Rentner (75) stirbt nach Streit mit Radler (53)

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Die Engstelle an Albert-Roßhaupter-Straße in Sendling: Hier kam der 75-Jährige zu Fall

München - Der 75-Jährige, der am vergangenen Dienstag im Streit mit einem Radfahrer gestürzt war, ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Jetzt wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.

Nachbarsbub Bourak kennt die gefährliche Unfallstelle

Rasch laufen die Nachbarn vorbei an der roten Markierung auf dem Bordstein vorm Haus Albert-Roßhaupter-Straße 80 (Sendling). Nicht so genau hinschauen. Zu schrecklich ist die Erinnerung. An diesem roten Strich endete auf gewaltsame Weise das Leben eines Anwohners, den viele hier geschätzt haben. Weil sich Fritz Ebel (75) nämlich stets für andere engagierte, der gute Geist des ganzen Hauses Nummer 74 war. Auch wenn er vielleicht manchmal den ein oder anderen recht streng zur Ordnung rief. Aber er meinte es doch nur gut. Genau dieser Sinn für Ordnung hat den Sendlinger Familienvater nun das Leben gekostet. Fritz Ebel nämlich ist der Mann, der am Dienstag vor seiner Haustür einen Radfahrer (53) zur Ordnung rief. Es kam zu einem Streit, dann zum Gerangel. Dabei wurde Fritz Ebel geschubst. Er stürzte rückwärts gegen einen Lkw und dann aufs Pflaster. Er schlug hart mit dem Kopf auf und verlor sofort das Bewusstsein…

Rückblende: Am Dienstag gegen 20 Uhr war Fritz Ebel mit Ehefrau Silvia (79) auf dem Weg ins Wirtshaus. Die beiden sind fest verwurzelt in Sendling, haben hier ihre drei Söhne aufgezogen, treffen sich oft mit anderen Senioren. Der Weg zum Wirtshaus führt an der großen Baustelle am Partnachplatz vorbei. Der Bürgersteig ist dort extrem schmal, führt unter Containern hindurch. Die ständigen Konfrontationen mit Radfahrern sind Fritz Ebels tägliches Ärgernis. „Radfahrer bitte absteigen“ steht auf dem Schild. Nur: Es hält sich kaum einer dran. Das bestätigen auch Nachbarin Tülay Dursunoglu und ihr Sohn Bourak (17): „Das ist eine sehr gefährliche Stelle. Da ist es so eng, da müssen oft die Fußgänger wegen der Radfahrer warten.“

Und tatsächlich kommt auch an diesem Abend wieder so ein Rüpel daher: Sportkleidung, flottes Fahrrad, leichte Alkoholfahne. Ebel platzt der Kragen. Nachbarin Dursunoglu (35) weiß Details: „Ich habe gehört, Herr Ebel soll sich mit ausgestrecktem Arm in die Durchfahrt gestellt haben. Er wollte den Radfahrer aufhalten.“ Der 53-Jährige Arbeitslose aber fühlt sich scheinbar angegriffen. Er steigt ab. Es kommt zum heftigen verbalen Streit: „Das gehört sich nicht!“, hören die Nachbarn Fritz Ebel noch schimpfen. Auch Tülay Dursunoglu, die gerade auf ihrem Balkon ist, hört ihn schreien: „Aber plötzlich war es still.“ Sie sieht Fritz Ebel auf dem Boden liegen. Er ist bereits bewusstlos. Neben ihm kniet Ehefrau Silvia, streichelt hilflos sein Gesicht, spricht mit ihm. Blut sickert aus der Wunde an seinem Kopf.

Die Türkin eilt sofort zu Hilfe, wirft dem Radfahrer, der ebenfalls Erste Hilfe leistet, einen bitterbösen Blick zu. Der reagiert heftig: „Sie brauchen mich gar nicht so anschauen,“ faucht er. „Der hat mit der Faust nach mir geschlagen!“

Die Polizei nimmt den bis dato völlig unbescholtenen Radfahrer mit zur Vernehmung, lässt ihn danach wieder frei. Gegen ihn ermittelt die Mordkommission – zunächst nur wegen Körperverletzung. Seit Freitag jedoch wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Fritz Ebel nämlich ist in der Nacht seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Er hat das Bewusstsein nicht mehr zurückerlangt. Seine Söhne und seine Frau leiden furchtbar an dem Verlust.

Polizei sucht zwei Zeugen

Die Polizei (Telefon 089/291 00) sucht noch zwei wichtige Zeugen, die sich bislang nicht gemeldet haben. Es handelt sich um einen Radfahrer, der direkt nach dem Sturz Fritz Ebels zum Tatort kam und ihm zusammen mit dem 53-Jährigen Erste Hilfe leistete. Eine weitere wichtige Zeugin wäre eine Radfahrerin, die dem 75-Jährigen kurz vor dem Vorfall auf Höhe der Baustelle entgegenkam. Auch sie wurde möglicherweise von Fritz Ebel zur Ordnung gerufen

Von Dorita Plange und Dana Weschke

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