Groß wie ein Fußballstadion/ Über 2000 Schuss jeden Tag/ Mitten im Bannwald

Riesen-Schießanlage im Forstenrieder Park

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Die Schützen vom Verein Hubertus dürfen derzeit nur an zwei Nachmittagen in der Woche abdrücken.

München - Im Münchner Süden kracht’s gewaltig: An zwei Nachmittagen dürfen die Schützen vom Verein Hubertus in Forstenried in ihrer Anlage ballern.

Das reicht ihnen aber nicht mehr. Der Verein plant eine neue Schießanlage – so groß wie ein Fußballstadion! Darum knallt’s jetzt richtig: Nachbarn, ­Politik und Naturschützer gehen auf die Barrikaden.

Im Verein Hubertus für Jagd- und Sportschützen wird die Tradition hoch gehalten: Schon 1924 taten sich Jäger, Förster und Schützen zusammen. Heute zielen sie am Rand des Forstenrieder Parks auf ein Dutzend 25 Meter- und 100 Meter-Stände und in den Disziplinen Trap und Skeet – im Volksmund Tontaubenschießen. Weil es keinen Lärmschutz gibt, dürfen die Schützen nur an zwei Nachmittagen in der Woche abdrücken: dienstags und freitags oder samstags. So dulden das Stadt und Gericht, und auch die Nachbarn ertragen es. Doch die Schützen wollen mehr.

Übersicht der Landkreise: 453.775 Waffen in Oberbayern

Waffenbesitz in Oberbayern
Wie viele Waffen gibt es in Oberbayern? Klicken Sie sich durch die Kreise. Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, bekannt für seine Gebirgsschützen: 30.000 Waffen, 5.000 Waffenbesitzer, 120.834 Einwohner. © Westermann
Waffenbesitz in Oberbayern
Berchtesgadener Land: 4.158 Waffen, 4.700 Waffenbesitzer (inkl. Böllerschützen). © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Traunstein, hier ein Bild von einem Steg in Chieming: 29.026 Waffen, 9.000 Waffenbesitzer, 170.440 Einwohner. © ap
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Dachau: 18.970 Waffen, 3.386 Waffenbesitzer, 136.272 Einwohner. © fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Weilheim-Schongau, hier ein Bild von der Kapelle bei Eberfing: 14.007 Waffen, 3.650 Waffenbesitzer, 130.777 Einwohner. © ap
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Ebersberg: 13.500 Waffen, 4.800 Waffenbesitzer, 125.590 Einwohner. © Westermann
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Erding, bekannt für seine Therme: 15.274 Waffen, 3.736 Waffenbesitzer, 124.063 Einwohner. © Westermann
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis und Domstadt Freising: 20.000 Waffen, 6.800 Waffenbesitzer, 164.692 Einwohner. © Rainer Lehmann
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Fürstenfeldbruck: 16.397 Waffen, 5.282 Waffenbesitzer, 200.522 Einwohner. © Weber
Waffenbesitz in Oberbayern
Stadt München, hier die Mariensäule vor der Frauenkirche: 65.000 Waffen, 20.000 Waffenbesitzer, 1.315.476 Einwohner. © Marcus Schlaf
Waffenbesitz in Oberbayern
Der Landkreis München, in dem auch der Uni-Standort Garching liegt: 43.000 Waffen, 11.255 Waffenbesitzer, 316.531 Einwohner. © fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Garmisch-Partenkirchen, Heimatlandkreis der Zugspitze: 16.246 Waffen, 3.734 Waffenbesitzer, 86.872 Einwohner. © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Miesbach, hier eine Aufnahme vom Irschenberg: 15.000 Waffen, 4.800 Waffenbesitzer, 95.045 Einwohner. © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Starnberg, hier ein Steg am See: 12.531 Waffen, 3.092 Waffenbesitzer, 129.515 Einwohner. © Xaver Gleich/fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Rosenheim, hier im Hintergrund der Wendelstein: 31.000 Waffen, 5000 Waffenbesitzer, 246.828 Einwohner. © ap
Waffenbesitz in Oberbayern
Stadt Rosenheim: 6.000 Waffen, 1.200 Waffenbesitzer, 60.674 Einwohner. © fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Mühldorf am Inn, hier das Schloss Egglkofen: 16.870 Waffen, 3.878 Waffenbesitzer, 110.623 Einwohner. © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Neuburg-Schrobenhausen: 11.615 Waffen, 2.932 Waffenbesitzer, 90.945 Einwohner. © fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Eichstätt, bekannt für zahlreiche archäologische Schätze: 16.015 Waffen, 4.053 Waffenbesitzer, 124.376 Einwohner.   © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Stadt Ingolstadt, Standort von Autobauer Audi: 10.454 Waffen, 2.429 Waffenbesitzer, 123.317 Einwohner. © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Landsberg am Lech: 12.185 Waffen, 3.013 Waffenbesitzer, 112.499 Einwohner. © fkn
Waffenbesitz in Oberbayern
Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, Heimat zahlreicher Hopfenbauern: 25.000 Waffen, 6.400 Waffenbesitzer, 116.407 Einwohner. © ap
Waffenbesitz in Oberbayern
Ein Reiter galoppiert über ein Feld vor der Dorfkirche in Kirchweidach im Lkr. Altötting: 11.500 Waffen, 3.500 Waffenbesitzer, 108.773 Einwohner. © dpa
Waffenbesitz in Oberbayern
Regierungsbezirk Oberbayern: 453.775 Waffen, 121.640 Waffenbesitzer, 4.279.112 Einwohner. © fkn

Der Verein beabsichtigt, künftig jeden Tag von 8 bis 20 Uhr ballern zu lassen – mehr als 2000 Schuss könnten täglich fallen. So hat es der Verein beantragt. Die Schützen planen eine Modernisierung und müssen den Lärmschutz einhalten. Kürzlich machte der örtliche Bezirksausschuss das Vorhaben bekannt – die Politiker und Besucher traf der Schlag: Um die Schießanlage soll mitten in Bannwald und Landschaftsschutzgebiet ein monströser Wall entstehen. Die Maße: Das Oval soll 260 Meter lang und 160 Meter breit werden, fast so groß wie die Allianz Arena! Der Wall soll sich bis zu 20 Meter auftürmen – 15 Meter aus Erde, obenauf 5 Meter Wand. So hoch wie ein achtstöckiges Haus! Es kommt noch dicker: Für die Statik muss der Damm am Boden über 44 Meter breit sein. So einen Wall hat München wohl noch nie gesehen…

Keine 150 Meter davon entfernt wohnen die nächsten Münchner. Am meisten entsetzt die Nachbarn, dass die Schützen künftig nicht mehr Richtung Süden schießen wollen, sondern Richtung Norden – mitten ins Wohngebiet. „Was passiert denn, wenn einer Mal über den Wall schießt? Wir können doch unsere Kinder nicht mehr rauslassen“, sagt Jörg Schneider der tz. „Mal abgesehen vom Lärm rund um die Uhr.“

Die Hubertus-Schützen können die Aufregung nicht verstehen. „Auch wir wollen Natur- und Waldschutz“, sagt Präsident Ludwig Obermeier. Der Wall werde begrünt und verschwinde hinter den Baum­wipfeln. „Die Anwohner können von Glück sprechen: Sie bekommen jetzt einen Lärmschutz.“ Der Krach liege künftig unter dem der nahen Garmisch-Partenkirchner Autobahn.

Die Politik lässt das Argument nicht gelten. „Dafür sind die Schießzeiten erheblich länger“, sagt Bezirks­ausschuss-Chef Hans Bauer (SPD). Er wolle die historische Anlage zwar erhalten, erinnert die Schützen aber daran, dass man sie bislang nur duldet. Bauer droht: „Der Verein sollte sich eine Ausweitung sehr genau überlegen…“

David Costanzo

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