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Der schrägste Rentenbescheid Bayerns: Gebürtige Münchnerin bekommt einen Cent mehr - „Wahnsinn“

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Von: Christina Meyer

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Das Ehepaar Ellen und Marco Hertle mit dem Rentenbescheid
Das Ehepaar Ellen und Marco Hertle mit dem Rentenbescheid. © Stephan Fricke/News5

Kein Witz: Ellen Hertle (70) bekam einen neuen Rentenbescheid, weil sich ihre Riester-Rente ab November um genau einen Cent erhöht. Sie weiß schon, was sie mit dem zusätzlichen Geld machen will.

München - Eine neue Waschmaschine? Oder doch lieber mal ein Restaurantbesuch mit Ehemann Marco (63)? Nein, Rentnerin Ellen Hertle (70) hat Größeres vor. „Ich spare das Geld natürlich “, stellt sie augenzwinkernd klar. Die gebürtige Münchnerin* hat den wohl schrägsten Rentenbescheid Bayerns erhalten. Ab November wird ihre Riester-Rente erhöht - um 1 Cent pro Monat!

Am Donnerstag flatterte das Schreiben ins Haus. Wie jeden Morgen öffnete ihr Mann Marco die Post. „Er hat schon so komisch gegrinst, als er mir den Brief gegeben hat“, erzählt Ellen Hertle. Und schließlich musste auch sie losprusten, als sie die Zeile auf dem Bescheid der Debeka zu ihrer Riester-Rentenversicherung entdeckte: Ab 1. November bekommt sie statt 31,83 Euro - Achtung, festhalten - monatlich 31,84 Euro ausgezahlt! Macht genau 0,01 Euro mehr.

Neuer Rentenbescheid bringt einen Cent mehr: „Da kostet das Papier mehr, auf dem es steht“

„Für den Zeitraum vom 01.11.2020 bis zum 31.10.2021 haben wir Kosten in Höhe von 7,64 Euro einbehalten, die wir bei der Berechnung des Wertes lhres Vertrages bereits berücksichtigt haben“, heißt es weiter in dem Schreiben. Den Brief hätte man sich sparen können, findet das Paar. „Das ist doch der Wahnsinn, da kosten ja Papier, Kuvert und Versand mehr“, sagt die ehemalige Krankenschwester, die jahrelang am Harlachinger* Krankenhaus als Stationsleitung arbeitete und seit 2012 in Rente ist.

Versicherungsexperte Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt: „Bei Rentenversicherungen ist ein Teil der Rente von der Höhe her garantiert, ein weiterer Teil der Rentenhöhe von der aktuellen Überschussbeteiligung der Versicherungsgesellschaft abhängig. In Jahren mit niedriger Überschussbeteiligung kann es passieren, dass die Rente wie hier nur geringfügig oder gar nicht angepasst wird.“

Neuer Rentenbescheid bringt einen Cent mehr: Debeka erklärt Mitteilung über minimale Erhöhung

Von der Debeka selbst heißt es, man verstehe zwar, dass der Eindruck entstehe, dass eine Mitteilung über die Erhöhung in diesem Rahmen keinen Sinn ergebe. „Hierbei bitten wir jedoch zu berücksichtigen, dass wir die Überschüsse an unsere Mitglieder weitergeben müssen - auch wenn es sich wie im vorliegenden Fall nur um einen Cent handelt.“ Zudem gebe das Versicherungsvertragsgesetz vor, die Mitglieder jährlich über die Entwicklung der Überschussbeteiligung zu informieren.   

Ellen Hertle lebt mittlerweile mit ihrem Mann, einem gebürtigen Franken, in Eckersdorf bei Bayreuth. Marco Hertle war Beamter beim Freistaat, ist mittlerweile ebenfalls in Pension. Das Paar ist witzige Bescheide schon gewöhnt. „Ich hab mal eine Beihilfe für eine Brille vom Freistaat beantragt“, sagt Marco Hertle: „Da kam zurück: Man werde die Kosten übernehmen - bei Erblindung beider Augen. Da mussten wir auch schon lachen!“

Immerhin haben sie nun wieder eine lustige Geschichte zu erzählen. Der 63-Jährige merkt an: „Ich würde Ellen eigentlich wirklich raten, das zusätzliche Geld gut anzulegen. Aber das lohnt sich ja auch nicht - selbst Zinsen kriegt man heutzutage keine mehr.“ (Christina Meyer) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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