Großer Aufmarsch am Rindermarkt

Hebammen-Demo: Das sagen die Beteiligten

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Kinder, Eltern und Hebammen beim Demostart am Rindermarkt.

München - Am Internationalen Hebammentag gingen am Montag 400 Geburtshelfer, Mütter und Väter in München mit Luftballons auf die Straße. Sie warnen: "Das System droht zu kollabieren!"

Sie bringen unsere Babys auf die Welt und kümmern sich um einen guten Start ins Leben. Die 2800 bayerischen und 4000 Münchner Hebammen selbst aber kämpfen mittlerweile ums Überleben – vor allem weil ihre Haftpflichtversicherung immer teurer wird. Deshalb gingen am Montag am Internationalen Hebammentag 400 Geburtshelfer, Mütter und Väter in München mit Luftballons auf die Straße. Sie warnen: „Das System droht zu kollabieren!“

Zur Erklärung: Rund 80 Prozent sind freiberuflich tätig. Jede Hebamme zahlt mittlerweile über 5000 Euro jährlich für ihre Haftpflichtversicherung. Astrid Gießen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands, sagt: „Die garantierte Versicherung besteht nur noch ein Jahr. Und schon jetzt reicht die Deckelungssumme nicht immer aus – so dass immer öfter Hebammen mit ihrem Privatvermögen haften.“

Die schlechte Situation führt zu Nachwuchsproblemen – und ein mögliches Aus der Gruppenhaftplichtversicherung langfristig zum Zusammenbruch der geburtshilflichen Versorgung. Schon jetzt finden viele Frauen in München nur schwer Hilfe. „Wir fordern eine politische Lösung. Wir brauchen einen öffentlich finanzierten Haftungsfonds, aus dem die Schäden über einer bestimmten Deckungssumme bezahlt werden“, sagt deshalb Martina Klenk vom Deutschen Hebammenverband.

Unterstützung gab’s bei der Kundgebung am Stachus von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU): „Wenn ich die Diskussionen betrachte, frage ich mich, ob die Bedeutung der Hebammen überall in den Köpfen angekommen ist. Es geht um weit mehr als um einen Berufsstand: Es geht um die Wertschätzung von Berufsgruppen, die so wichtigen Dienst am Menschen tun.“

Die tz hat drei Geburtshelferinnen und eine Mutter befragt:

Personalmangel

Wir im Erdinger Krankenhaus haben über ein Jahr lang mit fünf statt sieben Hebammen gearbeitet – weil einfach immer mehr diesen Beruf aufgeben müssen. Damit wird auch die Versorgung für die werdenden Mütter immer schlechter: Ich habe Vorausbuchungen bis November – erst gestern musste ich drei Müttern absagen.

Sieglinde Czapek (61) aus Erding, seit 40 Jahren Hebamme

200 Euro für Geburt

Als freiberufliche Beleghebamme bekomme ich für eine 8-Stunden-Geburt 260 Euro brutto! Manchmal sind wir jedes Wochenende im Einsatz, weil wir zusätzlich Hausbesuche machen müssen, damit 1500 Euro im Monat übrig bleiben. Ich weiß nicht, wie ich mir diesen Job noch leisten kann, wenn ich selbst Kinder habe.

Franziska Stürzer (27) aus Pasing

Yoga-Kurse nötig

1994 habe ich als Geburtshelferin 150 DM Haftpflichtversicherung pro Jahr gezahlt – heute zahlen Kolleginnen über 5000 Euro! Ich habe mit Geburtshilfe aufgehört, weil sich das nicht mehr rechnet. Jetzt habe ich eine eigene Praxis – biete dort aber auch Kurse wie Schwangerschafts-Yoga an, um mein Leben zu finanzieren.

Eva Demter (50) aus Untermenzing, seit 30 Jahren Hebamme

Erfahrung zählt

Die Hebamme, die sich um meinen Sohn gekümmert hat, war manchmal eine ganze Stunde zu Besuch – und dafür bekommt sie 31 Euro brutto! Hebammen geben Kindern einen guten Start – und Müttern Sicherheit. Nur durch die Tipps meiner Hebamme habe ich es geschafft, dass Marinus aufgehört hat, so viel zu schreien. Die Erfahrung der Hebammen ist durch nichts zu ersetzen.

Mutter Theresa Fleck (21) aus Aying

Nina Bautz

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