Ihr Unfall zeigte der 79-jährigen Elfriede G., wer wirklich Herz hat

Rentnerin stürzte – und (fast) alle schauten weg!

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Nach ihrem Sturz halfen Obdachlose der 79-jährigen Elfriede G.

München - Einen Tag nach ihrem Sturz kommt Elfriede G. (79) wieder an den Hauptbahnhof. Sie hat immer noch Schmerzen am Ellbogen.

Die Rentnerin sucht nach den Menschen, bei denen sie sich bedanken will. Bei Menschen, die ihr geholfen hatten und an denen andere vorbeigehen. Für Elfriede G. sind diese Menschen Helden. „Sie haben mir geholfen, als ich auf der Straße lag.“

Es passierte an einem Montag um kurz nach halb elf. Elfriede G. steigt am Hauptbahnhof aus der 16er Tram. Mit zwei Tüten in der Hand läuft die 79-Jährige zum Haupteingang, sie will eine Fahrkarte in den Bayerischen Wald kaufen. Plötzlich stolpert sie über eine kleine Kante und stürzt.Niemand kümmert sich um Elfriede G. Die Taxifahrer ratschen, rauchen weiter. Die Fahrgäste vom 58er Bus laufen an ihr vorbei. „Hab keine Zeit, muss zu einem Termin“, sagt eine Dame und geht weiter.

Dann kommen Uwe und Stephan. Sie sind zwei jener Menschen, die den Tag an der Trambahnhaltestelle verbringen. Sie helfen der Rentnerin auf, bringen sie zu einer Sitzbank. „Was ist passiert. Haben Sie Diabetes?“, fragt Stephan. Er weiß, Zuckerkranke können das Gleichgewicht verlieren.

Elfriede G. hat kein Diabetes, sie ist „nur“ gestürzt, auf den linken Arm. Stephan und Uwe holen ihr vom Automaten eine Flasche Wasser, Geld wollen sie nicht. „Sie haben sicher nur eine kleine Rente“, sagen sie.

Wenige Minuten später führt Stephan Elfriede G. über die Straße zum Hauptbahnhof. Dort kauft sie sich die Fahrkarte in den Bayerischen Wald. Wieder zu Hause, am Romanplatz, schmerzt der linke Arm. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder punktiert ein Arzt das Gelenk und legt ihr eine Schiene an. Der Ellbogen hat einen kleinen Riss. „Vielleicht komm ich um eine Operation herum“, hofft Elfriede G.

Die Helfer vom Hauptbahnhof gehen der Rentnerin nicht aus dem Kopf. „Sie haben mir geholfen. Das sind gute Menschen. Sie haben es nicht verdient, dass man sie schief anschaut. Sie haben alle ihr Schicksal.“

Dann steigt Elfriede G. in die Tram und fährt wieder zum Hauptbahnhof. Stephan und seine Kumpels von der Straße erkennt sie sofort. Sie sind überrascht, dass die ehemalige Sekretärin sich bei ihnen bedanken will. „Es ist doch normal, dass man hilft“, sagt Stephan. Dann nimmt er Elfriede G. in den Arm. Vorsichtig, damit er ihren verletzten Ellbogen nicht berührt.

Jacob Mell

Quelle: tz

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