlossenen Tier selbst nicht helfen konnten, alarmierten sie die Polizei. Die Beamten schlugen das Seitenfenster ein, um den Hund zu befreien. In diesem Moment kam die Besitzerin. Gäste des Lokals kühlten das Tier, das schon kollabiert war, langsam ab und gaben ihm zu trinken.

Die Hundebesitzerin erhielt dafür einen Strafbefehl über 5000 Euro – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Dagegen legte sie Einspruch ein. Vor Gericht erschien die Angeklagte am Mittwoch mit Hund. Richterin Ulrike Hahn hatte das so angeordnet. Sie wollte Bruno sehen, gewissermaßen als Zeugen. Bruno zeigte sich von seiner besten Seite. „Es tut mir unendlich leid“, entschuldigte sich Anna U. „Ich habe nicht gedacht, dass es im Auto so schnell heiß wird.“

Da es Bruno nun gut geht, blieb die Richterin unter der Forderung der Staatsanwältin: Sie reduzierte die Geldstrafe auf 1400 Euro.

Eberhard Unfried

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