300 Retter simulieren Flugzeugabsturz

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Spektakuläre Szenen spielten sich bei der Großübung ab. Die Flughafenfeuerwehr wurde den meterhohen Flammen rasch Herr.

Flughafen - Es ist das schlimmste Szenario, was man sich am Flughafen München vorstellen kann: Eine Maschine stürzt beim Anflug ab. Das wurde bei einer Großübung Samstagnacht nachgespielt.

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Es ist Samstag, 0.15 Uhr. Ein Flugzeug auf dem Weg von Antalya nach Amsterdam hat Probleme. Der Pilot meldet sich am Moos-Airport. Er will notlanden. Doch das misslingt: Während des Anflugs verliert die Maschine, die noch dazu radioaktive Fracht an Bord hat, Teile, die über der Region niedergehen. Beim Landen stürzt die Maschine auf die Südbahn. 50 Passagiere sowie viele Menschen am Flughafen selbst werden getötet oder schwer verletzt. Einige rennen in Panik davon. Suchmannschaften müssen auch die Nachbargemeinden absuchen. Flammen schlagen meterhoch aus dem Wrack, eine schwarze, stinkende Rauchsäule steigt in den Nachthimmel über dem Erdinger Moos.

Großübung am Flughafen München

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Es waren spektakuläre Bilder, die Samstagnacht zu sehen waren. Geprobt wurde aus der Südbahn deswegen nach Mitternacht, um den Flugbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Die Nordbahn blieb offen, um für echte Notfälle gewappnet zu sein.

Bereits zwei Minuten nach dem Aufschlag ist die Flughafen-Feuerwehr vor Ort. Mit ihren monströsen Löschfahrzeugen versuchen sie, die Feuersbrunst in den Griff zu kriegen. In der Tat, nach wenigen Minuten sind die Flammen unter Kontrolle.

Ein Großaufgebot an Rettern war an der Simulation in der Nacht auf Samstag beteiligt. Der Erdinger Kreisbrandrat Willi Vogl (links) übernahm die örtliche Einsatzleitung.

Jetzt schlägt die Stunde der Freiwilligen Feuerwehren, des Bayerischen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes und anderer Rettungsorganisationen aus dem gesamten Airport-Umland. Über 300 Retter werden bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz sein. Alarmiert wurden sie von der Integrierten Leitstelle Erding.

Vor dem Haupttor am Besucherpark bildet sich eine lange Schlange an Einsatzfahrzeugen. Lotsen bringen sie zum Sammelplatz auf einem der Vorfelder. Dort warten die Ehrenamtlichen, bis die Örtliche Einsatzleitung sie je nach Bedarf in die Nähe der Unglücksstelle lotst.

Es ist ein imposantes Bild, wie nach und nach die Glieder der Rettungskette ineinander greifen. Die ersten Retter dringen zu dem qualmenden Wrack vor, tragen schreiende Menschen aus der Gefahrenzone, beruhigen Passagiere, die sichtbar unter Schock stehen. Malteser Hilfsdienst und Rotes Kreuz bauen Zelte auf, in denen die Verletzten erstversorgt werden, ehe sie von einem der zahlreichen Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser transportiert werden. Ein Teil der Runway wird zum Hubschrauber-Landeplatz.

Das BRK kümmerte sich um die Vielzahl an Verletzten.

Robert Wilhelm, Sprecher der Flughafen München GmbH, berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung: „Internationale Sicherheitsvorschriften verpflichten uns, alle zwei Jahre eine Großübung abzuhalten.“ Zweierlei habe man testen wollen: „Zum einen ging es darum, wie schnell die Flughafenfeuerwehr einen Brand löschen kann, zum anderen wollten wir sehen, wie zügig und zielgerichtet die externen Einsatzkräfte aufs Gelände und zur Unfallstelle gelangen“, so Wilhelm.

Für den Erdinger Kreisbrandrat Willi Vogl war die Übung ein neuerlicher Beweis dafür, „dass es ohne die Freiwilligen nicht geht“. Insgesamt sei sie erfolgreich verlaufen, lediglich das Lotsen der Retter von außen könne man noch optimieren. Bei einem Flugzeugabsturz, so Vogl, bedürfe es zur Versorgung der Verletzten vor allem viele Helfer.

Hans Moritz

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