Aufstand der Tierschützer

Der Reptilienstation droht die Insolvenz

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Tier und Schützer: Rasem Baban (v. l.), Thomas Schröder, Frank Weber, Sandra Giltner, Lorenz Haut und Markus Baur mit illegal eingeführten Pantherschildkröten.

München - Gibt es bald keine Auffangstation mehr für herrenlose Reptilien? Dagegen wollen nun Tierschützer vorgehen. Sie planen eine Rettung der Einrichtung in der Kaulbachstraße.

Der neue Netzpython haust seit einer Woche in der Damentoilette. Er ist 5,20 Meter lang und 47 Kilo schwer – um ihn zu baden, müssen sechs Tierpfleger anpacken. Man kann es vorsichtig ausdrücken: Die Situation in der Reptilienauffangstation (Kaulbachstraße, Maxvorstadt) ist angespannt.

Oder man lässt Stations-Leiter Markus Baur sprechen: „Die Politik hat uns verraten und verkauft!“ Ihm fehlen 200 000 Euro für den geplanten (und dringend nötigen!) Neubau. Laut Baur hatte das Umweltministerium das Geld bereits zugesagt, dann aber wieder zurückgezogen. 2016 droht die Insolvenz. Stations-Sprecher Patrick Boncourt: „Wir sind kein Mickey-Maus-Verein, der einen Zwergenaufstand probt!“

Da sind sich die Tierschützer einig: Die Münchner Auffangstation ist einzigartig in Deutschland. Hier werden Exoten und giftige Tiere aufgenommen und gepflegt, die sonst niemand halten will – oder kann. Die Tiere kommen nicht nur aus München, sie kommen aus Baden-Württemberg, Hessen oder Belgien. Die Front, die sich da jetzt aufbaut, ist breit – und hochkarätig besetzt. Da sind etwa Tierpark-Direktor Rasem Baban und der Chef des Bundesverbandes für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz, Lorenz Haut. Sandra Giltner, Chefin des Münchner Tierheims, setzt sich für die Auffangstation ein, auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, oder Moderator (und Tierschützer) Frank Weber. Ihre Botschaft: Ohne Auffangstation geht es nicht!

Könnten man die gut 1400 Tiere nicht einfach auf Tierheime und Zoos verteilen? Hellabrunn-Chef Baban: „Wir können auf die Zusammenarbeit nicht verzichten.“ Oft würden Reptilien und andere Exoten einfach im Zoo ausgesetzt. Einzige Möglichkeit, die Tiere unterzubringen: die Auffangstation. „Nur hier gibt es die nötigen Experten“, sagt Baban. Tierheim-Chefin Sandra Giltner wird Angst und Bange, wenn sie an das mögliche Ende der Station denkt: „Ich kann die Tiere nicht nehmen.“ Auch ihr fehlt es an Fachpersonal, Platz und Geld. Eine Schließung der Station wäre für sie „absoluter Wahnsinn“.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes kritisiert die bayerische Regierung. „Da fehlt kein Geld, da fehlt der Wille!“, schimpft Thomas Schäfer. „Ich dachte bisher, ein bayerisches Wort gilt – sogar mehr noch als anderswo. Offenbar ist dem nicht so.“ 200 000 Euro: Diese Summe muss die Station so schnell wie möglich aufbringen. Schäfers Bund würde 50 000 zuschießen – „aber nur, wenn die Regierung den Rest zahlt!“

Zoo: nein, Tierheim: nein – wo sollen die Tiere dann hin, wenn die Station dicht ist? Glaubt man Schröder und Baur, wird in Politik-Kreisen eine dritte Möglichkeit diskutiert: Die Tiere entweder einzuschläfern – oder verhungern zu lassen … 

Und noch ein kurioser Fall

Als es Samstagnacht im Kaminabzug einer Frau aus Solln polterte, suchte die Dame nicht lange nach einem weißbärtigen Mann im Schacht, sondern versuchte ihren Schornsteinfeger zu erreichen. Vergeblich. Deshalb rief sie die Tierrettung. Noch während Tierarzt Mathias Beyer auf dem Weg war, untersuchte die Frau ihren Kamin selbst. Sie fand einen völlig verrußten Waldkauz, den sie sofort aus seiner misslichen Lage befreite. Der arme Kerl war geschwächt und unterkühlt. Als der Tierarzt in dem Sollner Reihenhaus eintraf, wärmte die Frau die Eule mit einer Decke und ihrem Körper. So geschwächt war der arme Kerl, dass er sich gar nicht wehrte. Der Tierarzt nahm ihn mit, gab ihm eine Infusion und Schmerzmittel. Der Kauz ist noch zur Beobachtung und Versorgung noch in der Vogelklinik. 

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