Neue Wohnung für Rentner

Danke! Ich muss nicht in den Container

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Links: In diesem Container auf der Baustelle hätte Christl wohnen sollen. Rechts: Vor zwei Wochen wendete sich der verzweifelte Rentner an die tz.

München - Aufgrund einer verhängnisvollen Vereinbarung hätte Rentner Jürgen Christl nach 46 Jahren aus seiner Wohnung in einen Container ziehen sollen. Nach einem tz-Bericht hat er nun eine neue Wohnung gefunden - und das ist längst nicht alles.

Jürgen Christl verpflichtete sich schriftlich, eineinhalb Jahre lang in einen Wohncontainer zu ziehen – was der kranke Senior bitter bereute. Er schaltete die tz ein. Mit Erfolg.

Noch vor zwei Wochen sah Jürgen Christl (73) für seine Zukunft schwarz. Er hatte eine verhängnisvolle Vereinbarung unterschrieben: Das Haus in Trudering, in dem er 46 Jahre in einer Souterrainwohnung gelebt hatte, war im Frühjahr dieses Jahres verkauft worden. Der neue Eigentümer – ein Münchner Bauträger – will es noch heuer abreißen, Christl soll so schnell wie möglich ausziehen. Der Senior, der wegen Herzproblemen und einer Lungenentzündung im Sommer schwer krank geworden war, hätte für die Bauzeit von eineinhalb Jahren in einen 12-Quadratmeter-Container direkt am Rand der Baustelle ziehen sollen (tz berichtete). Verzweifelt wendete sich Jürgen Christl an die tz: „Den Umzug in den Container würde ich nicht überleben!“

Neue Wohnung und 20.000 Euro Abfindung

Jetzt wird alles gut. Denn nach unserem Bericht fand Christl mit Hilfe von Freunden eine Sozialwohnung in Perlach, 40 Quadratmeter groß und mit einem kleinen Garten. „Ein Traum“, freut sich Christl. Viel Rente bekommt er nicht. Umso dankbarer ist er auch seinem Rechtsanwalt Thomas Hubing, der für ihn eine Abfindung über 20.000 Euro herausgehandelt hat. „Jetzt kann ich in der neuen Wohnung wieder neu anfangen, ohne weit weg ziehen zu müssen, ich habe hier in Trudering meine Ärzte und meine Bekannten, ich kann hier nicht weg!“

Schon zum 1. Januar kann Christl umziehen

Schon zum 1. Januar kann er in die neue Wohnung ziehen – derweil lagern Freunde seine Möbel ein. Der Bauträger erklärte sich bereit, dies bis zum Jahresende zu dulden – wenn Christl 100 Euro zahlt.

Rückblick: Jürgen Christl hatte sich durch seine Unterschrift unter eine Vereinbarung mit seinem alten Vermieter und dem Bauträger verpflichtet, in den Container auf der Baustelle zu ziehen. Der Bauträger empfindet sich in dieser Vereinbarung als großzügig, da er sich verpflichtet hatte, Jürgen Christl in einem der Neubauten auf dem Grundstück mit insgesamt 15 Wohnungen wieder eine Souterrainwohnung zum gleichen Mietpreis wie zuvor (400 Euro kalt) zur Verfügung zu stellen.

"Diese viele Anteilnahme gibt mir viel Kraft für meinen Neuanfang"

Christl aber bereute seine Unterschrift schwer. Denn nach der Vereinbarung hätte er bis vor zwei Wochen in den Container ziehen sollen. Und das, obwohl er gesundheitlich zu einem Umzug gar nicht in der Lage war und zudem bis Weihnachten zur Kur sollte. Viel besser wäre Christl dagestanden, wenn die Kündigung gültig gewesen wäre, die ihm der Vermieter einen Tag vor der verhängnisvollen Vereinbarung zugestellt hatte. Denn wegen der langen Mietzeit gilt eine Kündigungsfrist von neun Monaten, Christl hätte also erst Ende Juni 2014 ausziehen müssen und genug Zeit gehabt, sich eine neue Bleibe zu suchen.

Auch Anja Franz vom Mieterverein ist sehr erleichtert über den Ausgang der Geschichte. „Am Beispiel Jürgen Christl sieht man sehr deutlich, wie viele Probleme man sich machen kann, wenn man schnell etwas unterschreibt, um seine Ruhe zu haben!“ Besonders dann, wenn der Vermieter mit Anwalt einen Mieter drängt, etwas sofort zu unterzeichnen, sollte man misstrauisch werden und sich unbedingt vor der Unterschrift selbst Rechtsrat einholen, rät Franz.

Die Geschichte von Jürgen Christl bewegte auch tz-Leser Heinz Erber aus dem Schlachthofviertel zutiefst. Der hatte dank der tz eine Spende von 500 Euro erhalten wegen seiner Probleme mit der Führerscheinstelle. 100 Euro von der Spende gab er sofort wieder an die tz-Reporterin Susanne Sasse zurück, damit sie diese an Jürgen Christl weiterreicht, wenn der aus der Kur kommt. „Diese viele Anteilnahme gibt mir viel Kraft für meinen Neuanfang“, freut sich Christl: „Danke, tz!“

Susanne Sasse

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