Rettet unseren Viktualienmarkt!

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Schick fürs Rathaus: Die Marktkaufleute verfolgen die Debatte im Stadtrat – sie wollen so auch ihren Protest zum Ausdruck bringen und würden am liebsten mitreden

München - Die Kaufleute haben ihren Protest gegen den Abriss des Viktualienmarkts im Rathaus vorgetragen. Plötzlich dröhnte Musik von oben, dann segelten Flugblätter herab.

Für eine Sekunde hält der Stadtrat die Luft an: Die Grüne Lydia Dietrich spricht über die Ängste der Kunden und Händler, dass der Viktualienmarkt sein Gesicht verlieren könne, auf der Zuschauer-Galerie verfolgen einige Standl-Betreiber die Debatte um ihre Existenz. Plötzlich dröhnt Musik von oben! Dann segeln Flugblätter herab!

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Die Stimmung braust auf, die Marktweiber geraten unter Verdacht. Bürgermeisterin und Sitzungsleiterin Christine Strobl (SPD) donnert, Meinungsäußerungen zu unterlassen. „Sonst muss ich die Galerie räumen lassen!“ Aber die Standl-Betreiber waren es nicht. Die etwas wirren Flugblätter beweisen, dass ein anderer Zuschauer den Erhalt der Toiletten fordert, die auch auf der Tagesordnung stehen.

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Wütend sind die Marktkaufleute dennoch – aber sie bleiben ganz gesittet und mucksmäuschenstill, als sie ihren Protest gegen den Umbau ins Rathaus tragen. Sieben Händler sind erschienen: von Trübenecker, Nymphenburg Sekt, Obst und Gemüse Lang, Münchens kleinster Gaststätte, Duftschmankerl, Honighäusl und der Interessengemeinschaft.

Die Damen haben sogar dem Anlass entsprechend die Marktkluft abgelegt und sich schick gemacht für das hohe Haus. Schließlich geht es für sie um alles: Sie machen nicht nur ihre Geschäfte auf dem Viktualienmarkt, sie leben den Viktualienmarkt, manche tanzen sogar bei den Marktweibern und sind damit selbst so etwas wie Münchner Wahrzeichen. Zehn Jahre habe die Stadt den Markt nicht renoviert, sagen sie. „Wenn der Gewinn investiert worden wäre, stünden wir jetzt da wie eine Eins“, sagt Sprecherin Elke Fett. Stattdessen fürchten sie nun den Abriss ihrer Existenz.

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Eigentlich könnten die Kaufleute also beruhigt sein – sind sie aber nicht. Sie wollen Unterschriften sammeln, demonstrieren, fordern eine „sanfte Sanierung“. Ihr Motto „Rettet den Viktualienmarkt!“ haben sie sich sogar schon am Mittwoch als Internet-Adresse gesichert.

David Costanzo

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