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Bayernweit einmaliges Experiment

Rogatekirche: Es knirscht bei den neuen Partnern

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Das neue Zuhause der Evangelischen Jugend: Die Rogatekirche an der Bad-Schachener-Straße.

Der Umbau der Neuperlacher Rogatekirche ist auf der Zielgeraden: Am 1. April will die Evangelische Jugend München hier einziehen und zusammen mit der Kirchengemeinde ein bayernweit einmaliges Experiment starten. Doch noch knirscht es zwischen den neuen Partnern.

München - Es ist eine kleine, aber symbolträchtige Szene zum Auftakt der Dekanatssynode am Dienstagabend: Als ein Mitglied der Evangelischen Jugend München (EJM) sich im Saal des CVJM auf einen der wenigen Besucherstühle neben Gäste aus der Rogategemeinde setzen will, wird er vertrieben: „Da kommen noch welche von uns.“ Grummelnd zieht der Mann weiter. Ein Wir-Gefühl hat sich in den Köpfen noch nicht etabliert.

Und doch werden Evangelische Jugend und Rogate-Gemeinde von April an eine Hausgemeinschaft bilden: Sie teilen sich die Kirche an der Bad-Schachener-Straße, die dafür eigens umgebaut worden ist. Das Technische ist, nach anfänglichen Kostenproblemen, nahezu vollendet. Man werde den Terminplan und voraussichtlich auch den Kostenrahmen von 4,87 Millionen Euro einhalten, verkündete Baureferent Stefan Neukamm. „Wir haben jetzt noch 250 000 Euro Reserve.“

Markant: Die neue Caféteria, mit der sich die Kirche ins Viertel öffnen will.

Ab 1. April geht es nun darum, die neuen, modern gestalteten Räume mit Leben zu füllen, und da werden sich drei Partner zusammenraufen müssen: Die Rogategemeinde, die die Bauzeit im Exil verbracht hat, die Evangelische Jugend und deren Verwaltung. „Die ersten Begegnungen waren etwas frostig“, erinnert sich Kirchenrat Klaus Schmucker. Er sei „sehr glücklich, dass wir zusammen einen Weg gefunden haben“. Inzwischen, da die Gemeinschaft baulich besiegelt ist, regiert Pragmatismus: „Wir reiben uns und schauen, wie wir unser Leben miteinander auf die Reihe kriegen“, berichtet Jugendpfarrer Michael Stritar der Synode. Diakonin Judith Amend-Knaub, eigens für das Projekt angestellt, spricht viel vom „Kennenlernen“.

Die Erwartungen sind groß: „Wir verändern uns“, berichtet Jugendpfarrer Stritar. Ihn fasziniert die Aussicht, im sakralen Raum der Rogatekirche „in ganz anderer Weise, als das in unserem Quartier in der Birkerstraße möglich war, das Thema Glauben anzugehen und Ideen zu spinnen“. Doch vieles ist ungewiss, denn das Projekt Jugend in der Kirche muss sich erst entwickeln. „Die jungen Leute sollen sich diesen Kirchenraum aneignen“, beschreibt Schmucker die Idee, die der Synode im Jahr 2009 erstmals vorgestellt wurde. „Wir stellen die Grundausstattung, aber wir wissen nicht genau, was daraus wird.“

Eine Fußbodenheizung wird in den neuen Räumen behagliches Klima sicherstellen.

Vielleicht ist es diese Ungewissheit, die in der Rogate-Gemeinde ambivalente Gefühle weckt. Zwar verkündet Jörg Haslinger vom Kirchenvorstand tapfer: „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit der Jugendkirche als gleichberechtigte Gemeindepartner in unsere Kirche zurückzukehren.“ Man sei offen, „in allen Bereichen gemeinsame Formate zu entwickeln“. Doch Haslinger gibt auch zu bedenken, Rogate sei eine alte Gemeinde, in der es bisher keine Jugendarbeit gebe. Und er mahnt: „Wichtig ist, dass die Alten nicht vergessen werden“.

Vor den neuen Partnern in der Rogatekirche, das wurde in der Dekanatssynode deutlich, liegt noch ein langer Weg. Doch Stadtdekanin Barbara Kittelberger zeigte sich optimistisch: Reibung, so sagte sie, erzeuge schließlich auch Wärme.

Die Einweihung der Rogatekirche wird am Sonntag, 23.. April, um 18 Uhr gefeiert.

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