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Riesen-Bock bei der Gewofag München: Falsche Unterlagen verschickt - Ausschreibung muss wiederholt werden

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Von: Sascha Karowski

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Sanierung der Alten Heimat: Der Neubau (rechts) am Eingang des Kiem-Pauli-Weges.
Sanierung der Alten Heimat: Der Neubau (rechts) am Eingang des Kiem-Pauli-Weges. © Gewofag

Die nächsten Bauabschnitte der Stiftungssiedlung Alte Heimat in Laim verzögern sich auf unbestimmte Zeit. Grund: Die Ausschreibung muss wiederholt werden. Die Gewofag hatte einem Bieter Unterlagen zukommen lassen, die Auskunft über Angebote von Mitbewerbern enthalten haben.

München - Die Sanierung der städtischen Stiftungssiedlung Alte Heimat läuft seit 2017 durch die städtische Baugesellschaft Gewofag. Die in den 60er-Jahren errichtete Anlage im Laimer Osten bietet in erster Linie günstige Wohnungen für Menschen, die finanziell schwach ausgestattet sind. Finanziell könnten aber nun auf die Stadt Probleme zukommen. Denn: Die Gewofag hat bei einer Ausschreibung für die Bauabschnitte 3 und 4 einen Fehler gemacht. Nach Informationen unserer Zeitung sind einem Bieter Unterlagen zugeschickt worden, die Auskunft über Angebote von Mitbewerbern enthalten haben. Die Ausschreibung wird wiederholt. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Gewofag München bestätigt: „Es ist zu einem schwerwiegenden Fehler gekommen“

Die Gewofag bestätigt auf Anfrage, dass es „beim laufenden Ausschreibungsverfahren für zwei Neubauabschnitte der Alten Heimat zu einem schwerwiegenden Fehler gekommen“ ist. Es handle sich um ein Augenblicksversagen einer ansonsten sehr zuverlässig arbeitenden Kollegin des Ressorts Bau sowie in Folge eines beauftragten externen Dienstleisters. Dies habe zu einem Verstoß gegen den Grundsatz des Geheimwettbewerbs geführt. „Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Fehlers hat der Sprecher unserer Geschäftsführung den Sachverhalt lückenlos aufklären lassen und sofort eine Anwaltskanzlei für Vergaberecht mit der Beurteilung beauftragt“, sagte ein Sprecher des städtischen Unternehmens.

Das erstellte Gutachten komme zum Schluss, dass eine Neuausschreibung die rechtssicherste Option sei. Der Sprecher der Geschäftsführung habe dies als Handlungsempfehlung an den Aufsichtsrat und das Kommunalreferat weitergegeben.

„Ob im weiteren Verlauf tatsächlich Verfahrens- und Schadensersatzrisiken eintreten, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss.“ Es könnten daher keine Aussagen zu Projektverzögerungen oder Mehrkosten getroffen werden.

Gewofag München: Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) spricht von einem ärgerlichen Fehler

Nach Informationen unserer Zeitung soll sich der Neubau von 263 Wohnungen und zwei Tiefgaragen aber mindestens um sechs Monate verzögern – im Idealfall. Es könnte aber auch länger dauern, da auch juristische Konsequenzen denkbar sind. „Wir bedauern diesen gravierenden Vorfall außerordentlich und arbeiten selbstverständlich mit Hochdruck daran, die tatsächlichen Auswirkungen dieses Augenblicksversagens so gering wie möglich zu gestalten“, sagt der Gewofag-Sprecher.

Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) spricht von einem ärgerlichen Fehler. „In Kürze können wir uns ein vollständiges Bild der Situation machen. Insbesondere können wir auf dieser Grundlage Aussagen zur Zeitplanung und etwaigen Verfahrens- und Schadensersatzrisiken treffen“, sagt Dielt, die zudem Vorsitzende des Aufsichtsrates ist. Zudem prüfe die Gewofag die internen Abläufe und werde sie gegebenenfalls optimieren.

CSU-Stadträtin Heike Kainz: Kosten werden steigen, Bau von Wohnungen verzögert sich

Das sei auch notwendig, sagt CSU-Stadträtin Heike Kainz auf Anfrage. Fehler, die solch gravierende Auswirkungen haben, dürften nicht passieren. „Das muss man strukturell vermeiden. Es muss ein technisches Prozedere eingeführt werden, das so etwas in Zukunft ausschließt.“ Kainz spricht von einer schwerwiegenden Geschichte. „Die Kosten werden steigen, und natürlich verzögert sich der Bau dringend benötigter Wohnungen.“

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