Privates Projekt soll Abhilfe schaffen

Riemer Kinder noch immer ohne Arzt - CSU sauer: „Untragbarer Zustand“

Eine Ärztin untersucht ein Kind.
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Einen Kinderarzt im Viertel wünschen sich viele Familien in der Messestadt.

In der Messestadt-Riem gibt es für 1345 Kinder unter sechs Jahren keinen Kinderarzt. Die CSU im Stadtrat kritisiert das und will nun mit einem Antrag gegensteuern. Das Problem existiert schon seit vielen Jahren. Doch es könnte bald durch eine gemeinnützige Initiative gelöst werden.

2019 hatte Elena Kouptsova die Nase voll. An einem Tag waren gleich beide Töchter erkrankt. Sie hatten einen Ausschlag an den Fußsohlen. Die große Tochter konnte vor Schmerzen kaum laufen, sagte die Mutter damals unserer Zeitung. Das Problem: Die Familie wohnte in der Messestadt-Riem, wo es weit und breit keinen Kinderarzt gibt. „Wir waren immer mal wieder woanders: Giesing, Trudering, Schwabing. Jetzt sind wir in Haar“, sagte Kouptsova. Für den Notfall kennt sie einen Allgemeinmediziner in der Messestadt. „Er hat uns schon öfters gerettet“, sagt sie. „Ich glaube, dass das viele Eltern hier machen.“

Das war 2019, geändert hat sich seitdem nichts. Im Gegenteil: Die Situation spitzt sich zu, weil das Viertel wächst. Mittlerweile leben in der Messestadt rund 16 800 Menschen, davon sind circa 4700 Menschen unter 18 Jahre alt. 1345 Kinder in der Messestadt sind jünger als sechs Jahre, 2538 zwischen sechs und 14 Jahren.

„Seit 20 Jahren wird dort gebaut, aber es gibt immer noch keinen Kinderarzt“, sagt CSU-Stadtrat Sebastian Schall. „Das ist ein untragbarer Zustand, der Münchens Anspruch als familienfreundliche Stadt nicht gerecht wird.“ Die Stadt müsse endlich eine unbürokratische Lösung finden. „Die Kinder der Messestadt dürfen keine Kinder zweiter Klasse bei der Gesundheitsversorgung sein.“

CSU-Stadtrat Sebastian Schall will eine unbürokratische Lösung.

In einem Antrag fordert die Fraktion die Verwaltung und Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) auf, Gespräche mit den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) zu diesem Thema zu intensivieren. In der Messestadt-West entstehe derzeit ein Medizinisches Versorgungszentrum, das auch Räume für eine Kinderarztpraxis bieten würde, heißt es weiter.

Tatsächlich hatte bereits 2019 eine gemeinnützige Initiative angekündigt, sich des Problems anzunehmen: die GmbH StartStark, die sich für Kinder und ihre Familien in der Messestadt einsetzt. Im Sommer 2019 sollte eine Kinder- und Jugendarztpraxis an der Werner-Eckert-Straße 10 eröffnen. „Fachärzte, die bereits in einem anderen Stadtteil niedergelassen sind, nutzen die bereitgestellten Räume als Gemeinschaftspraxis“, sagte StartStark-Chef Norbert Blesch damals. Doch daraus wurde nichts. „Bürokratische Hürden“, sagt Blesch heute. „Allerdings nicht so sehr mit der Stadt.“ Jedoch gibt es seinerseits auch gute Nachrichten. Die Hürden scheinen genommen. „Wir stehen mit einem Kinderarzt in Kontakt und kurz vor einer Lösung des Problems.“

Eine Erklärung, warum die Messestadt-Riem seit Jahren keinen Kinderarzt aufweisen kann, gab es am Dienstag nicht. Eine Presseanfrage an die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) von 10.52 Uhr am Dienstag konnte bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden.

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