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Rentner falsch besteuert: Tausende Münchner betroffen

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Für gut eine Million Rentner in Deutschland ein Schock: Sie müssen nachzahlen. © dpa

München - Fast jeder vierte Rentner hat nach der Verschärfung des Steuerrechts schwere Fehler bei der Steuererklärung gemacht. Lesen Sie hier, wer was rauskriegt und wer nachzahlen muss.

Rund 240 000 Rentner leben in München, 20 Millionen sind es bundesweit. Tausende von ihnen mussten wegen des verschärften Steuerrechts jetzt erstmals eine Steuererklärung abgeben. Nun zeigt eine Stichproben-Analyse: Fast jeder vierte Rentner hat bei den Angaben schwere Fehler gemacht! Die gute Nachricht dabei: Rund eine Millionen Betroffene bekommen Geld zurück. Die schlechte: Fast genauso viele Rentner müssen nachzahlen!

Die Analyse geht aus einem Papier von Spitzenbeamten aus den Finanzbehörden aller Länder hervor. Die Experten sind sich einig: Schuld an der hohen Fehlerquote ist das seit 2005 geänderte Recht (vor diesem Jahr wurden nur hohe Renten besteuert) – viele Menschen waren schlicht überfordert. Die tz klärt alle wichtigen Fragen zum Thema und verrät, wer etwas zurückbekommt und wer nachzahlen muss:

Wer muss eigentlich nach der Rechtsänderung als Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Alle alleinstehenden Rentner müssen dies tun, wenn ihre Gesamteinkünfte über 7834 Euro pro Jahr liegen. Bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 15 668 Euro. Dies gilt seit 2005.

Wer muss nun etwas nachzahlen und wegen welcher Fehler?

Am häufigsten – das zeigt die Analyse Tausender Steuererklärungen – haben Rentner bei ihrer Erklärung ihre Betriebsrente (diese ist in Zeile 33 der Anlage R der Steuererklärung zu finden) nicht angegeben. Das wird natürlich schnell entdeckt: Denn seit Oktober müssen alle gesetzlichen und privaten Rentenversicherungen den Finanzämtern melden, an wen sie wie viel gezahlt haben. Aber auch andere Einkünfte wie beispielsweise Mieten, Zinsen oder Privatrenten (siehe dazu den Punkt „Sonstiges“ in Zeile 56 der Erklärung) wurden häufig nicht in den Erklärungsbescheid eingetragen.

Muss ich eigentlich die Netto- oder die Bruttorente angeben?

Natürlich immer die Bruttorente – und zwar in Zeile 3 der Erklärung! Auch hier haben viele Senioren einen Fehler gemacht und die Nettosumme angegeben. Der Grund: Sie gaben einfach den Geldbetrag an, den sie monatlich überwiesen bekommen. Somit wurden sie viel zu niedrig besteuert.

Wie viel müssen die Betroffenen denn nachzahlen?

Das hängt natürlich immer vom individuellen Fall ab. Die Stichproben zeigen aber, dass es sich im Schnitt um rund 150 Euro handelt.

Welche Rentner bekommen denn etwas zurückgezahlt – und welche Fehler haben sie gemacht?

Viele Rentner haben beispielsweise ihre Kranken- und Pflegekassenbeiträge nicht angegeben, die als Sonderabgaben unter diesem Punkt abzugsfähig sind. Heißt: Sie haben zu viel Steuern gezahlt und bekommen die Differenz raus. Auch ein häufiger Fehler: Manche schrieben ins Feld für Betriebsrenten ihre gesetzliche Rente – und wurden dadurch teilweise mit dem doppelten Satz besteuert.

Und wie viel Geld gibt es zurück?

Natürlich hängt auch dies vom individuellen Fall ab. Die Stichproben zeigen aber, dass im Schnitt rund 250 Euro zurückgezahlt werden.

Wann kann ich mit einer Rückzahlung oder eben dem Nachzahlungsbescheid rechnen?

Die Finanzämter wollen dies alles Anfang des Jahres 2010 verschicken. Heuer passiert also nichts mehr. Und dazu kommt: Diese „Fehlerbearbeitungen“ müssen die Finanzämter alle neben der normalen Arbeit machen. Die Folge: Es wird zu Überlastungen kommen, einiges wird eine Weile liegen bleiben.

Wie viele Jahre gehen denn diese Bescheide zurück?

Wer zu viel gezahlt hat, für den gilt: Bis zu fünf ­Jahre können rückerstattet werden.

Was ist, wenn ich meine Steuererklärung noch gar nicht erledigt habe?

Dann wird es höchste Zeit. Aber Sie sind nicht allein: Gut jeder fünfte Rentner, der eine Erklärung hätte abgeben müssen, hat dies noch nicht getan. Wegen der zusätzlichen Arbeit wollen viele Ämter an diese Fälle erst 2011 rangehen.

age

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