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Imbiss-Kunden in München müssen den Snack-Schock verdauen! Preis-Hammer bei kleinen Mahlzeiten

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Von: Nina Bautz

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Pauline (30, Mitte), Projektmanagerin, mit Kolleginnen am Stachus.
Pauline (30, Mitte), Projektmanagerin, mit Kolleginnen am Stachus. © Götzfried

Für den kleinen Imbiss zwischendurch gibt es bei vielen Anbietern jetzt die große Rechnung. Die Kunden müssen in München den Snack-Schock verdauen.

München – Bei diesen Preisen bleibt einem ja die Semmel im Hals stecken! Die Schnitzelsemmel für fast fünf Euro, Döner-Kebab für 6,50 Euro, der Salat für fast zwölf Euro und der Obstbecher für mehr als vier Euro (siehe Tabelle unten)! Die derzeitige Preis-Explosion macht auch vor den kleinen Speisen zum Mitnehmen nicht Halt. Snack-Schock in München!

München: Viele Kunden müssen den Snack-Schock verdauen

Gerade für die Mittagspause in der Arbeit oder für die Zugfahrt sind Speisen auf die Hand sehr praktisch und zeitsparend. Aber spätestens seit dem Ukraine-Krieg läppert sich da so viel zusammen, dass man sich Snacks kaum noch leisten kann. „Das To-go-Geschäft war zwar von der Corona-Pandemie nicht so stark betroffen, aber hier sind jetzt die Rohstoff- und Energiepreise sowie die gestiegenen Lohnkosten preistreibend“, sagt Silke Noll, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Ähnlich wie im Supermarkt und in den Restaurants würden die Preise auf die Kunden umgelegt.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut Marktforschungsinstitut GfK mussten Privathaushalte schon im April 8,6 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahresmonat. Besonders drastisch waren demnach die Erhöhungen bei Speisefetten mit einem Plus von 27,3 Prozent und Fleisch (11,8 Prozent), Molkereiprodukten und Eiern (9,4) sowie Gemüse (9,3). Das merkt man an der Supermarktkasse, aber eben auch bei Snacks vom Standl. Da kann dann das halbe Hendl schon mal acht Euro kosten…

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München: Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt, ab und zu Brote selber zu machen

Silke Noll erklärt, warum uns die Preisexplosion in diesem Bereich besonders schockt: „In Deutschland waren die Lebensmittel im Vergleich beispielsweise zu Spanien oder Italien immer recht günstig.“ Und: Ohne Essen geht es ja nicht… Aber was nun? Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt: „Auch wenn to go praktischer ist: Wer jetzt ab und zu daheim seine Brote selber schmiert oder Mittagessen zubereitet und mitnimmt, der spart Geld. Und lebt obendrein gesünder, weil frische Produkte weniger Zusatzstoffe haben.“

Die tz hat sich in der Innenstadt umgesehen und die Snackpreise notiert sowie mit Verkäufern und Kunden gesprochen. Viele Verkäufer haben jüngst höhere Preise festgelegt. Und die meisten, die ihre Preise noch nicht erhöht haben, erwägen, das in absehbarer Zeit zu machen. Interessant: Bei einigen Ketten variieren die Preise für das gleiche Produkt je nach Standort. Am Hauptbahnhof ist es beispielsweise oft teurer als etwa am Stachus.

So viel kosten ausgewählte Münchner Produkte (Stand: 29.6.2022)

AnbieterProduktPreis
Rischart, Zwischengeschoss im HauptbahnhofBavaria Sandwich (unter anderem mit Leberkäs-Aufschnitt)5 Euro
Obatzi Brot (u. a. mit Obazdem)4,30 Euro
Vinzenzmurr, Zwischengeschoss im HauptbahnhofSchnitzelsemmel, Hähnchen4,95 Euro
Bratwurstsemmel3,95 Euro
dean & david, Zwischengeschoss im HauptbahnhofCalifornia Poke Bowl (unter anderem mit Lachs und Avocado)13,25 Euro
Salmon Spring Salat (u.a. mit Lachs)11,95 Euro
Olivia, Zwischengeschoss im HauptbahnhofKebab-/Falafel-Sandwich6 Euro
Yormas, Zwischengeschoss im HauptbahnhofObstbecher, 350 Gramm4,30 Euro
Edeka Ernst, Hauptbahnhof, ZwischengeschossBowl unter anderem mit Lachs, Mango und Edamame11,90 Euro
Pommes Freunde, Zwischengeschoss im HauptbahnhofGuacamole Burger Menü mit Pommes und Getränk12,45 Euro
Brezelina, Stachus-UGSchnittlauch-Breze2,20 Euro
Ali’s Kebaberia, Stachus-UGKebab-/Falafel-Sandwich6,50 Euro
My Indigo, Stachus-UGAvocado Mozzarella Bowl9,50 Euro
Scoom, Marienplatz, ZwischengeschossIndian Chicken Wrap6,95 Euro
Laugenstange mit Schinken4,35 Euro
Sasou, MarienplatzAvo-Phila Sake (10 Stück Sushi)8,50 Euro
Münchner Suppenküche am ViktualienmarktErbseneintopf mit Wiener6,50 Euro
Hochzeitssuppe5,90 Euro
Sandwiches Luiginos, ViktualienmarktSandwich Paprika/Spinat5,90 Euro
Sandwich Antipasti6,90 Euro
Fisch Witte, ViktualienmarktMatjes-Semmel4 Euro
Krabbensemmel7 Euro
Schlemmermeyer, ViktualienmarktFeine Kalbsbratwurstsemmel3,90 Euro
Stephanis Grill & Imbiss, ViktualienmarktSchaschlik mit Semmel5,90 Euro
Bratwurst in der Semmel4,50 Euro

München: Das sagen die Kunden zum Preis-Schock bei den kleinen Speisen

Ich bin schon preisbewusst und schaue, ob etwas teurer geworden ist. Für meinen Salat habe ich 10,90 Euro gezahlt. Glücklicherweise bekomme ich über die Arbeit einen Essenzuschuss, sonst würde ich das nicht machen. Manchmal nehme ich mir aber auch etwas zu essen von zu Hause mit. Pauline (30, Mitte), Projektmanagerin, mit Kolleginnen am Stachus

München: Das sagen die Betreiber – Inflation schlägt durch

Marianne Bilecen (58), Inhaberin Ali’s Kebaberia
Marianne Bilecen (58), Inhaberin Ali’s Kebaberia. © Markus Götzfried

Ich musste Döner-Kebab von 5 auf 6,50 Euro erhöhen. Dafür kann ich aber nichts! Der Fleischpreis ist allein in den letzten drei ­Wochen um 30 Prozent gestiegen. Und für zehn Liter Rapsöl musste ich jetzt beim Händler 40 Euro zahlen – vor dem Ukraine-Krieg hat es noch 15 Euro gekostet. Ich gebe unsere gestiegenen Ausgaben nicht einmal komplett weiter. Durch die höheren Preise kommen aber leider etwa 30 Prozent weniger Kunden. Marianne Bilecen (58), Inhaberin Ali’s Kebaberia

München: Aufschlag bei Sushi?

Agocs Radovan (42), Betriebsleiter Sasou
Agocs Radovan (42), Betriebsleiter Sasou. © Markus Götzfried

Ich habe die Preise zwar seit Anfang des ­Jahres nicht erhöht, werde das aber zumindest beim Sushi voraussichtlich in den Sommer­ferien machen und beispielsweise das Lachs-Sushi statt für 4,50 Euro dann für 5,50 Euro verkaufen. Fleisch, Fisch, Gemüse – alles ist teurer geworden. Dazu kommen die hohen Energiepreise, jetzt auch noch die steigenden Personalkosten wegen des Mindestlohns. ­Vermutlich muss ich im Herbst weitere Gerichte teurer machen. Agocs Radovan (42), Betriebsleiter Sasou

Die Entwicklung ist krass

Luigi Farsch (39), Inhaber Sandwiches Luiginos
Luigi Farsch (39), Inhaber Sandwiches Luiginos. © Markus Götzfried

Wir schauen uns die Entwicklung noch bis Oktober an und werden dann eventuell die Preise erhöhen. Noch gibt es die Überlegung, dass ja auch weniger Kundschaft kommt, wenn wir teurer werden. 6 oder 7 Euro für ein Sandwich ist ja ohnehin nicht so günstig. Trotzdem ist die Entwicklung krass: Seit drei, vier Wochen hat sich allein der Preis für Butter vervierfacht. Das Gleiche gilt fürs Brot. Und jeder Lieferant schlägt plötzlich noch eine Lieferpauschale drauf… Luigi Farsch (39), Inhaber Sandwiches Luiginos

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