Richter: Berufsverbot gegen Detektiv

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Detektiv Harald B.: zu Berufsverbot verurteilt.

München - Als Detektiv muss man manchmal besondere Wege gehen, um an Informationen zu gelangen. Doch Harald B. ging einen Schritt zu weit, als er eine Polizistin bestechen wollte. Das Urteil dürfte ihn schmerzen.

 Schmiergeld für Polizistin Sein Internet-Auftritt ist ziemlich großkotzig: „Eine der Top Adressen in Deutschland“, behauptet Harald B. von sich selbst. Vor Gericht machte der Detektiv am Freitag indessen einen völlig ahnungslosen Eindruck, wenn es um Recht und Gesetz geht. Angeklagt war der 50-Jährige wegen Bestechung. Der Schnüffler hatte eine Polizistin mit einem „Sonderangebot“ anzubaggern versucht, ihm Daten aus dem Polizeicomputer zu liefern. Die Quittung des Gerichts: Berufsverbot!

Polizeibeamtin Renate F. (48, Name geändert) hatte sich an den Detektiv gewandt. Ihr Problem: Die Ex-Ehefrau ihres Mannes, also sozusagen ihre Vorgängerin, kassiert seit 16 Jahren Unterhalt. Angeblich ist die Frau mittellos, hat keinen Job. Nun sollte der Harald B. feststellen, ob das wirklich der Fall ist. Renate F. konnte aber nur 1500 Euro Honorar anbieten - ziemlich wenig für die Ermittlungen. Harald B. ging trotzdem darauf ein - und bot ihr ein Geschäft auf Gegenseitigkeit an: Er ermittelt für die 1500 Euro, als Gegenleistung liefert sie ihm Daten aus dem Polizeicomputer. „Eine Hand wäscht die andere“, habe der Berufsschnüffler gesagt. Die Beamtin erstattete Anzeige.

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Der Angeklagte wies diesen Vorwurf weit von sich und versuchte, alles auf den mit angeklagten David D. (26) zu schieben, der beim Vertragsabschluss anwesend war. Doch dieser Schuss ging nach hinten los. David D. bestätigte vor Gericht, dass Harald B.  der Polizistin das Schmiergeld-Angebot gemacht hatte. Richtig stolz sei der Detektei-Inhaber darauf gewesen: „Das haben wir gut gemacht.“ Während Richter Gerhard Simon das Verfahren gegen David D. gegen eine Geldbuße von 1000 Euro einstellte, verknackte er Harald B. zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einem einjährigen Berufsverbot. Staatsanwalt Andreas Franck hatte sogar zehn Monate gefordert. Der Verurteilte kündigte Berufung an und drohte: „Wenn das Urteil rechtskräftig wird, springe ich vom Olympiaturm.“

Eberhard Unfried

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