Schrecklicher Unfall: Mann wird von U-Bahn mitgeschleift und stirbt

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Fünf Geschichten rund um die B2R

Ring-Serie: Feiern über den Dächern der Stadt

München - In der Serie zum Mittleren Ring erzählt die tz Geschichten rund um die wichtigste Straße der Stadt. Heute: von der Einsteinstraße auf den Innsbrucker Ring - mit einer Dachterrasse und einem Tunnel-Lichtblick.

In der Blütenecke

Mit Elektromarkt, Drogerie, Fast-FoodLaden und mehr: Seit 2009 heißt der große Geschäftsblock am Leuchtenbergring Das Einstein. Im Erdgeschoss betreibt Stephan Kröhne mit seiner Frau Susanne die Blütenecke, eine grüne Oase im Shopping-Trubel

Einst war hier der Stahlgruber, heute heißt es Das Ein stein. Seit 2009 riesiges Einkaufszentrum im Osten Haidhausens, 36 000 Quadratmeter Gesamtfläche, mehr als fünf Fußballfelder. Es gibt einen großen Elektroriesen, ein Drogerie-Geschäft, einen Fast-Food-Laden, einen Supermarkt und noch mehr. Es herrscht oft recht viel Hektik, doch in all dem Trubel gibt es auch eine kleine Insel, ein Beet der Beschaulichkeit: die Blütenecke, die grüne Oase von Stephan Kröhne (43) und seiner Frau Susanne (36).

Kröhne kennt die Gegend schon von seiner vorherigen Arbeit gut, direkt gegenüber auf der anderen Seite des Leuchtenbergrings im MVG-Depot. Kröhne war nämlich Busfahrer, bis 2011, dann stieg er aus. „Das ewige Leben im Schichtdienst“, sagt er, „auf Dauer war das nichts.“ Mit seiner Frau, einer Floristin mit jahrelanger Berufserfahrung, eröffnete er dann die Blütenecke. Früher sagte er Haltestellen an. Jetzt sagt er es lieber mit Blumen.

Im Sortiment haben die beiden Rosen und Tulpen, Orchideen und Kakteen, grüne Topfpflanzen und bunte Sommersträuße. Die Blumen sind jeden Tag frisch, sie werden hier gebunden, eingewickelt und auf Wunsch natürlich auch geliefert, quer durch die Stadt. Stephan Kröhne kennt sich ja noch aus auf Münchens Straßen. Auch wenn er jetzt immer mit dem Auto liefert. Nicht mit dem Bus.

Himmlisch feiern über den Dächern der Stadt

München leuchtet, und hier leuchtet es über München. Droben in 50 Metern Höhe, im 14. Stock der Ten Towers an der Dingolfinger Straße. In der spektakulären Verbindungsbrücke zwischen zwei Türmen, einer schwer angesagten Eventlocation. So nennt man das. Früher feierte man im Partykeller. Heute in der Skylounge.

Mit Blick auf den Himmel und über die Dächer der Stadt: Stefan Karl auf der Dachterrasse namens Sky View der Ten Towers an der Dingolfinger Straße

2005 wurde das Telekom Center eröffnet, architektonisch ein echter Blickfang. Fünf Doppeltürme, darum heißen sie auch Ten Towers. Hier ist Platz für 3000 erwachsene Arbeitnehmer und 50 Kleinkinder in der Betriebs-Krippe. Die ist unten im Erdgeschoss. Besser ist die Aussicht aus der verglasten Brücke oben, mit 330 Qua-dratmetern und einem sagenhaften Blick auf Stadt und Umland. Hier zu feiern, das kostet freilich, für zehn Stunden Raummiete zahlt man 3300 Euro. Zuzüglich Catering, Service und DJ, je nach Wunsch. Man kann aber auch seine eigene Brotzeit und seinen Kassettenrekorder mitbringen, das ist dann billiger. Geschäftsführer ist Stefan Karl (50), seine Firma heißt Events over Munich. Es gibt 200 Veranstaltungen im Jahr, meist von großen Firmen, die können sich das auch leisten. Jeden Dienstag ab halb sieben gibt es eine After-Work-Party. An manchen Werktagen ohne Abend-Gaudi öffnet der Herr Karl die Lounge auch als Tagescafé für Jedermann. Auf einen Cappucchino mit Panoramablick, von 10 bis 16 Uhr.

Bei schönem Wetter geht es dann noch höher hinauf, rauf auf die Dachterrasse, 280 Quadratmeter. Heißt Sky View. Über München. Drunter machen sie es nicht.

Eine Prise altes München

Friedrich Huber vor den Regalen mit Schnupftabaksdosen, Gläsern, Krügen und Zinndeckeln

Ein kleiner Wegweiser am Ring, dort wo sich die meisten Autofahrer schon nach links zum Abbiegen auf die Salzburger Autobahn drängeln. Wer dem Schild folgt, hinein in die Aribonenstraße, kommt zu Friedrich Huber, in eine eigene Welt, in ein Stück altes München.

Friedrich Huber hat hier noch zwei Läden, neben seinem Glaskunst-Geschäft drei Häuser weiter auch sein altes Café, einen Familienbetrieb. Das Café gab es seit 1895, nach seiner Meisterprüfung zum Konditor übernahm es Huber 1972 von seinem Vater und setzte die Tradition der Zwetschgenbavesen fort. Die Zwetschgenbavesen hatte schon der Opa gebacken, für die Pilger, die zur benachbarten St. Maria kamen, einer der ältesten Wallfahrtskirchen des gesamten Erzbistums München und Freising. Man kann sich auch fragen, ob sie wegen des göttlichen Segens hierherpilgerten oder wegen der himmlischen Bavesen.

Seine Rezepte gab Friedrich Huber später auch am Bildschirm weiter, im BR, bei Wir in Bayern in der Rubrik „Back mas“. Aber jetzt mit 67 war es auf Dauer zu viel, die Doppelbelastung mit Café und seinem Glaskunst-Laden, den er über die Jahre auf Hausnummer 14 aufgebaut hat. Darum hat er im Café aufgehört, und wie es aussieht, wird es auch keinen Nachfolger geben, der übernimmt.

So verziert und graviert er jetzt nur noch Biergläser, Zinndeckel, Schnupftabaksdosen mit Schriftzügen, Widmungen, Motiven. Er macht das liebevoll, ein Handwerk, das so viel Passion und Präzision erfordert wie früher in der Backstube. Nur dass man in die Gläser nicht so herzhaft reinbeißen sollte wie in die Bavesen.

Lichtblick im Tunnel

Temizsoy Ibrahim  in seinem Kiosk

Von allen 148 S-Bahn-Stationen gibt es nicht viele, die noch scheußlicher sind als der Leuchtenbergring. Und kaum einen, der ein größeres Ärgernis ist. Der Bahnhof ist seit mehr als 20 Jahren zentraler Umsteigepunkt für alle Passagiere aus den Ost-Linien S2 und S4 zur S8 Richtung Flughafen, und doch hat es die Bahn bis heute nicht geschafft, Aufzüge oder Rolltreppen einzubauen. So schleppen die Fahrgäste ihre schweren Koffer immer die Treppen rauf und runter, vorbei am Standl von Temizsoy Ibrahim.

Das Standl ist das Beste an der ganzen Station, kein Convenience Shop wie am nächsten Halt in München Ost, sondern noch ein guter alter Bahnhofskiosk. Die Butterbrezn kostet 1,20 Euro, die Leberkässemmel einen Zwickel. Herr Ibrahim hat Zigaretten, Schokoriegel, Kaffee, eine Frau, drei Kinder und seit ein paar Jahren auch Probleme mit der Bandscheibe, zwei Operationen hat er mit seinen 46 Jahren schon hinter sich. Sechs Tage die Woche sitzt er hinter der Glasscheibe im Zwischengeschoss, von fünf in der Früh bis um acht am Abend, der Blick gegenüber geht auf die Wand mit den gelben Kacheln. Den meisten Kunden pressiert’s, sie müssen zum Zug, wenn der Zug aber später kommt, und das tut er oft, dann bleibt auch Zeit für ein Gespräch. Manche sagen ihm dann, dass draußen Sommer ist.

Der bunte Viertel-Quader

Pfelgedienstleiterin Antje Knorr und Elfriede Rücker

Elfriede Rücker hat sich nicht träumen lassen, einmal am Ring zu wohnen. Tut sie aber jetzt, weil es ihr nicht mehr so gut geht. Darum lebt die 68-Jährige am Innsbrucker Ring 70. In dem 160 Meter langen und abends so schön bunt illuminierten Gebäude, einem Kooperationsprojekt zwischen dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Gewofag, einem Projekt namens Wohnen im Viertel. Im westlichen Berg am Laim.

Abends wird das Gebäude am Ring bunt beleuchtet

2007 eröffnete das Haus für betreuungs- und pflegebedürftige Menschen. Das Haus hat 48 Wohnungen zwischen 40 und 136 Quadratmetern, 42 Wohneinheiten sind barrierefrei gemäß den Normen DIN 18025-1 und 18025-2. Das Team um Pflegedienstleiterin Antje Knorr (47) ist rund um die Uhr da, insgesamt gibt es 25 Betreuer, die auch Menschen in den umliegenden Straßen westlich des Rings ambulant versorgen. Der Gemeinschaftsraum ist zur Begegnungsstätte für Menschen aus der Nachbarschaft geworden, manchmal steigt hier sogar ein Kindergeburtstag. Weitere Einrichtungen von Wohnen im Viertel gibt es in Harlaching, Riem, Neuhausen und Obergiesing. Eflriede Rücker mag mittlerweile aber nicht mehr weg. „Ich fühle mich hier wie daheim“, sagt sie, „und vom Ring krieg ich auch nix mit.“ Die Zimmer sind auch alle hinten raus. Nach Westen. Richtung Viertel.

Historische Fotos: So sah der Mittlere Ring früher aus

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Rubriklistenbild: © Judith Häusler

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